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Auto und Reise
05/23/2013

Slowenische Adria: Dem fühlenden Herzen zur Freude

Entlang der malerischen Küste von Koper über Isola und Piran nach Portorož.

1991 auf der politischen Landkarte erschienen und seit ’04 zur EU gehörend, hat sich das winzige, nur etwa 20.000 Quadratkilometer große Land zu einer ernst zu nehmenden Urlaubsdestination entwickelt. Machten Reisende noch vor ein paar Jahren auf ihrem Weg an die Adriaküste dort allenfalls kurze Rast, verzeichnet der slowenische Fremdenverkehrsverband heute 1,4 Millionen Übernachtungen, Tendenz: Steigend. Wenig verwunderlich: Die slowenische Riviera zwischen Koper und den Salzfeldern in Secovlje im Süden ist zwar nur 46 Kilometer lang, aber jeder der paar Kilometer hat’s in sich – schließlich ist der äußerste Südwesten die Genussregion des Landes, hier wachsen Wein (Refosk, Malvazija), Oliven, Spargel, Feigen, Artischocken, Trüffeln, knallgelbe Zitronen, tiefrote Paradeiser, aus dem nahen Meer kommen Seezungen, Goldbrassen, Branzini, Mies- und Dattelmuscheln. Paradiesähnliche Zustände für Genießer mit Faible fürs Echte.

Im Vergleich zu anderen Destinationen am Mittelmeer sind die Preise immer noch verhältnismäßig günstig, ein Preisbrecher wie noch vor ein paar Jahren ist die Region allerdings nicht mehr.

Dank des zügigen Ausbaus der Autobahnen ist die Küste bequem und schnell erreichbar geworden. Wenn sich nach ein paar Stunden Fahrt Hafenkräne ins Bild schieben, ist das Zielgebiet mit Koper, der größten Stadt an der slowenischen Adria, erreicht. Auf den ersten Blick eine gesichtslose Industriestadt, offenbaren sich die Reize von Sloweniens Tor zur Welt in einem mustergültig renovierten alten Stadtkern mit schmalen Gassen und mittelalterlichen Palästen rund um den zentralen Titov trg (Tito Platz) mit dem Prätorenpalast als Zentrum. Jahrhundertelang Rathaus und venezianischer Regierungssitz, überrascht des Gebäude mit wehrhafter Zinnenkrone und zweigeteilter, mit Reliefs, Inschriften und venezianischen Löwen verzierter Fassade.

Idyllische Altstadt

Weiter auf der jetzt schon in der Vorsaison äußerst stark befahrenen Küstenstraße – wie das erst im Hochsommer ist, mag man sich nicht recht vorzustellen – erreicht man nach ein paar Minuten Isola, die kleinste der vier historischen Adriastädte. Entlang der Uferpromenade und des Yacht­hafens gibt es etliche Wirtshäuser und Cafés, jedoch wenig herausragende Sehenswürdigkeiten, dafür aber eine unglaublich idyllische Altstadt. Genau dort erhebt sich die 1547 errichtete Pfarrkirche Sv. Maver (St. Maurus), die von einem schlanken Campanile überragt wird. Im Inneren sind Gemälde italienischer Meister aus dem 16. und 17. Jahrhundert erhalten, als wertvollster Kirchenschatz gilt eine in der Sakristei aufbewahrte Monstranz aus dem Jahr 1444.

Quirliges Zentrum

Piran, Sloweniens schönster Küstenort, liegt auf einer weit ins Meer ragenden Halbinsel. Das von Kirchen, engen Gassen und romantischen Plätzen geprägte Städtchen ist eines der beliebtesten touristischen Ziele an der oberen Adria, dementsprechend wuselig geht’s zu. Am Schnittpunkt der mittelalterlichen Gassen liegt das Zentrum, der Tartini Platz, benannt nach dem Geigenvirtuosen und Komponisten Giuseppe Tartini, dessen Geburtshaus an der Ostseite gleich neben der kleinen Petruskirche zu finden ist. Eine Uferpromenade führt um die Landspitze herum, zahlreiche Terrassencafés und Restaurants offerieren Traumblicke aufs Meer. So wie die Nachbarorte, hat auch Piran eine lange Tradition im Wechseln der Herrscher: Zuerst Griechen, Römer, dann Byzantiner und Franken, ehe ab 1283 die Venezianer die Kontrolle übernahmen. Vom 13. bis ins 18. Jahrhundert gehörte Piran zur Republik Venedig, ab 1813 wurde es Teil der habsburgischen Monarchie: Die schüttete das verschlammte Becken – den heutigen, dankenswerterweise autofreien Tartiniplatz – zu, verlegte den Hafen ein paar Meter weiter und errichtete Regierungsgebäude – wie etwa das Rathaus – auf dem Platz.Früher exklusives Seebad, ist Portorož heute eine moderne Tourismusmetropole, die ihre Beliebtheit der windgeschützten Lage und dem milden Klima verdankt. Der helle, gut ein Kilometer lange, künstlich aufgeschüttete Sandstrand ist der längste ganz Sloweniens, der Yachthafen mit 1200 Liegeplätzen ein Eldorado für Segler.

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Leben entlang der Route

Hotels und Gastgewerbe haben sich in den letzten Jahren prächtig entwickelt, von der sozialistischen Ära ist dankenswerterweise kaum noch etwas übrig geblieben. Als Relaisstation empfiehlt sich das Grand Hotel Bernardin(Obala 2, Portorož, +3865/690 70 00, www.bernardingroup.si). Tolle Lage, direkt am Meer, mediterrane Küche mit französischem Einfluss, Piano Bar mit schönem Blick auf die Bucht.

Isola: Marina(Tomaziceva 4a, +3865/662 54 00); Top-Fischrestaurant am Hafen, frische Adriafische.

Piran: Pavel(Presernovo Nabrezje, +3865 674 71 01); an der Promenade, eher touristisch, aber gute Küche, flinkes Service, schöner Meerblick.

Verdi(Verdijeva 18, +3865/673 27 37); kleines Altstadtlokal, frischer Fisch und Meeresfrüchte. Pri Mari(Dantejeva 17, +3865/673 47 35); Osteria am Ortseingang, slowenische und italienische Küche, gute Weine. Neptun(Zupanciceva 7, +3865/673 41 11); kleines Lokal (etwas versteckt) in einer stillen Seitengasse im Zentrum, authentisch, gilt als das beste Fischrestaurant Pirans.

Secovvlje: Casa del Sal(Parecag 182, +3865/672 20 16); ehemaliger Bauernhof, frisch renoviert, tolle Fischmenüs; Padrone Darko Marsič kocht nur auf telefonische Vorbestellung.