News 03/16/2014

Seat Leon: Dauertest-Zwischenbilanz

Seat Leon: Dauertest-Zwischenbilanz
© Andrusio Michael

Die Halbzeitbilanz bestätigt, dass der Spanier mehr als nur eine günstige Alternative zum VW Golf ist.

Mitglied einer Großfamilie zu sein, hat viele Vorteile – ganz besonders dann, wenn die Familie Volkswagen heißt und man sich bei der Entwicklung eines neuen Modells in den Regalen des Konzernbaukastens bedienen darf. Paaren sich millionenfach erprobte Komponenten mit einer äußerst gefälligen Formgebung, steht dem Erfolg in Form von steigenden Verkaufszahlen nichts mehr im Wege.

Gefälliges Styling aus jedem Blickwinkel.
© Andrusio Michael

So erobert der schnittig gestylte Leon in Europa stetig Marktanteil und wie der bisherige Testverlauf des blauen Probanden eindrucksvoll beweist, durchaus zu Recht. Rund 16.000 Kilometer quer durch Österreich und das benachbarte Ausland hat der Fünftürer bisher problemlos abgespult und erfreut sich ob seines dynamischen Charakters in der Testredaktion ungebrochener Beliebtheit. Das liegt sicherlich auch an der gewählten Antriebseinheit, denn das 150 PS starke Dieseltriebwerk bietet in Kombination mit dem Doppelkupplungsgetriebe einen hervorragenden Antriebskomfort.

Unterwegs bei winterlichen Bedingungen in der Schweiz.
© Marc Lang

Zwar haben die winterlichen Außentemperaturen das etwas ruppige Schaltverhalten im Warmlauf noch verstärkt, bei betriebswarmer Antriebseinheit aber wechselt das Sechsganggetriebe die Stufen butterweich und wählt ausgesprochen treffsicher den richtigen Gang. Das Vierzylindertriebwerk reagiert spontan auf Gaspedalbefehle, bietet hervorragenden Durchzug und trägt so maßgeblich zum leichtfüßigen Charakter des Leon bei. Dass es aus seinem Verbrennungsprinzip akustisch kein Hehl macht und selbst bei Autobahntempo stets präsent bleibt, nimmt man da billigend in Kauf. Zumal der Dieselmotor auch in puncto Verbrauch zu überzeugen vermag: Je nach Fahrweise reicht die Spanne von 4,2 bis 7,0 Liter Diesel/100 km, im Durchschnitt waren es 6,3 l/100 km über die gesamte Testdistanz.

Richtig Spaß macht der Leon auf kurvigen Landstraßen, wo die sportliche (von manchen Testern als etwas knochig empfundene) Fahrwerksabstimmung und die feinfühlige Lenkung für beeindruckendes Fahrverhalten sorgen. Geradezu spielerisch lässt sich der Seat in Kurven jedweder Radien werfen, lenkt zart mit dem Heck mit, um bei Lastwechseln selbstbewusst mit eben diesem zum Kurvenrand zu drängen. Allerdings so zahm, dass das ESP mit feinfühligen Eingriffen nur sehr selten zur Räson mahnt.

Die Schattenseiten

Wenig auszusetzen gibt es an der Alltagstauglichkeit des Leon. Die Karosserie bietet ihren Passagieren ausreichend Platz, der Sitzkomfort ist gut, einzig die Übersichtlichkeit könnte etwas besser sein. Wie alle Fünftürer neigt das Heck bei Schlechtwetter zu starker Verschmutzung, welcher der kleine Heckscheibenwischer nur unzureichend Herr wird. Bei der Gelegenheit findet sich auch Kritik über die zu klein geratenen Rückspiegel im Fahrtenbuch. Warum die Klimaautomatik bei Kilometerstand 8223 plötzlich und eigenmächtig kalte und warme Luft abwechselnd ausströmen ließ, bleibt ein Mirakel, zählt aber ebenso zu den nur ein Mal aufgetretenen Ereignissen, wie der unvermutete Speicherverlust der elektrischen Spiegel bei Kilometer 14.341.

Weniger gut: Lahmes Navi im sonst wohnlichen Cockpit.
© Andrusio Michael

Stetes Ärgernis ist das langsam reagierende Navigationssystem mit zu klein geratenem Touchscreen, das noch dazu einer Kollegin bei Kilometer 9520 nicht den Weg zur Redaktionsadresse weisen wollte. Ansonsten aber besticht die Infotainment-Einheit durch modernes Design, gestochen scharfe Grafik und einfache Bedienbarkeit. Die Audioanlage überzeugt durch klare Klangwiedergabe, einzig Bassfrequenzen regen die Boxen zum Dröhnen an.

Verschleißerscheinungen traten in der kurzen Zeit beim Leon erwartungsgemäß keine auf, einzig die helle Tapezierung zeigt ein paar Gebrauchsspuren. Zeugen eines bewegten Testalltags, den der Leon in Summe bisher gut gemeistert hat.

ANTRIEB: 4-ZYLINDER-DIESEL, DIREKTEINSPRITZER, 2 OBEN LIEGENDE NOCKENWELLEN, 4 VENTILE/ZYLINDER, TURBOLADER, LADELUFTKÜHLER; FRONTANTRIEB, 6-GANG-DOPPELKUPPLUNGSGETRIEBE;

SPITZE 211 KM/H, 0–100 IN 8,4 SEKUNDEN; EURO 5.

HUBRAUM: 1968 CM³ PS/KW: 110/150 MAXIMALES DREHMOMENT:320 NM BEI 1750–3000U/MIN

FAHRWERK: SELBST TRAGENDE KAROSSERIE, VORN MCPHERSON-FEDERBEINE, DREIECKQUERLENKER, HINTEN VERBUNDLENKERACHSE, VORN/HINTEN SCHRAUBENFEDERN, TELESKOPSTOSSDÄMPFER, STABILISATOR VORN, SCHEIBENBREMSEN (VORN INNEN BELÜFTET), ZAHNSTANGENLENKUNG, MIT SERVOUNTERSTÜTZUNG, ABS, ELEKTRONISCHE BREMSKRAFTVERTEILUNG (EBV), BREMSASSISTENT (BA), ELEKTRONISCHES STABILITÄTSPROGRAMM ( ESP).

ABMESSUNGEN (L X B X H):4263 X 1816 X1459 MM WENDEKREIS: 10,9 M RADSTAND: 2636 MM KOFFERRAUM: L380–1210 L ZULADUNG: 505 KG GESAMTGEWICHT: 1810 KG TANKINHALT: 50 LITER

NORMVERBR.:4,4 L/100 KM 117 G/KM CO²

TESTVERBR.: 6,3 L/100 KM

PREIS:27.133 €

PREIS TESTWAGEN:31.545 €

MOTORBEZOGENE VERSICHERUNGSSTEUER/NEU:649,44 €

Seat Leon…
© Andrusio Michael
(Kurier) Erstellt am 03/16/2014