News 24.05.2012

Routen für Genießer: Barcelona

Routen für Genießer: Barcelona
© Benedikter

Durch das reizvolle Hinterland von Barcelona, zu mittelalterlichen Burgen und Städten, jahrtausendealten Weinregionen, entspannten Einheimischen und außergewöhnlichen Klosteranlagen der Zisterzienser.

In Katalonien wurden für Wein sogar Kathedralen gebaut. Eine davon steht in Nulles, von einem der sich als Schüler von Gaudi und als Sohn der Weingegend sowohl mit Gotteshäusern wie mit dem Weinmachen auskannte, César Martinell.

Weltkulturerbe Poblet.
© Benedikter

Heute wird dort nicht nur Wein gemacht, sondern auch kredenzt. Anders als in Österreich schlossen sich in Katalonien schon nach der großen Reblaus-Katastrophe Ende des 19. Jahrhunderts Winzer zu Kooperativen zusammen. Heurige gibt es dort nicht.

Nulles als älteste Weingegend Kataloniens ist geprägt vom Weißwein (Malvasier, Muscadella, Chardonnay), aus dem meist Cava hergestellt wird (Schaumwein). Wenige Kilometer weiter westlich, in Barberà de la Conca, dominiert der Rotwein (Merlot, Cabernet Sauvignon, Trepat).

Weltkulturerbe Poblet.
© Benedikter

Willkommen im Hinterland von Barcelona! Hier lässt sich noch spanische Lebensfreude erleben, haben Leute Zeit für gemütliches Essen, Trinken oder Plaudern. Selbst das Wetter ist anders als in Spanien erwartet und ähnelt unserem. Entsprechend grün ist die Landschaft, selbst im Sommer.

Auch sonst hat man mit Österreich einiges gemein. Etwa in Cardona. Der Ort wird dominiert von einer riesigen Festungsanlage, die ursprünglich, um 900, zur Kontrolle des Feindes, der Mauren, sowie des Salzbergbaus, der sprudelnden Geldquelle, gebaut wurde. Die Grenze zum maurischen Reich verlief mitten durch den Ort.

Die Festung birgt heute ein exquisites Hotel (siehe Leben entlang der Route) samt Aussichtscafé. Immer wieder dient sie als Filmkulisse, so wurde etwa Falstaff mit Orson Wells hier gedreht. Legendär sind Konzerte mit Jordi Savall. Auch die riesige romanische Kirche sucht ihresgleichen.

Die Burg wurde in 1000 Jahren trotz härtester Angriffe nie besiegt. 1714 räumte sie der Burgherr, der im spanischen Erbfolgekrieg gegen die Franzosen (Bourbonen) zu den Habsburgern gehalten hatte, freiwillig, um dafür das Leben der Bewohner von Barcelona zu retten.

Das Gold der Zeit war das Salz. Anders als in Österreich muss nicht unterirdisch danach gegraben werden. Die Salzberge des Tales, wo teils noch abgebaut wird, sind in Europa einzigartig. Schon der römische Schriftsteller Auli Geli berichtete von einem großen Berg "aus reinem Salz, der umso größer wird, je mehr man abbaut".

Eine Führung im Salzberg-Museum in Cardona dauert 45 Minuten und ist ein Erlebnis für Jung und Alt. Die letzte Blütezeit (bis 1990) verdankte der Salzberg übrigens dem Abbau von Salz für Dynamit und Kunstdünger.

Weltkulturerbe Poblet.
© Benedikter

Wo ausreichend Menschen, Stein und Wasser vorhanden waren, ließen sich auch die Zisterzienser nieder. Sie errichteten im 12. Jahrhundert, nach Abzug der Mauren, im wiedereroberten und sogenannten Neu-Katalonien riesige Klosteranlagen. Drei davon, Santes Creus, Poblet und Vallbona de les Monges waren namensgebend für die "Zisterzienser-Route".

