Seat CEO Stackmann

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Interview
11/16/2013

Österreich in der Vorbildrolle

Der neue Chef über die Seat-Zukunft, den Preiskampf in Europa, VW als Schlachtschiff und den Erfolg in Algerien.

von Horst Bauer

Jürgen Stackmann ist seit Mai Vorstandschef der VW-Konzernmarke Seat. Der von Ford kommende studierte Betriebswirt war zuvor Vertriebschef bei Škoda und danach kurz für das Marketing bei VW verantwortlich.

Der neue Seat-Chef im Motor-KURIER-Gespräch über ...

... seine vordringlichsten Aufgaben bei Seat „ Wir arbeiten mit Nachdruck an den drei Stellgrößen eines Automobilunternehmens. Das sind einmal die Kosten in allen Dimensionen. Daran arbeiten alle mit viel Energie und Freude, weil es macht den Leuten schon Spaß, Lösungen zu finden, die vor Kunden intelligent sind und auch uns selbst Erfolgserlebnisse schaffen.

Der zweite Bereich ist die Zukunft der Produkte. Wir sind eine kleine Marke und müssen da sehr gezielt vorgehen und bewusst kleine Schritte setzen. Und wir müssen die Chancen, die wir aus unseren Produkten bekommen, auch nutzen in den Märkten.

So ist der Vertrieb der dritte große Bereich, an dem wir arbeiten. Wir sehen, dass wir mit der Marke Seat in Europa erfolgreich sein können – zwar nicht überall, aber in einigen Märkten wie gerade in Österreich doch sehr.“

... über Österreich als Vorbild für andere Märkte „Bei Ihnen haben wir ja mittlerweile rund 5 Prozent Marktanteil und das zeigt, dass wir in einem sehr gestandenen, qualitativ hochwertigen Markt mit Seat durchaus eine große Marke sein können. Insofern ist das österreichische Team für uns schon in einer Vorbildrolle. Weil wir natürlich sagen, dass das, was das österreichische Team geschafft hat, andere Märkte auch schaffen müssen. In Deutschland sind wir da auf einem guten Weg, da kommen wir jetzt in Richtung drei Prozent und wachsen deutlich.“

... die Erfolgsformel für den Vertrieb „Die liegt in einer tiefen Verwurzelung der Importeursteams mit den Handelsteams. Und starken Persönlichkeiten in der Führungsrolle, wie etwa in Österreich der Herr Wurm, die die Marke verkörpern und ein extrem vertrauensvolles Verhältnis zu den Handelspartnern haben, die so eine Marke mit Begeisterung leben. Wir haben in Österreich Partner, die machen 20 Prozent regionalen Marktanteil. Daran sieht man, dass das geht, wenn man es will und kann.“

... die Hauptmärkte von Seat „Unser wichtigstes Gebiet ist eindeutig Europa. Zusätzlich haben wir zwei weitere Kern-Regionen definiert. Die eine geht rund ums Mittelmeer, in der wir schon drei Märkte haben, die uns großen Erfolg bescheren. Das sind die Türkei und Israel mit jeweils 10.000 Einheiten und das ist Algerien mit weit über 20.000 Einheiten, wo wir inzwischen eine hippe In-Marke geworden sind. Daneben gibt es einen Brückenkopf in Mexiko, den wir weiter ausbauen wollen, um damit ein Standbein für eine spätere Expansion nach Mittel- und Lateinamerika zu haben.“... die Positionierung von Seat „Das Schlachtschiff in der Mitte des Konzerns ist die Marke Volkswagen. Daneben finden Sie die Marke Škoda, die sich auf Funktionalität, gute Preise, gute Qualität fokussiert hat. Und wir mit Seat sind auf der anderen Seite der Marke Volkswagen, eher im Bereich Dynamik und Emotion. Wir sind eine Marke im Mainstream, die kann ein Familienvater kaufen und zehn Jahre damit fahren und glücklich werden. Er fühlt sich aber 10 Jahre jünger, wenn er einen Seat kauft.“... den Preisdruck in Europa „Der Markt in Europa ist auf einem 25-Jahres-Tief und dadurch habe ich derzeit mehr Angebots-Kapazität als Nachfrage. Das erzeugt klarerweise Preisdruck. Dem kann sich kein Wettbewerber entziehen, wir auch nicht. Aber ich glaube schon, dass Europa wieder wachsen wird. Nur wird es keinen Blasen-Charakter mehr haben.“

... neue Seat-Kunden „Die kommen von überall her. Wir ziehen sehr stark aus den französischen Marken raus, das ist für uns ein natürlicher Fundus. Wie alle Marken in Europa ziehen wir natürlich auch aus dem Konzern-Portfolio, das lässt sich nicht umgehen. Aber da bekommen wir eher Kunden mit älteren Fahrzeugen, die stark wechselbereit sind. Und da sehen wir auch unsere Rolle. Bevor die ganz aus dem Konzern rausgehen, bieten wir uns an, sie aufzufangen.“