Dr. Wolfgang Schreiber, CEO Bentley/Bugatti

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Interview
03/16/2013

„Qualität muss noch besser werden“

Bentley- und Bugatti-Chef Wolfgang Schreiber über SUV, Diesel und einen kleinen Bentley.

von Horst Bauer

KURIER: Herr Schreiber, Sie sind nun seit rund einem halben Jahr Chef von Bentley und Bugatti. Wie sieht Ihre erste Bilanz aus?

Wolfgang Schreiber:Sehr gut. Ich habe dort sehr viele hoch motivierte Leute angetroffen, die hoch qualifiziert sind, etwa in der handwerklichen Bearbeitung von Holz und Leder, und die auch sehr stolz sind auf die Geschichte der Firma und ihrer Produkte. Ich habe aber trotz des schon sehr hohen Qualitätsniveaus noch Möglichkeiten zur Verbesserung gesehen. Wir sind da schon sehr gut und unsere Kunden sind auch zufrieden mit der Qualität, aber gerade für eine Luxusmarke wie Bentley ist es unerlässlich, ständig an der weiteren Qualitätsverbesserung der Produkte zu arbeiten. Es darf auf diesem Preisniveau nicht die kleinsten Fehlfunktionen oder das leiseste Knirschen geben. Darüber hinaus habe ich auch Verbesserungspotenzial bei den Fertigungsprozessen gesehen. Die sind noch nicht ganz auf dem Niveau, das wir in der Volkswagengruppe haben.

Was kann dabei verbessert werden und wie wirkt sich das aus?

Man kann zum Beispiel die Zeit verkürzen, die zur Produktion eines Autos benötigt wird. Oder man kann Abläufe einfacher machen, das wirkt sich immer auch positiv auf die Qualität aus. Dadurch wird die Anzahl der Fehler, die begangen werden können, kleiner und kleiner. Bentley ist ein relativ kleiner Hersteller und wir stehen derzeit vor sehr großen Aufgaben, wie etwa dem SUV-Projekt. Daher müssen wir uns auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren und nicht versuchen, alles gleichzeitig zu machen. Nichts funktioniert so schnell und kostet so wenig Geld, wie konzentriert nachzudenken.

Weil Sie gerade das SUV-Projekt erwähnt haben. Gibt es schon die Freigabe vom Konzern oder wann ist damit zu rechnen? Die endgültige Entscheidung ist noch nicht getroffen. Aber wir rechnen wöchentlich damit. Ich bin sehr optimistisch, dass wir das Okay bekommen werden, weil alle in der VW-Gruppe davon überzeugt sind, dass es richtig ist, Bentley eine vierte Modellreihe zu geben. Und für uns passt ein SUV perfekt in die Palette. Wir arbeiten auch schon konzentriert am Restyling der Studie und haben das Erscheinungsbild komplett verändert und auch im Interieur vieles neu gemacht. Jetzt geht es optisch nicht mehr darum, sich an einem Range Rover zu orientieren, sondern wir haben uns viel stärker an der Bentley-Styling-DNA ausgerichtet.

Wovon hängt es ab, ob Sie für das SUV-Projekt grünes Licht aus Wolfsburg bekommen?

Um für so ein großes Vorhaben die endgültige Zustimmung zu erhalten, müssen viele Fragen beantwortet werden. Da geht es um finanzielle Aspekte, die Frage, ob es dafür genug Platz auf dem Markt gibt, wollen wir überhaupt mehrere SUV im Konzern haben, wer sind unsere Mitbewerber, wo soll das Auto gebaut werden und wie kann man die größtmöglichen Synergien heben. Alle diese Punkte müssen untersucht werden, bevor es eine Entscheidung gibt.

Ist diese einmal gefallen, wie lange brauchen Sie dann, bis das Auto marktreif ist?

Das dauert rund zweieinhalb bis drei Jahre. Also gegen Ende 2015 oder Anfang 2016 könnte es so weit sein.

Werden Sie dafür auch einen neuen Motor brauchen? Und wie schaut es mit einem Diesel für Bentley aus?

