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09/15/2014

So testet Porsche neue Gummis für altes Blech

Porsche veröffentlicht Reifenfreigabelisten nach umfangreichen Tests mit klassischen Modellen.

Von allen jemals gebauten Porsche-Autos werden immerhin rund 2/3 mehr oder weniger regelmäßig gefahren. Um den Porsche-Fahrern die passenden von den neu auf den Markt kommenden Reifen empfehlen zu können, führt Porsche Tests mit 356, 911 Carrera G-Modell, 911 Turbo (930) und Boxster der ersten Generation (986) durch. Porsche ist der einzige Hersteller, der einen solchen Aufwand für ältere Modelle vom mehr als 50 Jahre alten 356 über sämtliche 911-Generationen sowie die Transaxle-Modelle 924/944/968 und 928 bis zum ersten Boxster (986) betreibt.

Wie nötig das ist, illustriert Porsche mit einem Beispiel: Der freie Reifenhandel würde etwa bei einem Porsche 356 vor Baujahr 1963 mit einem Reifenformat 185/70 R 15 möglicherweise zu solchen Reifenmustern greifen, die bevorzugt für die überlebende Population des VW Käfer und der verschiedenen Bus-Modelle zur Verfügung stehen. Für die Porsche-Modelle galten jedoch schon damals spezielle Reifenfreigaben für die Neuwagen, die praktisch immer auf speziellen Entwicklungsschritten der Reifenhersteller beruhten und extra für das Haus Porsche ausgeführt wurden. So wäre der Griff nach einem neuen Satz Reifen für ein Modell 356 nach dem Muster „Hauptsache die Größe stimmt“ ziemlich sicher ein Griff ins Leere. Der schöne Oldtimer wäre in Ansätzen vielleicht nicht radikal unfahrbar, doch sein früheres Talent für sichere Straßenlage und spielerisches Handling bliebe ziemlich sicher auf der Strecke. Wenn nicht im Trockenen, dann doch ziemlich sicher auf nasser Fahrbahn. Gegen derlei Fehlgriffe hat Porsche den aktuellen Reifentest gesetzt.

So wird getestet

So werden Schätze aus dem Porsche-Museum im Grenzbereich über Teststrecken, wie z.B. das Contidrom, gescheucht. Die Disziplinen Trocken- und Nasshandling sind von vordringlichem Interesse, Bremsprüfung plus Aquaplaning-Test ergänzen das Prüfprogramm. Die gesamte Prüfung besteht darin, stets präzise auszumessen, wie sich der Reifen im Grenzbereich verhält. Vom Einlenken bis zum Kurvenausgang wird jedes Verhalten des Testreifen-Satzes präzise analysiert und protokolliert. Lenkt er sauber ein, dann ist nur der erste Schritt zur Freigabe geschafft. Gut kontrollierbares Verhalten unter hoher Querbeschleunigung ist Pflicht, auch der Kurvenausgang muss ohne unstetigen Abriss der Bodenhaftung gemeistert sein. Die Prüfung umfasst stets mehrere Runden auf der kurvenreichen Teststrecke, wobei auch exakt ermittelte Rundenzeiten zum Vergleich mit herangezogen werden. Ein Reifen muss seine Leistung am Grenzbereich berechenbar und ausgewogen abliefern, nur dann kommt er zu einer guten Beurteilung. Das Ganze wohlgemerkt gleichzeitig für Vorder- und Hinterachse, nur dann gibt es gute Noten und die Aussicht auf Freigabe für die historische Baureihe.

