Auto und Reise
04.06.2012

Routen für Genießer: Schottland

© Bild: Horst Bauer

Von Edinburgh über Oban und Loch Ness bis ins Golfer-Mekka St. Andrews.

Schottland mit dem Auto zu erkunden, ist sicher die ideale Reiseform. Nicht nur, weil man dann immer sein privates Dach über dem Kopf hat, wenn es typisch schottisches Wetter gibt.
Auch die Möglichkeit, im selbst gewählten Tempo (dazu später mehr) durch die Landschaft zu gleiten und dort, wo es gefällt, so lange stehen zu bleiben, wie man will (oder das Wetter es zulässt), steht eindeutig auf der Haben-Seite.

Schwer ins Soll begibt sich jedoch, wer mit dem Auto ins Zentrum der Hauptstadt Edinburgh vordringt (was außerhalb der Stoßzeit noch vergleichsweise einfach geht) und diese später wieder in eine selbst gewählte Richtung verlassen will (was selbst in der Nacht ob des Baustellenchaos ohne vom Navigationssystem unabhängige Orientierungsgabe eine Herausforderung ist).

© Bild: Horst Bauer

Hat man diese Hürde erst einmal überwunden (und das Zentrum von Edinburgh ist es durchaus wert, das zu tun), steht der entspannten Erkundung der Landschaft links und rechts des Weges nichts mehr im Wege.
Als Balsam für die Nerven bietet sich da zum Beispiel auf dem Weg über Sterling nach Oban die Landstraße entlang des Loch Lomond an. Am Westufer des Sees führt sie (teilweise eng und ruppig, aber wegen der tollen Ausblicke jede Meile wert) unter anderem in den kleinen Ort Luss. Ein kurzer Spaziergang ans Seeufer, vorbei an kleinen Steinhäusern mit meist sehr skurril geschmückten Gärten, oder eine Bootstour auf die vorgelagerte Insel stimmen auf die in den nächsten Tagen wartende Szenerie ein.
Danach führt der Weg zunächst noch hinauf auf eine von kahlen, kaum bewaldeten Bergrücken flankierte Hochebene, um dann in Richtung Westen wieder hinunter (vorbei an zwei kleineren Seen) bis auf Meeresniveau in die Bucht von Oban abzufallen.

© Bild: Horst Bauer

Die kleine Stadt lebt vom Hafen als Ausgangspunkt zu den vorgelagerten Inseln. Direkt im Zentrum liegt die gleichnamige Whisky-Brennerei, bei der sich eine der rund einstündigen Touren lohnt, um ein profunderes Verständnis davon zu bekommen, was man da am Abend in den Bars so trinkt. Und dass man laut der hörbar eingeborenen Führerin den richtigen Single Malt schon in der Früh zum Porridge nehmen hätte können, andere wiederum selbst von Schotten nur nach dem Essen getrunken werden.
Zumindest der Fahrer sollte eher bei Letzteren bleiben. Apropos fahren: Die Schotten kennen keinen Spaß, was Tempoüberschreitungen angeht, und dokumentieren dies auch durch allgegenwärtige Warnungen vor Radarmessungen und sehr gesittete Fahrweise. Der sollte man sich anpassen, zumal das mit dem Lenkrad auf der anderen Seite ohnehin gewöhnungsbedürftig ist.
Das gilt auch für Straßen wie jene, in die man am nächsten Tag von Fort Augustus entlang des Loch Ness einbiegen sollte.

© Bild: Horst Bauer

In dem kleinen Ort am unteren Ende des schmalen Sees, in dem angeblich ja das vorzeitliche Ungeheuer Nessie hausen soll, nimmt man die Straße entlang des rechten Ufers. Diese ist zwar meistens einspurig, entschädigt aber mit großartiger Landschaft und ebensolchen Ausblicken. Es geht zunächst hinauf in eine Art Almlandschaft mit kleinen, tiefblauen Seen und näher heran an die Gipfel der Berge ringsum. Das System mit einem Fahrstreifen und Ausweichbuchten funktioniert bestens - zumindest bei wenig Verkehr. Unter die dahingondelnden Touristen mischen sich ein paar flotte Einheimische (meist im Lieferwagen), denen man schnell den Vortritt lässt (Passing Zones sind ja alle paar hundert Meter eingerichtet).
Die Straße führt direkt nach Inverness, wo man etwas außerhalb im "Loch Ness Country House Hotel" mit der Atmosphäre eines privaten Gästehauses bestens aufgehoben ist. Die Rezeptionistin serviert auch das exzellente Essen und gewährt notfalls einen direkten Blick auf das Whisky-Lager, wenn man sich nicht an den für Mitteleuropäer in nüchternem Zustand meist unaussprechlichen Namen jener Marke erinnern kann, die man - aufmunitioniert mit dem Wissen von der Tour in Oban - jetzt unbedingt einmal kosten wollte.

© Bild: Horst Bauer

Die stärksten Eindrücke auf dem Weg über Pitlochry zurück nach Edinburgh hinterlassen in den folgenden zwei Tagen:

Der grandiose Blick auf Loch Tummel und die typische Landschaft des schottischen Hochlandes, den schon Queen Victoria gepriesen hat (vor Pitlochry bei Gary Bridge rechts bis zum ausgeschilderten Parkplatz).

Die Discovery im Hafen von Dundee, das Originalschiff der Antarktis-Expedition von Scott und Shackleton im Jahr 1901.

Und St. Andrews, das Mekka des Golfsports, das der Tour von Loch
zu Loch letztlich noch eine andere Bedeutung hinzufügt.

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