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05.12.2011

Sekundenschlaf: Tödliche Gefahr im Straßenverkehr

© Bild: animatio / Pixelio.de

Das Phänomen Sekundenschlaf ist weitestgehend unerforscht. Eine aktuelle ÖAMTC-Studie soll nun die Dunkelziffer erhellen. Plus: Der Testablauf als Video.

Im Jahr 2009 kamen laut ÖAMTC auf Österreichs Straßen 630 Personen ums Leben. Bei lediglich 25 wird Übermüdung vermutet. Die statistische Erfassung von Unfällen, die durch Sekundenschlaf verursacht werden, ist schwierig, da viele Unfälle mit tödlichem Ausgang in der Statistik als "Abkommensunfälle" oder "Alleinunfälle" erfasst werden.

Das bedeutet: Man weiß noch sehr wenig über das "Phänomen Sekundenschlaf" - wie und wann er auftritt, was ihn begünstigt und wer dafür anfällig ist. Was dabei mit Geist und Körper geschieht und wie man den Sekundenschlaf erfassen soll ist ebenfalls weitestgehend unerforscht. Eine umfangreiche Studie des Autofahrer-Clubs und etlichen Kooperationspartnern wie der Asfinag oder der MedUni Wien soll bald wertvolle Erkenntnisse liefern.

Mehr Unfälle ab Mitternacht

Allein der Ablauf mancher tödlicher Unfälle gebe Grund zur Annahme, dass Übermüdung samt damit verbundener Unkonzentriertheit sowie Sekundenschlaf die Auslöser waren, betonte ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Auch die Statistik lässt darauf schließen, dass Sekundenschlaf öfter im Spiel sein dürfte, als bisher angenommen.

Denn überproportional viele Unfälle mit tödlichem Ausgang - verglichen mit den Unfällen und Verletzten zu dieser Uhrzeit - ereignen sich zwischen Mitternacht und 5.00 Uhr auf Freilandstraßen. Die Zahl der Todesopfer ist dabei in den vergangenen drei Jahren gestiegen, und zwar entgegen dem allgemeinen Trend, dass die Zahl der Gesamtgetöteten im Straßenverkehr sinkt.

Das Auto als Schlaflabor

Die Sekundenschlaf-Studie sollte unter möglichst realitätsnahen Bedingungen durchgeführt werden - also nicht etwa am Fahrsimulator. Nebst den Testfahrten gehörten zahlreiche Fragebögen und Reaktionstests zum Programm. Die Cockpits der Autos glichen Schlaflabors: Bordkameras, Elektroden an den Probanden-Köpfen zur Messung von Hirnströmen sowie Muskelkontraktionen der Augen und des Gesichter, dazu GPS- und Videoaufzeichnungen der Fahrten und sogar Speichelproben.

Untersucht sollte auch die Bedeutung des sogenannten Power-Naps, also einer kurzen Schlafpause, werden. Dazu wurden die Probanden in zwei Gruppen unterteilt. Während die eine zweieinhalb Stunden durchfahren musste, durfte die andere ein Nickerchen einschieben. Insgesamt legten die Testfahrer 5.775 Kilometer zurück, was 5.670 Stunden Auswertungsmaterial ergab. Mit dem Endergebnis der Studie beziehungsweise mit deren Präsentation rechnet der ÖAMTC Ende Februar 2011.