Auto und Reise 05.12.2011

Routen für Genießer: Beim Zeus

Routen für Genießer: Beim Zeus
© Michael Andrusio

Traumstraße in die Antike: Am Peloponnes von Korinth nach Olympia, Sparta, Mycenae und Epidaurus.

Sie begegnen einem auf so einer Reise ständig: Die Mythologie auf der einen Seite und tatsächlich existierende Überreste großer Geschichte auf der anderen. Das beginnt schon bei der Namensgebung. Peloponnes leitet sich vom sagenhaften König Pelops ab. Er errang die Herrschaft durch ein halsbrecherisches Wagenrennen von Elis im Westen bis nach Korinth. Ob manche griechische Autofahrer ihre Fahrweise als Hommage an diese Hatz verstanden wissen wollen, sei dahingestellt (was aber wieder eine andere Geschichte ist).

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© Jörg Henkel Hamburg/pixelio.de

Bevor der Reisende, von Athen mit dem Mietauto kommend, Korinth erreicht, passiert er ein (relativ) neues Monument der Baukunst - den Kanal von Korinth. Pläne, den Isthmus zu durchstechen, gab es auch schon in der Antike, von den Korinthern selbst bis zu Kaiser Nero. Keiner erwies sich als ausbaufähig. Das antike Korinth (Hinweisschildern Archea Korinthos folgen) präsentiert sich als beeindruckende Sehenswürdigkeit, überragt wird das alte Korinth vom Burgberg Akrokorinth.

Mycenae

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© Jörg Henkel Hamburg/pixelio.de

Von Korinth geht die Fahrt weiter nach Mycenae. Die Anlage war als Burgfestung ausgelegt und hier residierte einst der aus dem trojanischen Krieg bekannte König Agamemnon. Der Ausgrabungsstätte angeschlossen ist ein kleines Museum. Manche Griechen meinen, dass zwischen den exponierten Steinen von Mycenae im Sommer der heißeste Ort des Landes ist. Das Frühjahr ist aber eine schöne Zeit, um die Region zu erkunden. Die Temperaturen sind noch gemäßigt und gelbe Ginsterbüsche und roter Mohn sorgen für Farbtupfer in der Landschaft. Auf der Fahrt ins wunderschöne Navplio, der ersten Hauptstadt Griechenlands, passiert man die eindrucksvollen Mauern des alten Tiryns. Tiryns ist wiederum verbunden mit König Eurystheus, er war derjenige, der Herakles seine 12 Aufgaben stellte. Auch einige Orte, an denen Herakles seine Arbeiten verrichtete - meist ging es darum, furchterregende Viecher zu würgen, zu erschießen, den Kopf abzuschlagen oder zu fangen - begegnen einem hier.

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© Jörg Henkel Hamburg/pixelio.de

In Navplio lohnt ein Besuch der alles überragenden Bergfestung der Venezianer oder man kann nach der ersten geballten Ladung Historie an der einladenden Hafenpromenade einen Eiskaffee trinken.
Nicht weit von Navplio entfernt liegt der kleine Fischerort Tolo, der mittlerweile alles bietet, was das Touristenherz erfreut (vom Fischfang lebt nur mehr ein Drittel), aber sehr ruhig an einer kleinen Bucht gelegen ist. Von Tolo fährt man ostwärts nach Epidaurus. Berühmt ist Epidaurus durch sein gut erhaltenes Amphitheater, das noch heute für Aufführungen genutzt wird. Bemerkenswert ist die Akustik, was die meisten Besucher durch fallen lassen einer Münze auf den Mittelstein austesten. Andere freilich versuchen sich als Sänger (oder machen sich in irgendeiner Form zum Kasperl).

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© Jörg Henkel Hamburg/pixelio.de

Ebenso sehenswert in Epidaurus sind die Ausgrabungen des angeschlossenen Asklepion-Heiligtums. Im kleinen Museum finden sich auch medizinische Geräte aus der Zeit (man stellt sich besser nicht vor, wie damit gearbeitet wurde).
Von Argos hat die Region (Argolis) ihren Namen. Von hier aus reist man auf einer Straße, die sich in die Berge schraubt und tolle Ausblicke auf den Argolischen Golf erlaubt, weiter nach Tripoli. Tripoli ist das Verwaltungszentrum der Region Peloponnes. Antikes wird man hier vergeblich suchen, dafür liegt die Stadt inmitten einer Hochebene, die im Frühjahr von grünem Gras bedeckt ist. Wir sind mittlerweile im sagenhaften Arkadien. Tatsächlich findet man hier ungetrübte Natur - die Gegend ist das, was man als wildromantisch bezeichnen kann. Bienenkästen und Radarkästen säumen die Straße, ersteres ein Zeichen dafür, dass die Natur hier noch in Ordnung ist.
Die Straße führt Richtung Langadia (gleich einem Vogelnest in die Berge gebaut) und weiter nach Olympia. Schlicht beeindruckend ist die Stätte, in der die Olympischen Spiele ihren Ursprung hatten, entsprechend groß ist der Andrang von Touristen. Vor allem Besucher aus Japan haben ihren Spaß, die Rennbahn im antiken Stadion rauf- und runterzurennen. Auch hier gibt's ein Museum (das unter anderem antike Sportgeräte zeigt) zu besuchen.

Fährt man von Tripoli Richtung Süden, kommt man nach gut einer Stunde nach Sparti. Die Überreste des antiken Sparta muss man erst einmal suchen, sie nehmen sich auch bescheiden aus und sind inmitten eines Olivenhains am Nordrand der Stadt (aber frei zugänglich). Die Stadt wurde 1834 neu gegründet, bis dahin lebten die Bewohner in der Stadt Mystras, wenige Kilometer westlich von Sparti - heute eine Geisterstadt und einen Besuch wert.

Gythion

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© Jörg Henkel Hamburg/pixelio.de

Kriegshafen der Spartaner war Gythion, 40 km südlich von Sparti. An Krieg und Marine erinnert hier nichts mehr - friedlich und malerisch liegt der kleine Hafenort am Lakonischen Golf. Gythion ist auch ein guter Ausgangspunkt für den Besuch des südlichen Peloponnes und auch der Region Mani, einer kargen, aber faszinierenden Landschaft, die den mittleren Finger des Peloponnes prägt. Zwischen Steilküsten findet man hier auch schöne Strände. Einer davon ist in Mavrovouni, wo bis zum frühen Nachmittag Windstille herrscht und erst wenn die Surfer ausgeschlafen sind, schickt Äolus (der Gott der Winde) eine Brise.

Am Kap Tenero soll der Eingang zum Hades (also zur Unterwelt) gewesen sein. Wer die Reise romantischer ausklingen lassen will, setzt sich in Gythion in eines der nette Lokale an der Uferpromenade und schaut auf die kleine Insel Kranai, wo Paris und Helena ihre erste gemeinsame Nacht verbrachten - der Legende nach.

(Kurier) Erstellt am 05.12.2011