Suzuki V-Strom 650/650 XT

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Motorrad
05/30/2017

Suzuki V-Strom 650/650 XT: Auf allen Wegen

Die Modellpflege der äußerst beliebten Straßenenduro macht sie zur ausgewogensten Vertreterin ihrer Klasse.

Nachdem Suzuki seit der Markteinführung im Jahr 2002 fast eine Viertelmillion V-Strom-Modelle verkauft hat, dürften die Ingenieure und Designer in Hamamatsu einiges richtig gemacht haben. Vor allem die zwei Jahre später eingeführte V-Strom 650 hat sich rasch als multifunktionales Motorrad bewährt, das für die tägliche Fahrt zur Arbeit genau so taugt wie für eine flotte Alpenrunde inklusive Schotterstraßen.

Alle paar Jahre wurden Überarbeitungen vorgenommen, 2007 kam ein ABS, 2012 ein komplett neues Design und 2015 erstmals eine XT-Version mit Kreuzspeichenrädern und betonter Geländeoptik, aber sonst identischer technischer Ausstattung.

Für heuer hat man sich nicht auf die zwingende Anpassung des Motors auf die Vorgaben der Euro-4-Norm beschränkt, sondern mit insgesamt 60 neuen Teilen umfassend Hand angelegt.

Am deutlichsten fällt der Unterschied an der vorderen Verkleidung mit dem neuen übereinander liegenden Doppelscheinwerfer auf. Der darüber befindliche Windschild ist jetzt aerodynamischer geformt, neun Millimeter höher und bietet auch bei Autobahngeschwindigkeiten sehr guten Schutz. Dass man für seine Höhenverstellung Bordwerkzeug braucht, ist verschmerzbar, denn in der Regel stellt man den Windschild genau ein Mal auf die eigene Körpergröße ein und lässt ihn dann unverändert.

Kleine Helferlein

Der Motor mit seinen 645 Kubikzentimeter Hubraum leistet jetzt 71 PS bei 8800 Touren und klingt hörbar leiser als beim Vorgängermodell. Zwei auch bei anderen Suzukis des Jahrgangs 2017 zu findende elektronische Hilfen werden nun auch hier eingesetzt: Das Easy-Start-System lässt den Motor auch unter widrigen Außenbedingungen mit einem einzigen Knopfdruck anspringen und der Low-RPM-Assist hilft beim Losfahren, indem er automatisch die Drehzahl so weit erhöht, dass ein Abwürgen des Motors vermieden wird.

Trotz des schon bei 6500 Touren anliegenden Drehmoments von 62 Newtonmeter gibt sich der Motor sehr drehfreudig und geht mit Verve bis rund 10.000 Touren. Auf kurvenreichen Bergstraßen macht die kleine V-Strom jede Menge Freude, weil sie wesentlich mehr Sportlichkeit an den Tag legt, als man ihr auf den ersten Blick zutrauen würde. Obwohl sie mit 213 Kilo vollgetankt etwa so viel wiegt wie sportliche Naked Bikes mit 125 PS, wirkt sie bei einer typischen Alpenrunde nicht untermotorisiert.

Apropos Alpen: Die neue Bereifung in Gestalt von Bridgestone Adventure A40 ist zwar auf die Asphaltorientierung der V-Strom ausgelegt, funktioniert aber auch im leichten Gelände mehr als ausreichend. Feldwege, Schotterstraßen und sogar nasse oder lehmige Rumpelpisten sind damit erstaunlich gut bewältigbar. Die schmalen Dimensionen 150/70-17 hinten und 110/80-19 vorne bringen ein entsprechend flottes Handling auf Asphalt und sind mitverantwortlich für die hohe Agilität der V-Strom 650.

Assistenzsysteme

Neu und für diese Leistungsklasse ungewöhnlich ist die serienmäßige Traktionskontrolle, die auch während der Fahrt in zwei Stufen justiert und abgeschaltet werden kann. Sie erweist sich als echtes Sicherheitsplus, das vor allem bei nasser Fahrbahn für ruhigeres Blut sorgt. Präzise und nicht zu früh eingreifend arbeitet das ABS, das durch eine Änderung in der Regelelektronik feinfühliger auf die Gripverhältnisse reagiert als beim Vorgängermodell.

Wirklich praktisch ist der wie bei der Tausender tiefer gelegte Auspuffendtopf. Beide als Originalzubehör erhältliche Seitenkoffer werden dadurch direkt neben dem Soziussitz montiert, was die Gesamtbreite deutlich reduziert und zwei Koffer mit gleichem Packvolumen ermöglicht – ein seltener Glücksfall bei Reiseenduros. Angesichts ihrer bequemen Sitzposition unterstreicht sie damit ihre Qualitäten als Tourengefährt.

Mit dem Modelljahr 2017 hat die V-Strom 650 noch deutlicher an Attraktivität gewonnen und positioniert sich in ihrer Klasse zum Listenpreis von 9690 Euro (aktueller Suzuki-Fixpreis sogar 8490 Euro) als heißer Tipp für anspruchsvolle Schnäppchenjäger.