VW Cross Blue Concept

© Werk

Automesse
04/26/2013

Schanghai Autoshow: Autos für China als Retter aus der Euro-Absatzflaute

Die europäischen Hersteller suchen ihr Heil im weiter zulegenden chinesischen Markt und präsentieren sich dort mit Modellen, die den Geschmack der Kundschaft auf dem größten Automarkt der Welt treffen.

von Horst Bauer

Wie groß die Bedeutung Chinas für die europäische Autoindustrie ist, konnte man am Verhalten von VW-Chef Martin Winterkorn ablesen.

Am Vorabend der Eröffnung der Auto-Schanghai am vergangenen Samstag tat der große Vorsitzende des größten europäischen Autokonzerns etwas, das man von ihm bisher noch nicht gesehen hatte. In seiner Rede vor Hunderten chinesischen und internationalen Journalisten sprach er die (300.000 in China ausgelieferte Autos betreffende) Rückrufaktion von VW wegen Problemen mit dem DSG-Getriebe nicht nur selbst an. Er entschuldigte sich auch in aller Form bei den Kunden für die Unannehmlichkeiten. Von VW-Managern als der in dieser Hinsicht speziellen Kultur des Landes geschuldete Aktion erklärt, zeigt der Kniefall auch, dass man es sich mit dem größten Automobilmarkt der Welt auf keinen Fall verscherzen will.

Schon gar nicht der VW-Konzern, feiert man doch heuer nicht nur das 30-Jahr-Jubiläum der Präsenz in China, sondern ist dort mit einem Anteil von rund 20 Prozent auch Marktführer. Und das in einem Markt, der weiterhin sattes Wachstum verspricht, auch wenn die zweistelligen Zuwachsraten vorerst Geschichte sein dürften. Aber Statistiken wie jene, die besagt, dass in China bisher nur rund 60 von 1000 Einwohnern ein Auto besitzen (Deutschland 550, USA 800), lassen die Augen nicht nur der VW-Manager leuchten.

Nummerntafel-Auktion

Selbst die Tatsache, dass in Großstädten wie Peking oder Schanghai nur mehr eine limitierte Zahl an Autos zugelassen wird, kann die Stimmung kaum trüben. Denn abseits der wirtschaftlichen Boom-Zone entlang der Küste warten in Zentral-China noch etliche Millionenstädte darauf, als nächste vom wirtschaftlichen Aufschwung zu profitieren. Dabei geht es um 100 Städte mit mehr als einer Million Einwohner, die erst am Anfang ihrer automobilen Entwicklung stehen.

Aber auch den monatlichen Zulassungsauktionen wie etwa in Schanghai können vor allem die europäischen Premium-Hersteller einiges abgewinnen. Wer nämlich das Geld hat, bis zu umgerechnet 100.000 Euro für die Nummerntafel zu zahlen, kauft sich dann keinen Kleinwagen, der ein Zehntel davon wert ist.

A girl sits inside a BYD car during the 15th Shang

Visitors crowd the Shanghai International Automobi…

2013160095_0027.jpg

2013160095_0026.jpg

2013160095_0024.jpg

2013160095_0022.jpg

A worker stands near the new Porsche Panamera S-E…

2013160095_0020.jpg

2013160095_0016.jpg

2013160095_0010.jpg

2013160095_0002.jpg

2013160104_0004.jpg

2013160104_0003.jpg

2013160104_0001.jpg

CHINA SHANGHAI AUTO EXPO

60341.jpg

60335.jpg

CHINA SHANGHAI AUTO EXPO

front.jpg

heck.jpg

Bis heute kein Auto bekommen

„Die chinesischen Autohersteller sind heute weiter von einem Marktstart bei uns entfernt, als vor zwei Jahren.“ So lautet das ernüchternde Resümee des wohl profundesten heimischen Kenners der Szene nach seinen Gesprächen im Umfeld der Schanghai Autoshow.

Alfred Stadler, Chef der Denzel-Gruppe, verhandelt seit über sieben Jahren mit chinesischen Herstellern über einen Import in Österreich: „Die erste Absichtserklärung haben wir schon 2006 mit Geely unterzeichnet. Bis heute ist jedoch kein Auto geliefert worden.“

Die Gründe dafür sieht er hauptsächlich in den hohen Anforderungen des europäischen Marktes, denen sich die Chinesen derzeit aus Kostengründen nicht stellen wollen. Erst wenn ein Modell fünf Sterne beim Crashtest erreicht, die strengen CO2-Vorgaben erfüllt und auch die hierzulande üblichen Garantiebestimmungen einhält (und darunter fallende Reparaturen vom Hersteller auch bezahlt werden), macht es Sinn, es zu importieren.

Verhandlungen

Gregor Strassl, bei Denzel neben dem Mitsubishi-Import für das China-Thema zuständig, über die Verhandlungen mit den Herstellern: „Da trage ich alle diese Bedingungen vor, die erst einmal erfüllt werden müssten, damit das ganze wirtschaftlich Sinn macht – und neben mir sitzt der Kollege aus Nordafrika und sagt, ich nehme euch 6000 Pick-ups ab. So wie sie sind.“

Und was wurde aus dem Ansatz, die Chinesen würden von den für Europa wegen der ständig strenger werdenden CO2-Bestimmungen nicht mehr einsetzbaren alten Verbrennungsmotoren unter Auslassung der Brückentechnologie Hybrid-Auto direkt zum Elektroantrieb springen? Stadler: „Vor zwei, drei Jahren war BYD überzeugt davon, uns Elektroautos liefern zu können, die nicht nur bis zu 300 km Reichweite hätten, sondern deren Batterien auch um die Hälfte billiger wären als die bekannten Lithium-Ionen-Akkus der anderen Hersteller. Damit hätten wir etwas anfangen können. Aber die Technik hat nicht wie versprochen funktioniert und heute ist BYD weit von einem Start bei uns entfernt.“

Wenn überhaupt, dann sieht Realist Stadler am ehesten noch die Marke Great Wall als Kandidat für einen in absehbarer Zeit erfolgenden Import nach Österreich. Aber als gebranntes Kind lässt er sich auf keine zeitlichen Prognosen diesbezüglich mehr ein. „Wir bleiben mit allen chinesischen Partnern in Kontakt, um bereit zu sein, wenn sich die Regierung entschließt, die Autoindustrie auf den Export nach Europa anzusetzen. Das war mit Korea auch so – und das kann dann schnell gehen.“