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Fahrbericht
10/12/2014

Renault Eolab: Erste Ausfahrt mit dem 1-Liter-Auto mit Plug-in-Hybridantrieb

Renault plant den Serienstart des 1-Liter-Autos für 2018.

von Maria Brandl

2009 hatte Renault-Chef Carlos Ghosn angekündigt, sich voll auf E-Fahrzeuge zu konzentrieren und auf die Entwicklung eines Hybridantriebs zu verzichten. Fünf Jahre später und mit stark gedämpften E-Boom-Hoffnungen, wartete Renault jetzt auf dem Pariser Autosalon mit einer 1-Liter-Hybrid-Studie auf Basis des Clio auf. Der "Eolab" war nun in der Nähe von Paris zu fahren.

Das Konzept Es handelt sich um einen Plug-in-Hybridantrieb, der einen kleinen Benziner mit einem E-Antrieb (Permanentmagnetmotor, Lithium-Ionen-Akku, Dreigang-Getriebe) kombiniert. Dazu kommt intelligenter, aber leistbarer Leichtbau (daher keine Kohlefaser-Karosserie) sowie eine optimierte Aerodynamik. Zu laden ist der Eolab an jeder Haushaltssteckdose.

In Fahrt Der Eolab bietet nicht nur außen ein sehr ansprechendes Design, sondern vermittelt auch innen ein gutes Raumgefühl. Durch das Kippen des Benzinmotors ist es den Designern gelungen, trotz der coupéförmigen Dachlinie die Kopffreiheit vorne wie hinten im Vergleich zum Clio zu erhalten. Auffallend ist der riesige zentrale Bildschirm, ähnlich wie im Tesla, der sich hoch oder quer positionieren lässt und am oberen Ende die Bilder der Kamera abspielt, die den zentralen Rückspiegel ersetzt. Auch die seitlichen Rückspiegel wurden aus Aerodynamik-Gründen durch Kameras ersetzt. Das Schalten, Lenken, Bremsen, Gasgeben funktioniert so einfach wie bei einem Auto mit Automatik. Die Übergänge zwischen den einzelnen Gängen sind noch deutlich zu spüren, aber beim Eolab handelt es sich ja um ein Konzeptauto.

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Das Zusammenspiel der Antriebseinheiten regelt der Bordcomputer. Bei entsprechend geladener Batterie fährt der Eolab bis zu 120 km/h rein elektrisch, insgesamt soll die elektrische Reichweite 60 km betragen. Ab rund 70 km/h wird die Karosserie automatisch abgesenkt, um so den Luftwiderstand zu senken und Energie zu sparen. Insgesamt zeigte sich bei dieser kurzen Fahrt, dass ein 1-l-Plug-in-Hybridauto mit einem vergleichbaren E-Auto punkto Fahrgefühl durchaus mithalten kann.

Forschungsprogramm Der Eolab entstand in Kooperation mit Zulieferern wie Conti (Bremsen), Saint-Gobain (Glas), Faurecia (Plastik), Posco (Magnesium) und Michelin (Reifen) im Rahmen des französischen Forschungsprogramms "Vert", das mit 3,7 Mio. € dotiert war.

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1-l-Studie auf Basis des Renault Clio

Antrieb Plug-in-Hybrid mit 1-l- Dreizylinder-Benziner (78 PS, 95 Nm) und E-Motor (Permanent- magnet, 54 PS, 160 Nm), Lithium- Ionen-Akku (6,7 kWh), 400 V Bord- spannung, 3-Gang-Getriebe (ohne Kupplungspedal).

E-Reichweite: ca. 60 km. Ladedauer (230 V): 2–3h.

Spitze ca. 160 km/h, 0–100 in 9 sec.

Maße/Gewicht L x B x H 4069 x 1726 x 1392 mm, Radstand 2618 mm, 955 kg Leergewicht. Bodenfreiheit 120–170 mm.

Verbrauch 1 l/100 km (dank 66 km rein elektrischer Reichweite + 3,6 l/100 km Benzin auf 25 km im EU-Normzyklus).

Preis keine Angabe.

Mögliche Serienreife 2018.

Wettbewerber VW XL1.

Zwei Mal Zukunft

Carlos Ghosn ist bekannt für seine großen Visionen. Bei Dacia hat er mit feinem Gespür früher als seine Kollegen in den Autokonzernen den Trend zu attraktiven Billigautos erkannt. Ebenso überzeugt war er von der Zukunft des Elektroantriebs und verkündete 2009, dass sich Renault voll auf reine E-Autos konzentrieren und auf Hybridautos verzichten werde. Vier Milliarden Euro sah er dafür vor. 1,5 Mio. E-Autos sollten bis 2016 von den Allianzpartnern Renault und Nissan verkauft, ein eigenes Batteriewerk dafür in Frankreich errichtet werden.

Fünf Jahre später ist die Nachfrage nach E-Autos nach wie vor mäßig. Gerade einmal 10.000 soll Renault bislang gebaut haben, so das französische Magazin Challenges.

Kein Wunder, dass "das Auto der Zukunft", das Renault im Rahmen des französischen Forschungsprogramms "Vert" ("Grün") mit Partnern entwickelt hat, kein futuristisches Elektrovehikel, sondern ein Einliterauto mit Verbrennungsmotor ist. Ein Elektroantrieb ist auch integriert, aber als "Zweitantrieb", nicht als Einzelantrieb. Das Besondere daran: Das Einliterauto von Renault soll nicht nur attraktiv und praktisch, sondern auch preislich "massentauglich" sein.

Damit fährt Ghosn neuerlich einen anderen Kurs als etwa sein Mitbewerber VW aus Wolfsburg. Dessen Einliterauto XL1 ist zwar bereits zu kaufen, jedoch zum stolzen Preis von 111.000 Euro und in einer kolportieren Stückzahl von 250. Renault scheint stärker an die Zukunft des Einliterautos zu glauben. Wenn auch mit Verspätung.