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Fahrbericht
12/27/2016

Smart Electric Drive: So fährt sich der Kleine mit E-Antrieb

Der Motor-KURIER konnte die Elektroversion des Smart, die erst Ende 2017 auf den Markt kommt, schon probefahren.

von Ad Raufer

Zu Zeiten, in denen Ressourcen und Energie gleichermaßen knapper, die Anforderungen an den Umweltschutz aber immer höher werden, muss ganz zwangsläufig über alternative Antriebskonzepte nachgedacht werden.

So weit, so klar.

Das Hauptproblem, das sich zumindest jetzt offenbart, wo die Technik noch in den Kinderschuhen steckt: Bis jetzt ist mit E-Mobilität kein Geld zu verdienen – im Gegenteil, die Entwicklungskosten verschlingen einen gigantischen Berg an Milliarden Euro, weswegen es vielmehr eine Investition in die Zukunft ist.Die beginnt aber genau jetzt – obwohl die große Mehrheit der Autokäufer der neuen Elektro-Technologie sehr – sagen wir’s milde – abwartend gegenüberstehen, weil die Infrastruktur an Ladesäulen löchrig wie Schweizer Käse ist, die Reichweiten absurd gering, die Preise für lokal emissionsfrei, daher umweltfreundlich fahrende Autos aber noch benutzerfeindlich unzumutbar hoch sind.

Steigt die Zahl an E-Autos auf unseren Straßen, bedeutet das aber nicht automatisch bessere Luft. Ein hoher prozentueller Anteil an E-Autos, die aktuell bei uns übrigens erst nur rund ein Prozent Marktanteil haben, verringert zwar den Ausstoß an Treibhausgasen, gleichzeitig müsste aber logischerweise deutlich mehr Strom produziert werden, wodurch wiederum andere Schadstoffe freigesetzt werden.

E-Mobilität wird zwar eine wesentliche Rolle beim Klimaschutz spielen, aber eben nur dann, wenn der Strombedarf überwiegend aus erneuerbaren Energien – wie zum Beispiel Wind- oder Solarstrom – gedeckt werden kann, wir also vom guten Strom reden.

Eine große Herausforderung für die Stromerzeuger insgesamt, weil die bestehenden Netze ja schon jetzt dicht an der Grenze der Belastungsfähigkeit angekommen sind. Energie aus Kohlekraftwerken – also böser Strom – ist kontraproduktiver Schwachsinn und der absolut fatalste und zugleich die Umwelt am stärksten schädigende Weg, Energie zu erzeugen.

Der Motor-KURIER hatte jüngst Gelegenheit, den neuen E-Smart mit der Modellbezeichnung Electric Drive auf ersten Probekilometern auf den Zahn zu fühlen.

Smart offeriert als erster Hersteller weltweit die gesamte Modellpalette nun nicht mehr ausschließlich mit Verbrennungskraftmaschinen, sondern auch mit Elektroantrieb. Der einheitlich verwendete E-Motor, ein sogenannter fremderregter Drehstrom-Synchronmotor, leistet im Fortwo (Zweisitzer), Forfour (Viersitzer) und im Cabrio 60 kW/81 PS, verfügt über ein maximales Drehmoment von fülligen 160 Newtonmeter, die bauartbedingt nicht irgendwann, sondern bereits ab Leerlaufdrehzahl zur Verfügung stehen und soll eine Reichweite von rund 160 Kilometer garantieren – immerhin 15 Kilometer mehr als bisher. Das sollte für ein vorwiegend in der Stadt und im Kurzstreckenbetrieb genutztes Auto reichen, gehen doch die Smart-Electric-Drive-Entwickler von einer Tagesfahrleistung von nur maximal 35 bis 40 Kilometer aus.

Am Steuer

Erste Erfahrungen am Steuer des Smart ED offenbarten nach Ende der vorgegebenen Testrouten noch genug Restreichweite, die äußerst unangenehme Angst liegenzubleiben, war also kein ständiger Begleiter.

Zentraler Wert bei der Entwicklung des ultra-kompakten Stromers, der rund 130 Kilo schwerer ist als die konventionell angetriebene Version mit Verbrennungsmotor und auf knapp über 1000 Kilo Gesamtgewicht kommt, wurde auf eine möglichst kurze Ladedauer gelegt: Die beträgt an einer herkömmlichen Haushaltssteckdose sechs Stunden, mit einer speziellen, ergo leistungsfähigeren Wall-Box ist die Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 17,6 kWh in etwa 3,5 Stunden wieder voll.

Auf Wunsch (und gegen einen noch nicht näher definierten Aufpreis) ist künftig auch ein 22-kW-Schnell-Lader zu haben, der die 96 Flachzellen in weniger als 45 Minuten mit frischer Energie versorgt.

Die von 180 auf nunmehr 160 Kilo abgespeckte Batterie ist in Unterflurbauweise zentral unter den Sitzen untergebracht – ideal für niedrigen Schwerpunkt und ausgewogenes Fahrverhalten gleichermaßen. Tatsächlich hat man als Smart-ED-Pilot nie das Gefühl, einen nur 2,69 Meter kurzen Kleinstwagen zu bewegen. Tritte aufs Gaspedal – pardon: Fahrpedal – werden mit erfreulich spontaner Beschleunigung quittiert, soll (oder muss) Strom gespart werden, steht ein separat anwählbarer Eco-Modus bereit, der auf besonders effiziente Fahrweise ausgelegt ist und die Spitze bei 130 km/h zugunsten einer höheren Reichweite abriegelt.

Energie beim Bremsen

Per Kick-Down kann der Fahrer das Eco-Programm etwa für ein Überholmanöver deaktivieren, im Schiebe- oder Bremsbetrieb wird kinetische in elektrische Energie umgewandelt, während dieser sogenannten Rekuperationsphase fließt also die dabei gewonnene Energie wieder in die Batterie zurück.

In Zusammenhang mit dem neuen E-Smart kommt irgendwann unweigerlich auch car2go ins Spiel.

Das 100 prozentige Tochterunternehmen der Daimler AG, bei uns im Jahr 2008 etabliert und anfangs noch eher zögerlich von der Kundschaft angenommen, hat sich nicht nur in Österreich, sondern auch weltweit zum Marktführer auf dem Gebiet des Carsharings entwickelt. Allein im Großraum Wien zählt car2go zur Zeit rund 113.000 Teilzeit-Smart-Piloten, die Bundeshauptstadt liegt damit auf Rang 7 der kundenstärksten Städte in Westeuropa. Spitzenreiter ist übrigens Berlin mit 141.000 Anmietern.

Der bei weitem größte Anteil der car2go-Flotte wird von Autos mit konventionellen Otto- und Dieselmotoren angetrieben, rein elektrische Flotten mit insgesamt 1320 Fahrzeugen gibt’s derzeit nur in drei europäischen Städten, nämlich in Stuttgart, Amsterdam und Madrid.

Mit dem eben vorgestellten Smart Electric Drive wird das aber rasch anders werden.

Der neue E-Smart kommt Ende ’17 bei uns auf den Markt, Preise gibt’s noch keine.