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09/06/2012

Strafen ist zu wenig

Norwegen hat den Mut, im Straßenverkehr auch auf Eigenverantwortung zu setzen.

von Maria Brandl

Wenn’s um Verkehrssicherheit geht, schaut Kontinentaleuropa traditionell nach Norden: Skandi­navien zeigt seit vielen Jahren, wie trotz widriger Verhältnisse die Zahl der Unfallopfer überdurchschnittlich niedrig gehalten werden kann.

Das spornt auch heimische Regierungen zur Nachahmung an. Die positiven Auswirkungen dieser Politik auf die Unfallstatistik sind nicht zu übersehen.

Schärfere Strafen und strengere Regeln sind aber nur ein Teil des skandinavischen Erfolgs wie etwa Norwegen zeigt. Dort wird zwar regional sogar vor querenden Trollen gewarnt, generell aber wird auch die Eigenverantwortung der Verkehrsteilnehmer großgeschrieben.

So etwa ist im mit knapp 25 km längsten Straßentunnel der Welt, dem Laersdaltunnelen, trotz Gegenverkehr das Überholen erlaubt. Generell wirken die zahllosen Straßentunnel wie dunkle Löcher durch hartes Gestein. Das sorgt offenbar für Aufmerksamkeit. Umso mehr, als der Norweger weiß, dass bei einem Unfall der Notfallhubschrauber nicht in fünf Minuten vor Ort ist, sondern das Rettungsauto oft erst mit einer Fähre über einen langen Fjord anreisen muss.

Die erfreuliche Bilanz: Norwegen zählte auch 2011 zu den fünf Besten mit den geringsten Verkehrstoten pro Million Einwohner in Europa. Das Gegenbeispiel ist Deutschland, wo 2011 die Zahl der Verkehrstoten wieder zunahm. Viele erklären dies durch die immer weniger geforderte Eigenverantwor­tung der Lenker und die damit einhergehende Vollkasko-Mentalität.

Das werden wir uns auf Dauer nicht leisten können.

maria.brandl(at)kurier.at