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24.05.2012

Routen für Genießer: Lofoten

© Bild: Hopfenpflanzer / Wikipedia

Kreuzfahrt auf vier Rädern: Eine Tour durch die nordische Inselwelt der Lofoten, deren Schätze erst abseits der Kreuzfahrtschiff-Perspektive richtig entdeckt werden können.

Die Lofoten sind eine aus rund 80 Inseln bestehende Inselgruppe im Norden Norwegens. Verbunden durch hohe, schmale Brücken und Tunnels, sind die Inseln für ihre beeindruckende Landschaft und die reichen Fischbestände bekannt.

© Bild: Hopfenpflanzer / Wikipedia

Es ist recht populär, diese herrliche Inselgruppe mittels Kreuzfahrt zu besuchen, allerdings bleiben einem auf diese Weise viele Kostbarkeiten der Inseln verborgen. Besser ist es, sich ein Auto zu mieten und zwei Wochen zwischen Juni und August auch die weniger bekannten Vesterålen zu besuchen, die sich im Norden an die Lofoten anschließen. Diese Route, die sich "The Whale Route" nennt, beginnt in Bodø und endet einige hundert Kilometer und mehrere Fähren weiter nördlich in Tromsø.

Die norwegische Billigfluglinie Norwegian hat oft günstige Angebote von Wien über Oslo nach Bodø und ist erfahrungsgemäß sehr zuverlässig. Von Bodø aus geht mehrmals täglich eine Fähre nach Moskenes, am südlichen Ende der Lofoten. Spätestens nach der Hälfte der knapp vierstündigen Überfahrt kann man - vorausgesetzt, das Wetter spielt mit - die Umrisse der Inselgruppe bereits erahnen. Kleinere und größere Berge ragen wie graue, felsige Eisberge aus dem Atlantik empor und auf deren höher gelegenen Hängen wechseln sich Wiesen und Schneefelder ab - selbst im Hochsommer.

© Bild: Hopfenpflanzer / Wikipedia

Um die Stimmung der Umgebung richtig aufzusaugen, empfiehlt es sich, in einem sogenannten Rorbu zu übernachten. Das sind schön renovierte alte Fischerhütten, die an Touristen vermietet werden. So hat man die Möglichkeit, stilgerecht, als Selbstversorger direkt in einem der vielen kleinen Häfen zu wohnen.

Der südlichste mit dem Auto erreichbare Punkt der Lofoten heißt Å - übrigens der letzte Buchstabe im norwegischen Alphabet. Hier ist Anfang und Ende der wenig befahrenen Europastraße E10, die stellenweise mehr einem gut in Stand gehaltenen, asphaltierten Feldweg ähnelt. In Å gibt es ein sehenswertes Fischerdorf, das als Freilichtmuseum über die Fischereitechniken und -traditionen von früher informiert.

Auf dem Weg gen Norden passiert man viele Tunnel und Brücken von typisch schmaler und hoher Bauweise. Entlang des Weges sieht man immer wieder große Holzgerüste, die zum Trocknen des Dorsches dienen - eine Spezialität, die als Stockfisch hauptsächlich nach Italien exportiert wird.

© Bild: Hopfenpflanzer / Wikipedia

Die nächste Insel trägt den Namen Vestvågøy und ist über einen Unterwassertunnel erreichbar. Hier empfiehlt es sich, auf jeden Fall nicht der E10 zu folgen, sondern die etwas längere Küstenstrecke im Süden zu wählen – diese ist schöner und es herrscht weniger Verkehr. Auf der weiteren Strecke gibt es viele Wanderrouten, Fotopunkte, Möglichkeiten für Rad- und Paddelausflüge, Seeadler- und Papageitauchersafaris und unzählige Museen wie das Wikingermuseum in Borg oder das Lofoten Aquarium in Kabelvåg.

© Bild: Hopfenpflanzer / Wikipedia

Die Vesterålen präsentieren sich landschaftlich weniger spektakulär und zeigen sich von einer saftig grünen, hügeligen Seite. In Sortland empfiehlt es sich, einen größeren Einkauf zu tätigen, um danach für ein paar Tage von der Walroute abzuweichen und das kleine Dorf Nyksund zu besuchen: Eine wenig bekannte Perle Nordnorwegens, die etwas schwer zu erreichen ist. Der Weg ist nicht asphaltiert, aber dafür gepflastert mit unzähligen Schlaglöchern, die teilweise einen Smart verschwinden lassen könnten. Es lohnt sich aber trotzdem, diesen stoßdämpferfeindlichen Pfad zu befahren, sobald sich die Sicht auf das malerische Fischerdörfchen eröffnet, das sich wie selbstverständlich in eine enge Bucht schmiegt. 1975 wurde das Dorf von einem großen Sturm heimgesucht und daraufhin zogen bis 1977 alle Einwohner weg und Nyksund wurde zu einem Geisterdorf. Seit einigen Jahren ist das Dorf zu einer Künstlerkolonie geworden, die mit Ausstellungen, guter Gastronomie und Konzerten aufwartet.

Nach der anstrengenden Autofahrt kann man sich ein bisschen Erholung in Stave zuteilwerden lassen. Dort gibt es einen Campingplatz, mit Hütten und Appartements, dessen Attraktion die sogenannten Hot Pools sind: Auf hohen Erdhügeln befinden sich 38° bis 40° warme Whirlpools, die auf einer Seite Aussicht auf das Meer und auf der anderen auf eine Bergkette bieten. Prädikat: Sehr empfehlenswert.

In Anderes sollte man das Walzentrum besuchen, welches besonders auf die Erforschung von Pottwalen spezialisiert ist. Eine Walsafari mit Walgarantie (oder Geld zurück) kostet rund 100 Euro und beinhaltet auch einen Besuch des spektakulären Walmuseums (www.whalesafari.no).

© Bild: Hopfenpflanzer / Wikipedia

Zwei Fähren später lädt eine kurvenreiche Straße durch viele Tunnel und Fjorde in Richtung Trömsø zum sportlichen Fahren ein. Tromsø war und ist ein wichtiges Forschungszentrum, Startpunkt für beinahe alle Nordpolexpeditionen und trägt den Beinamen "Tor zum Eismeer". Die nördlichste Universität der Welt ist hier beheimatet und wenn man im Sommer durch die Innenstadt flaniert, könnte man vergessen, sich bereits weit nördlich des Polarkreises zu befinden. Fixpunkte jedes Besuches sollten das Tromsø-Museum, die Arktische Kathedrale und die Seilbahn auf den 421 m hohen Storsteinen Fjellheis sein.

Wer nicht vor hat, das Eismeer oder den Nordpol zu erforschen, wird seine Reise schweren Herzens hier beenden und von Tromsø zurück in den Süden fliegen. Auch hier mit Zwischenstopp in Oslo.

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