News 05.12.2011

Schnelles Geschäft

Schnelles Geschäft
© KURIER/Boroviczeny

Ab Herbst soll die ESP-Pflicht 3,5-Tonner sicherer machen. Das wird nicht reichen.

Das Internet-Geschäft boomt und damit auch der Absatz flinker Kleintransporter. Dass diese nach wie vor zu den gefährlichsten Fahrzeugen gehören, bewies der VDI-Nutzfahrzeugkongress in Steyr.

Ein Film von Fahrversuchen zeigte, wie unbeherrschbar selbst für geübte Testfahrer ein voll beladener 3,5-Tonner ohne ESP auf schnelle Ausweichmanöver reagieren kann. Dies ist umso fataler, als im Alltag meist nicht geübte Fahrer am Steuer sitzen, sondern Studenten mit relativ wenig Fahrpraxis. Für sie wirken Sprinter & Co. so einfach zu fahren wie Pkw, so der Vortragende. In einer Notsituation zeigt sich dann der Unterschied. Verschärft wird das Problem dadurch, dass diese Transporter locker bis zu 180 km/h schaffen, was in Deutschland erlaubt ist, aber auch bei uns gefahren wird. Oder durch den Umstand, dass die Transporter oft als Ersatz für Fern-Lkw verwendet werden, da für sie keine Ruhebestimmungen und Fahrbeschränkungen gelten, wie der ÖAMTC bestätigt.

Das Ergebnis findet sich besonders deutlich in der deutschen Unfallstatistik. Dennoch wurde in Deutschland, sonst gerne Vorreiter in puncto Verkehrssicherheit, so der Redner, "2004 offiziell entschieden, dass diese Fahrzeuge nicht auffällig sind." Je schneller und billiger sie unterwegs seien, desto besser.

Die EU-weite Pflicht, ab November das Stabilisierungssystem ESP auch in diese Autos einzubauen, ist eindeutig ein großer Fortschritt für die Sicherheit.

Aber das darf nicht alles sein. Sonst sind weiter die "Braven" die Blöden und die "Bösen" die Profiteure. Da ist die Politik gefordert.

(Kurier) Erstellt am 05.12.2011