Außer Santes Creus sind alle Klöster noch "aktiv" und haben sich von den Wirren, Brandschatzungen und Plünderungen vor allem um 1830, als viele Klöster aufgelöst wurden, und später im spanischen Bürgerkrieg wieder erholt. Santa Creus war zwischendurch sogar Gefängnis.

Poblet ist inzwischen UNESCO-Weltkulturerbe und wird als größte bewohnte Klosteranlage Europas beworben. Es beherbergt enorme Kirchenschätze und zwei Vinotheken in seinen Gebäuden. An der Hauptkassa hilft ein Pater, der einige Zeit in Österreich lebte.

Vallbona de les Monges ist das einzige Frauenkloster und am wenigsten touristisch, aber gerade deshalb auch absolut sehenswert. Die Spuren des Bürgerkriegs sind dort besonders deutlich zu sehen.

Weltkulturerbe Poblet.
© Benedikter

Auch Montblanc, eine Kleinstadt mit mittelalterlichem Stadtkern und wenige Kilometer von Poblet entfernt, ist alles andere als verstaubt. In den winzigen Gassen rund um die Plaça Major geht es nicht nur an den Wochenenden hoch her. Die Einheimischen lieben es, auszugehen, die wenigen Touristen fallen nicht auf. Besonders authentisch wirken die Männer, die abends in der Vinothek der lokalen Kooperative mit Plastikkanistern ihren (urigen) Rotwein aus dem Tank holen.

Empfehlenswert ist eine Tour auf der Stadtmauer. Wer Feste liebt, sollte das Georgsfest (Sant Jordi) um den 23. 4. sowie den Weihnachtsfestzug im Jänner vormerken.

Weltkulturerbe Poblet.
© Benedikter

Als Startpunkt für die Route eignet sich Barcelona, das man nach Norden, Richtung Montserrat, verlässt, wo es neben dem sehenswerten Kloster auch einen herrlichen Blick ins Tal gibt. Für die 60 km sind rund eineinhalb Stunden Fahrt einzuplanen.

Von Montserrat folgt man den Wegweisern Richtung Manresa, einer kleinen Stadt, die nach 15 km und 20 Minuten erreicht ist. Von dort sind es gut beschilderte 40 km und 45 Minuten nach Cardona.

Die nächste Etappe folgt einer landschaftlich sehr reizvollen, aber ziemlich engen und löchrigen Landstraße zum Santuari del Miracle, das rund 20 km entfernt ist und einen imposanten Klosterkomplex auf einem Hügel darstellt, der von Napoleons Truppen zerstört wurde. Die wertvollsten Kircheneinrichtungen wurden aber versteckt und sind heute wieder zu sehen.

Von El Miracle geht es zurück nach Su (Weiler) und von dort über Ardevol, Ivora, nach Cervera (Vorsicht, sehr verwirrende Autobahn-Baustelle), weiter über Pardello nach Sant Coloma de Queralt, einer netten Kleinstadt, ideal für einen Spaziergang. Danach folgt man den Schildern Richtung Santes Creus und fährt durch ein wildromantisches bewaldetes enges Tal, vorbei an zahlreichen Burg- und Kirchenruinen und dem Ort Querol.

Weltkulturerbe Poblet.
© Benedikter

Bei Santes Creus wird das Land zunehmend flacher, Weingärten lösen den Wald ab, auf Landstraßen taucht nach rund 30 Minuten Nulles auf. Von Nulles nach Montblanc dauert es ungefähr genauso lang. Sowohl Poblet wie Barberà de la Conca liegen in einer Distanz von ca. 20 Minuten. Nach Vallbona de les Monges ist von Montblanc rund eine Stunde einzuplanen.

Am schnellsten wieder in Barcelona ist man von Montblanc über die Autobahn(rund 110 km). Insgesamt ist die Route rund 400 km lang.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Tipp

(Kurier) Erstellt am 24.05.2012