News
05.12.2011

Routen für Genießer: Nationalpark Neusiedler See

Symbiose aus Wasser, Wein, Natur und Kulinarik - die pannonische Grenzregion ist zum gefragten Hotspot aufgestiegen.

Der Seewinkel, jahrzehntelang in erster Linie Naherholungs-gebiet der Wiener, ist zum international relevanten touristischen Hotspot geworden. Das nordöstliche Burgenland besitzt mit dem Neusiedler See - dem größten See Österreichs, der heimische Anteil am ansonsten größeren Bodensee ist geringer - und dem Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel ein gesamt-europäisches Unikat, das dank konsequenter Tourismuspolitik, die auf Qualität, Nachhaltigkeit und Innovation setzte - und es immer noch tut - zu einer Trademark geworden ist. 2,9 Millionen Nächtigungen sind schließlich kein Lercherl und beweisen, wohin die Reise geht.
Der Seewinkel zählt bereits zur ungarischen Tiefebene, der See - der westlichste Steppensee Europas und Heimstätte für unzählige Fischarten wie beispielsweise Hecht, Zander, Karpfen und Wels - gilt als Exot unter den heimischen Gewässern:

Mit einer Fläche von 320 Quadratkilometern bei einer durchschnittlichen Wassertiefe von 1,5 Meter unterliegt er voll dem Wechselspiel von Niederschlag und Verdunstung, die im Sommer für 90 Prozent des Wasserverlustes verantwortlich ist. Und so war - und ist - der Pegelstand immens starken Schwankungen ausgesetzt: In den Jahren 1740, 1773, 1811 bis 1813 und 1864 bis 1870 trocknete der See fast völlig aus, während er etwa in den Jahren 1741, 1786 und 1838 die größte Ausdehnung erfuhr. Vor sieben Jahren sank der Wasserstand dermaßen stark ab, dass Segler Probleme mit dem Tiefgang ihrer Boote bekamen.
1993 wurde das Gebiet zum Nationalpark erklärt, 2001 zum UNESCO-Welterbe - ein Naturraum von internationaler Bedeutung und Paradies für Hobby- und Profi-Ornithologen gleichermaßen, in dem es von Leben nur so wurlt: Silber- und Graureiher, Kaiser- und Seeadler, Kampfläufer, Uferschnepfe, Pirol, Bienenfresser, Schafstelze, Rotschenkel und Löffler bevölkern ein Mosaik aus Feuchtgebieten, Schilf, Weideflächen, Wiesen, Sandsteppen und Salzlacken wie jene nahe Illmitz (Zicklacke) und Apetlon (Lange Lacke).

Dass neben Amphibien wie Erd-, Wechsel- und Knoblauchkröte, Reptilien (Ringelnatter, Smaragdeidechse) und Gliederfüßler wie die Südrussische Tarantel auch gefühlte 400 Millionen Gelsen existieren - damit muss man halt leben.

Klima und Boden

Bedingt durch günstiges Klima mit rund 2000 Sonnenstunden im Jahr, wärmespeichernde, daher ertragreiche Sand-, Schwarzerde-, Schotter- und Lössböden sowie durch die regelmäßig auftretende Edelfäule ist die Region Seewinkel-Weinstraße zum önologischen Kronjuwel aufgestiegen. Ab etwa Mitte der 1960er-Jahre ist es zu einer beinahe explosionsartigen Vergrößerung der Rebfläche gekommen, zum Glück für reisende Genussmenschen, kann man nur sagen: An die 3000 Weinbaubetriebe erzeugen auf rund 9000 Hektar - mehr als die Hälfte der gesamten Weinfläche des Burgenlandes - 60 % Weiß- und 40 % Rotweine. Superstars wie Umathum (Frauenkirchen), Achs, Nittnaus, Pittnauer, Preisinger, Beck (alle in Gols), Kracher, Opitz (Illmitz) und Pöckl (Mönchhof) keltern Kreszenzen von absoluter Weltklasse, Kenner zählen daher den Seewinkel mit der Parndorfer Heide und der Parndorfer Platte (dem Wagram, wie die Einheimischen sagen), längst zu den drei großen "B" dieser Welt: Burgund, Bordeaux - und eben das Burgenland.

Zu den Topwinzern - wenn auch weniger bekannt, daher als Geheimtipp zu verstehen - zählen auch Elfriede und Tobias Friedrich in Weiden (Untere Hauptstraße 44, Tel./Fax: 0 21 67/72 41).
Die Friedrichs machen Wein nach dem Motto "unsere Vergangenheit ist Sprungbrett, niemals Ruhekissen", verzichten auf chemische Unkrautbekämpfung ("das verbessert den Humusgehalt im Boden") und arbeiten mit ganz bewusster Ertragsreduzierung.
Das Ergebnis sind Rosé, Welschriesling, Scheurebe, Weißer Burgunder, Chardonnay sowie St. Laurent und Blauer Zweigelt (bei den Roten), allesamt zum Niederknien gut, hochklassig, elegant und mit sensationeller Finesse am Gaumen. Probieren ist jederzeit möglich, anrufen zwecks Terminvereinbarung aber ratsam.

Wem eher nach Kultur als Wein ist, dem offenbaren sich - notabene bei Schlechtwetter - etliche lohnende Ausflugsziele. Schloss Halbturn zum Beispiel, Burgenlands bedeutendster Barockbau, der 1711 von Lukas von Hildebrandt errichtet wurde und einst dem Kaiserhaus als Jagd- und Sommerresidenz diente. Sehenswert: Die beeindruckend schön restaurierten Fresken von Franz Anton Maulbertsch.

Altes Kulturgut

In Mönchhof lohnt ein Besuch des Freilichtmuseums. 1990 etabliert, wandelt man durch ein altes Dorf mit Schule, Gasthaus, Greißlerei, Kino, Gemeindeamt, Post, Feuerwehr und Milchhaus (Bahngasse 62, Tel.: 0 21 73/80 642; durchgehend geöffnet, auch an Sonn- und Feiertagen von 10.00 - 18.30 Uhr) .
Sechs Kilometer südlich von Mönchhof trifft der Reisende auf die - schon weithin gut sichtbare - Basilika in Frauenkirchen, ein um 1700 errichteter Barockbau, dessen besonderes Ziel der Wallfahrer die aus der Mitte des 14. Jahrhunderts stammende Gnadenstatue Madonna mit Kind ist.
Dass es im Alpenland Österreich nicht nur Berge gibt, dokumentiert ein südlich von Apetlon stehendes grünes Schild: 114 Meter über Normal Null - Absoluter Negativ-Gipfel in einer an Höhepunkten überreichen Genuss- und Kulturlandschaft.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Tipp