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Auch das Fahrverhalten mit Reifen, die schon längere Zeit am Auto montiert sind, wird überprüft. Der Reifen versprödet zusehends, die Haftung und das Grip-Niveau lassen nach. Das Wort „unfahrbar“ mag noch nicht direkt zutreffen, wenn so ein Reifen gerade über fünf Jahre alt geworden ist. Aber seine Begabung zu geschmeidigen Fahrweise, die ihn früher einmal ausgezeichnet hat, geht mit weiter steigendem Alter auf jeden Fall zusehends verloren. Reifentest-Experte Dieter Röscheisen charakterisiert im Testprogramm 2014 einen zwölf Jahre alten Reifen speziell im Nasshandling als sehr kritisch: „Der Reifen wurde auf einem 930 Turbo von 1988 getestet. Der zwölf Jahre alte Reifen bietet speziell im Nassen sehr wenig Grip, überträgt entsprechend schwache Bremsleistung und ist dadurch speziell auf Fahrzeugen ohne ABS wegen der hohen Blockierneigung der Vorderräder ausgeprägt heikel zu fahren. In Kurven lenkt er zunächst zögerlich ein. Das führt zu einem unangenehmen Untersteuern, das für die Grundabstimmung des Porsche untypisch ist. Irgendwann im Verlauf der Kurve pflegt er dann doch einigermaßen plötzlich Grip aufzubauen, was dann wiederum das Heck in Unruhe versetzt. Das Fahrverhalten des serienmäßigen Porsche 930 ist dadurch regelrecht entstellt und erfordert besonders auf Nässe eine kundige Hand, um ein jähes Ausbrechen zu verhindern. Es ist schwierig bis unmöglich, auf einer sauberen Linie flott zu fahren.“

Ganz anders klingt dagegen das Testurteil für einen neuen Reifen der Dimension 185/70 R 15 für den Porsche 356 aus den Baujahren vor 1963. Der Original-Wortlaut auf dem Beurteilungsbogen: „Auch auf dem 356, mit den schmalsten 5,0 J x 15-Felgen, hinterlässt dieser Satz einen sehr guten Gesamteindruck. Es steht hier viel Grip zur Verfügung und die Balance stimmt. Die Unter- und Übersteuer-Tendenz ist gering und der Haftungsabriss erfolgt nicht zu abrupt. Das Heck ist insgesamt etwas agiler. Man kann damit schnell und präzise fahren und hat dabei immer ein sehr sicheres Gefühl. Der Reifen bietet große Sicherheitsreserven und hat keine besonderen Schwachpunkte.“

Rund 300 Freigaben für Sommer- und Winterreifen existieren für Porsche-Sportwagen der Baujahre 1949 bis 2005. Für manche Modelle stehen je nach Felgengröße fünf bis sieben Empfehlungen zur Auswahl.

Hier können die aktuellen Reifenfreigabelisten von Porsche heruntergeladen werden.

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Erst ab einem Alter von etwa fünf Jahren verliert ein Reifen an Geschmeidigkeit und Grip. Er wird dann keinesfalls schlagartig unfahrbar, verliert aber seine Ausgewogenheit zusehends im Lauf der weiteren Jahre. Doch der Effekt der Reifenalterung lässt sich bremsen, wenn man bei der Lagerung mit Sorgfalt vorgeht – ähnlich wie bei gutem Wein: Im Dunklen und bei niedrigen Temperaturen altern Reifen weniger rapide. Wer es sich leisten kann und die räumliche Möglichkeit hat, der hebt den frischen Satz Räder für die kommenden Genusstouren im kühlen Keller auf, während der betagte Porsche auf einem – vielleicht weitgehend abgefahrenen – Satz „Standreifen“ in der Garage parkt.

Wer nicht ständig die Reifen wechseln kann oder will, der sollte folgende Tipps beachten. Denn wenn das Fahrzeug ohne kräftig erhöhten Reifendruck allzu lange auf der gleichen Stelle steht, können so genannte Standplatten entstehen. Man geht deshalb bei abgestellten Fahrzeugen im Luftdruck gerne bis an den zulässigen Maximaldruck der Felge, der in der Regel bei 4,5 bar liegt. Auch so genannte Reifenschuhe oder Reifenbetten aus dem Zubehörhandel sind hier nützlich. Das sind gewölbte Untersetzer aus Gummi, Kunststoff oder Holz, auf denen das Auto mit vier Rädern jeweils in einer Mulde geparkt steht. Die Muldenform verteilt die Reifenaufstandsfläche auf ein wesentlich größeres Areal und verhindert dadurch, dass der Reifen während der Standzeit durch Standplatten eckig wird.