Wir sind mit unseren aktuellen Acht- und Zwölfzylindermotoren sehr gut aufgestellt und werden da nur Adaptionen vornehmen müssen. Das wäre ein guter Start für einen Bentley-SUV. Diesel ist für diese Art von Autos immer eine gute Frage, vor allem für den europäischen Markt. Aber wenn man sich ansieht, wo wir die meisten Autos verkaufen, also in den USA, China oder dem Mittleren Osten, da spielt der Diesel keine Rolle. Auf der anderen Seite kommen neue Technologien auf uns zu wie Plug-in-Hybride, die Benzinmotoren in Hinblick auf Verbrauch und Reichweite weiter in die Nähe von Dieselmotoren bringen. Das könnte die Entscheidung beeinflussen, ob wir tatsächlich einen Dieselmotor im SUV brauchen.

Welche Ziele haben Sie mit dem neuen Flying Spur?Die erste Generation war mehr oder weniger ein viertüriges Derivat des Continental. Der aktuelle Flying Spur ist ein eigenständiges Modell mit einer eigenen Persönlichkeit. Es ist alles neu vom Chassis über die Karosserie bis zum Interieur. Der Motor bietet mehr Leistung und wir haben die 6-Gang-Automatik durch eine 8-Gang ersetzt. Und wir haben noch mehr Augenmerk auf den Komfort gelegt, weil weltweit gesehen rund 50 bis 60 Prozent der Käufer das Auto nicht selbst fahren. In bestimmten Märkten wie China sind es sogar 80 Prozent. Daher haben wir alles getan, um den Komfort zu verbessern und das Geräuschniveau im Passagierraum zu senken. Und für jene, die selbst fahren, haben wir die Leistung des W12-Motors angehoben.

Wann wird es den V8-Motor für den Flying Spur geben?

Wir starten mit einem komplett neuen Modell und nach 5 bis 6 Monaten ohne einen Flying Spur spüren wir jetzt eine große Nachfrage. Daher konzentrieren wir uns zunächst auf den Zwölfzylinder. Vielleicht bringen wir irgendwann später auch den V8. Aber sicher nicht heuer.

Planen Sie eine Straßenversion des Continental-GT3-Rennwagens?

Wir denken darüber nach. Es ist eine zusätzliche Option, so eine sehr sportliche Kleinserie zu machen. Der Markt dafür ist aber sehr limitiert. Auf der anderen Seite haben wir Kunden, die genau danach fragen. Wir evaluieren das gerade und werden in ein paar Monaten eine Entscheidung treffen können.

Können Sie sich einen kleineren Bentley unter dem Continental vorstellen?

Wenn wir in Hinkunft vier Modellreihen inklusive dem SUV haben werden, dann sollten wir dadurch unabhängiger vom Lebenszyklus der einzelnen Modelle werden. Das würde unser Geschäft und unsere Profitabilität nachhaltiger machen. Auf dieser Grundlage wäre dann Raum für mehr als diese vier Modellreihen. Aber ganz unabhängig davon, ob so ein Modell dann kleiner wäre oder eine andere Karosserieform hätte, sind für mich einige Dinge für einen Bentley unverzichtbar. Es muss immer eine Kombination aus Luxus, gutem Design, hohem Fahrkomfort und exklusiven Materialien im Interieur sein. Und natürlich kraftvollen Motoren mit besonders hohem Drehmoment. Daher kann ich mir auch keine Saugmotoren in einem künftigen Bentley vorstellen.

Abschließend die unvermeidliche Frage nach dem nächsten Bugatti. Wann wird er starten und wie wird er aussehen?

Bugatti ist etwas komplizierter als Bentley. Wie Sie wissen, hat es sehr lange gedauert, den Veyron zu entwickeln. Was ich daraus gelernt habe, ist, dass man da ganz genau auf die Kunden hören muss. Die geben sehr viel Geld für das Auto aus und suchen dafür etwas ganz Spezielles. Wir hören da genau hin und haben derzeit mehr als eine Option für das nächste Modell. Eine Möglichkeit ist immer noch die Galibier-Studie. Aber wir haben jetzt den besten Supersportwagen auf dem Markt, und es könnte auch eine Option sein, wieder so etwas zu machen. Aber es gibt noch Bestellungen für ein Jahr abzuarbeiten und immer noch rund 70 Grand Sport und Vitesse zu verkaufen. Die zu bauen dauert noch weitere zwei Jahre, erst dann müssen wir mit dem neuen Modell so weit sein.