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12/05/2011

Seltene Erden: Die Leistungsmacher

Warum die Autoindustrie so stark vom Preisschub dieser Metalle betroffen ist. Wie sie das Problem entschärfen will.

von Maria Brandl

Noch rangiert der E-Auto-Anteil an der weltweiten Pkw-Produktion im Promillebereich. Aber allein die vollmundigen Ankündigungen der vergangenen Jahre haben wesentlich dazu beigetragen, den Preis eines bislang von der Öffentlichkeit wenig beachteten Materials in schwindelnde Höhen zu treiben. Die Rede ist von sogenannten Seltenen Erden.

Die 17 Metalle sind wahre Hochleistungs-Turbos und in der Glas- und Keramikindustrie ebenso unerlässlich wie für Handys, Bildschirme, Windturbinen und die Elektrifizierung der automobilen Fortbewegung. Die Nachfrage hat sich in zehn Jahren verzwanzigfacht, der Preis hat sich vervielfacht. Der Beraterkonzern Roland Berger rechnet 2011 mit einem weltweiten Marktvolumen von 27 Milliarden Euro - noch vor drei Jahren waren es 2,4 Milliarden Euro.

Der Preisanstieg hängt aber nicht nur mit der steigenden Nachfrage zusammen. Auch sind die Metalle nicht so selten wie ihr Name vermuten lässt (siehe Grafik) , aber ihre Gewinnung ist sehr aufwendig. "Die längste Zeit kostete 1 Kilo 100 Euro", so Prof. Harald Neudorfer, TU Wien, auf dem VDI-Spezialtag über Elektrofahrzeuge in Baden-Baden.

Dieser Preis war vielen Minenbetreibern zu wenig, vor allem in den USA, und sie schlossen ihre Minen. Die Folge: China errang eine Monopolstellung. Und kann nun sowohl den Preis bestimmen wie auch die Menge des Exports.

Eine Entwicklung, die in der Autoindustrie als große Gefahr erkannt wurde. Umso mehr, als bei Hybrid- oder Elektrofahrzeugen Seltene Erden sowohl für E-Motoren wie für Batterien eingesetzt werden. Schon jetzt sind die Akkus in E-Fahrzeugen mit ca. 700 €/kWh der größte Kostenfaktor (siehe Artikel unten) . Ein weiterer Preisanstieg der Seltenen Erden kommt da sehr ungelegen.

Ausweg Roland Berger ortet zwei Gegenstrategien: Eine Lösung besteht in der Reduktion des Bedarfs, die andere in neuen Lieferanten.

Der Zulieferer Continental stellt heuer etwa erstmals fremderregte Synchron-Maschinen in Großserie (60.000) für E-Fahrzeuge her, die ohne Seltene-Erden-Magnete auskommen und zudem einen sehr guten Wirkungsgrad haben. Nachteil: Laut Bosch wiegen diese Motoren mehr (20 kg mehr bei 50 kW).

Anderseits macht der inzwischen auf 500 Euro gestiegene Kilopreis die Gewinnung Seltener Erden auch in den USA oder in Australien wieder attraktiv, was den Markt deutlich entspannen könnte. Neudorfer rechnet damit, dass der Preis auf 250 Euro/kg fallen wird.

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