News 05.12.2011

Schwere Räder erobern die Stadt

Schwere Räder erobern die Stadt
© KURIER / Schraml Wilhelm

Lastenräder - Im 4. Bezirk werden die hippen Gefährte verkauft

Es war eine verhängnisvolle Begegnung und sie nahm ihren Lauf im Internet. "Ich hab' es 2006 beim Internetsurfen entdeckt und dann hat mich das nicht mehr losgelassen. Ich musste es einfach haben."

Seitdem fährt Florian Weber ein Rad, das aussieht wie ein Surfbrett. "Long Tail Bike" nennt er sein Vehikel. Hinter dem tief sitzenden Sattel ragt ein hellbraunes Brett über das Hinterrad. Und es ragt abenteuerlich weit nach hinten.

"Zuerst habe ich damit Videoequipment transportiert", sagt der 29-jährige Weber. Je mehr Kilo er auf das lange Brett packen konnte, desto kreativer wurden seine Ideen, was sich mit dem Rad so alles transportieren lässt - nämlich eigentlich alles.

"Es war einfach die beste Investition seit Langem", sagt Weber. Und weil sie so gut war, wurde sie gleich zur Geschäftsidee: Zusammen mit den Freunden Peter Pilsl und Wolfgang Höfler wollte er die ungewöhnlichen Lastenräder unters Volk bringen. Seit Februar steht nun eine ganze Galerie dieser sogenannten Truckbikes in der Auslage ihres Radgeschäfts "Heavy Pedals" am Mittersteig 11 in Wien-Wieden.

Die Namen der Bikes im Fuhrpark von Weber lesen sich dabei wie die Teilnehmer einer Hippie-Kommune: "Long John" mit dem Frontlader ist ein Klassiker der Lastenräder und wird schon seit 1910 gefertigt. "Bakfiets" mit der großen Kiste in der Mitte erinnert mehr an einen zweispurigen Lastwagen als an ein Fahrrad. "Ideal zum Transport von Kindern", sagt Weber.

Mercedes

Der Mercedes unter den Bikes - Weber würde es wohl nicht so bezeichnen - ist aber "Christiania". Im ganzen sieht das Rad aus wie eine große Kiste auf drei Rädern. Ab 1000 Euro kann man die Truckbikes erstehen.

Der zweite Geschäftszweig von "Heavy Pedals" beschäftigt sich mit Lastenfahrten. Die 28-jährige Marianne Eberl ist zuständig für den Botendienst von "Heavy Pedals". Auf den mächtigen Rädern stellt sie für Firmen und Private innerhalb Wiens zu. "Meistens sind es Lebensmittel oder Möbel. Aber ich habe auch schon einen Hund zum Röntgen gebracht", sagt Eberl.

Gewinn habe "Heavy Pedals " zwar noch keinen erzielt, räumt Weber ein. Was er damit machen würde? "Mehr Truckbikes kaufen."

(Kurier) Erstellt am 05.12.2011