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20.03.2012

PSA-Chef über die Zukunft von Peugeot und Citroen

© Bild: Werk

Frédéric Saint-Geours, der neue Markenvorstand der Franzosen über die Zusammenarbeit mit General Motors, unaussprechliche Modell-Bezeichnungen und den Grund für den abrupten Le-Mans-Ausstieg.

Begonnen hat er seine Karriere im Finanzministerium. Und die Zahlen ließen Frédéric Saint-Geours auch nicht mehr los, nachdem er 1986 zu PSA in die Autobranche wechselte. Dort hat er verschiedenste Führungsfunktionen ausgefüllt, vom Finanzdirektor des Gesamtkonzerns bis zum Chef der Marke Peugeot.

Als zu Beginn des Jahres Markenvorstand Jean-Marc Gales überraschend zurücktrat, betraute PSA-Boss Varin seinen erfahrenen Finanzchef mit dessen Agenden. Frédéric Saint-Geours im KURIER-Gespräch über ...

... den Einfluss der neuen Kooperation mit General Motors auf bestehende Allianzen mit anderen Herstellern:
"Die Kooperationen mit anderen wie Ford, BMW oder Toyota bleiben bis auf Weiteres bestehen. Wir entwickeln mit unseren Partnern gemeinsam verschiedene Dinge und im Autogeschäft dauert so etwas immer recht lange. Daher bleibt da vorläufig alles, wie es ist. Was nach Abschluss solcher Projekte sein wird, werden wir dann sehen. Aber unsere Partnerschaft mit GM ist sehr offen."

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... die geplanten Gemeinschafts-Projekte mit GM:
"Wir legen den gesamten Einkauf zusammen, wir werden zunächst Autos für das B- und D-Segment sowie Minivans und Crossover-Modelle gemeinsam entwickeln. Aber wir werden noch andere Dinge finden. So hat etwa GM Interesse,unsere Logistik-Einheit zu nutzen und wir werden vielleicht auch eine gemeinsame Plattform für ein sehr - effizientes Kleinauto entwickeln."

... die Zukunft des Elektroautos:
Wir erwarten, dass reine Elektroautos in zehn Jahren maximal fünf Prozent des Gesamtmarktes darstellen werden. Wir glauben aber, dass Hybrid-Autos dann rund 15 % ausmachen werden, also wesentlich mehr. Daher sind wir zuversichtlich, dass sich die Hybrid-Technologie weiterentwickeln wird. Und daher haben wir auch dafür gearbeitet, als Erste einen Diesel-Hybrid auf den Markt zu bringen. Und ich kann mir für die Zukunft auch Peugeot- und Citroën-Modelle als Plug- ­in-Hybrid oder mit Range-Extender vorstellen."

... den Unterschied zwischen Peugeot und Citroën:
"Zentraler Punkt unserer Strategie ist es, unsere beiden Marken aufzuwerten, aber nicht auf die gleiche Weise. Bei Citroën entwickeln wir die DS-Linie weiter, und bei Peugeot haben wir von jedem Modell eine aufgewertete Version. Wie zum Beispiel beim 208 die GTI-Studie, die wir in Genf zeigen und vielleicht auch bauen werden."

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... die Zukunft für Luxus-Modelle von PSA und komplizierte Modellbezeichnungen:
"Wir denken da nicht so sehr an ein Oberklasse-Modell, sondern glauben, dass wir luxury à la français bieten können. Der DS5 von Citroën entsprichtdem sehr gut. Oder bei Peugeot der 508 RX ... äh, XRH ... nein XHI ... also, das ist sehr kompliziert. Ich war noch nicht da, als dieser Name ausgewählt wurde. Er ist jedenfalls sehr schwer auszusprechen. Also, Sie wissen, welchen 508 ich meine (Anm.: 508 RXH) . Das sind Autos, an die wir dabei denken, nicht an die klassische große Limousine."

... die Aussichten für den Autoabsatz in Europa:
"Wir glauben, dass der Markt heuer um 5% zurückgehen wird. Es wird also sehr hart, aber wir haben mit dem 208 und dem 4008 und dem Citroën Aircross starke neue Modelle. Daher glauben wir, dass wir unseren Marktanteil in Europa steigern werden können."

 

... den Ausstieg von Peugeot aus dem Le-Mans-Projekt und das WRC-Engagement von Citroën:
"Wir sind Ende des Vorjahres in eine schwierige wirtschaftliche Situation gekommen und mussten unsere Marketing-Kosten um weitere 200 Millionen kürzen. Weil wir für Le Mans noch nicht unterschrieben hatten, konnten wir das noch stoppen und das Geld dafür in die Vermarktung unserer neuen Produkte umleiten, die sehr wichtig sind für die Firma. Das war keine leichte Entscheidung, aber wir mussten sie treffen. Citroën hatte bei der WRC schon unterschrieben, daher läuft das Engagement dort auch weiter. Was danach sein wird, hängt von der wirtschaftlichen Situation ab, in der wir uns dann befinden werden."