News 05.12.2011

Technikernachwuchs - HTL in Österreich mit Vorbildcharakter

Technikernachwuchs - HTL in Österreich mit Vorbildcharakter
© werk

Soll und Haben - Worum Österreich weltweit beneidet wird und warum die HTL dennoch bedroht ist.

Um den Technikernachwuchs scheint's gut bestellt. Schülerwettbewerbe wie "Jugend Innovativ" oder "Technik fürs Leben" zeugen von großem Engagement, aber auch Wissen und Ideenreichtum.

Das schätzen nicht nur heimische Betriebe. Internationale Konzerne wie Bosch oder BMW beschäftigen hier ebenfalls viele Mitarbeiter. Sie loben vor allem die hohe Qualität der Arbeit zu einem leistbaren Preis. Etwa dank der für Europa einzigartigen HTL. Laut Karl Strobel, gebürtiger Deutscher und Alleinvorstand von Bosch Österreich, sind die HTL "eine ideale Kombination von Praxis und Theorie mit einem Abschluss auf relativ hohem Niveau. Viele Kollegen bei Bosch sind HTL-Absolventen, auch in Führungspositionen."

Bedroht

Doch nicht alle sind so begeistert. Denn die HTL werden von manchen mitverantwortlich gemacht für die niedrige Akademikerquote. Die EU fordert bis 2020 einen Anteil von 40 %, Österreich hält derzeit bei 18 %. Auf dem Weg zu mehr Akademikern halten einige Experten berufsbildende höhere Schulen wie die HTL für zu anspruchsvoll und zu langwierig. Sie sind zudem teurer als normale Mittelschulen und haben größere Ausfallquoten (38 %). Allerdings ist hier der hohe Anteil an Schülern, die statt des Polytechnikums ein Jahr an der HTL absolvieren, inkludiert. Im Zuge der demnächst im Parlament zu beschließenden Zentralmatura sehen Bildungsexperten die Gefahr, dass in HTL die praktische Ausbildung gekürzt wird. Womit ein wesentlicher Vorteil der HTL für Unternehmen wegfällt.

Wie etwa die HTL in Steyr zeigt, ist sprachliche Kompetenz auch heute möglich: Derzeit maturiert in Steyr die erste HTL-Klasse "Maschinenbau", die von Beginn an auf Englisch unterrichtet wurde.

Vorbild

Aber es spricht noch mehr für die Beibehaltung der aktuellen HTL-Ausbildung. Innerhalb der EU gelten die berufsbildenden höheren Schulen als Vorbild. "Österreich ist hier Rollenmodell für die EU", so Franz Reithuber, Direktor der HTL Steyr. In Ländern wie Finnland mit hoher Akademikerzentriertheit seien sehr viele Junge arbeitslos, es fehle an Berufsbildung. Dort fehlt der "Mittelbau". Zudem zeige sich, dass 18-jährige Maturanten sich viel schwerer tun als Vierzehnjährige, handwerkliche Tätigkeiten zu erlernen, sich "schmutzig zu machen".

Beim Dilemma der geringen Akademikerquote Österreichs verweist Reithuber punkto HTL auf ausländische Beispiele: Der Bildungsstand der HTL rechtfertige durchaus eine "Akademisierung" des Abschlusses (etwa Bachelor) . Damit wäre allen geholfen: Den Schülern, den Politikern und der Wirtschaft. Doch schon heute sind "HTL-er" mit und ohne Studium überdurchschnittlich erfolgreich. Unter den Absolventen der HTL Steyr finden sich Konzernchefs (Mayrhuber/Lufthansa), Motorenentwicklungsleiter (Steinparzer/ BMW), Institutsvorstände (Eichlseder/TU Graz).

Praxisnähe. Der Andrang bei HTL steigt seit Jahren

80 % der Schüler in der 10. Schulstufe besuchen eine berufsbildende Schule. 60 % der Reifeprüfungen entfallen auf berufsbildende höhere Schulen wie HAK oder HTL. An einer HTL ist neben der Reifeprüfung auch eine mehrtägige Klausur- oder eine Diplomarbeit gefordert, wo Schüler allein oder im Team teilweise Hunderte Stunden in die Entwicklung, Simulation und teilweise Umsetzung eines Produktes investieren. Der HTL-Abschluss bringt eine abgeschlossene Berufsausbildung und den allgemeinen Hochschulzugang.

(Kurier) Erstellt am 05.12.2011