News 20.12.2011

Teil 3: Am fremden Leib erfahren

© Bild: KURIER / Gerhard Deutsch

KURIER.at macht den A-Schein: Wenn man Zeuge eines Motorradunfalls wird, wird einem manches klar, von dem man dachte, man hätte es längst verstanden.

Zur Erklärung: Ich mache gerade den A-Schein und schreibe darüber, wie man sich als Motorrad-Frischling fühlt. Eine Geschichte über Schutzausrüstung war geplant, doch dann ist was passiert.

Manchmal sieht man Sachen, die man nicht sehen will. Einen Motorradunfall zum Beispiel. So gesehen am Mittwoch. Wir fuhren mit dem Auto durch dichten Mischwald. Das Wetter war gut und die Straße kurvenreich. Der Motor hatte ausreichend Leistung und wir fuhren zügig. Es machte Spaß.

Ich saß am Beifahrersitz und dachte: Ein schönes Stück Asphalt durch ein schönes Stück Natur - auch wenn die Straße ihre Glanzzeiten schon hinter sich hatte: Lange Risse, kleine Schlaglöcher, Bitumenmuster, angerostete Leitplanken - in den engen Kurven konnte man den Rollsplitt im Radhaus tanzen hören. Im Auto kein Problem, aber auf dem Motorrad sicherlich eine Herausforderung. Eigentlich: Eine Bilderbuch-Situation für die Theorieeinheit "Gefährliche Straßenverhältnisse".

Ein anderes Auto fährt geschätzte 300 Meter vor uns und biegt in die nächste Linkskurve. In dem Moment als das Heck hinter den Bäumen verschwindet, kommt uns ein Motorradfahrer entgegen. Ich denke noch: "Der hängt sich aber in die Kurve." Bevor ich den Gedanken beenden kann, wird aus der Schräg- eine Steillage. Im nächsten Moment rutscht das Motorrad über die Straße. Der Fahrer lässt den Lenker los und rutscht nach dem Bike auf unsere Fahrbahnseite. Wir bremsen. Das Bike fliegt in die Botanik, verkeilt sich im Dreck, stellt sich kurz auf die Reifen und fällt um. Der Fahrer schleift über den rauen Asphalt und bleibt dann neben dem Motorrad liegen. Wir bleiben stehen. Der Gestürzte rappelt sich schon wieder hoch. Offenbar nichts passiert. Gut. Andere Autos stoppen, Leute steigen aus und sprechen ihn an. Er antwortet aus dem halboffenen und zerkratzten Visier, tastet Arme und Beine ab. Offensichtlich nichts passiert. Hervorragend. Dank schützender Lederhaut, Handschuhen, Helm und Stiefel ist alles heil geblieben.

Mir wird klar: Wir etwas schneller und er wäre vielleicht in oder unter unser Auto gerutscht… Eine Leitplanken oder ein Baum an der Stelle und er wäre nicht im weichen Gelände gelandet. Keine Schutzkleidung und … Sie wissen, wohin das führt: Manchmal sieht man Sachen, die man nicht sehen will, aber vielleicht muss. Ja, Motorradfahren ist gefährlich. Und die Portion Glück, die der Biker (und wir) in dieser Situation hatten, lässt sich nicht beeinflussen. Die passive Sicherheit schon. Ich bin nicht dünnhäutig, aber eine dicke Lederhaut brauch ich trotzdem. Die besorg ich mir morgen.

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( KURIER.at ) Erstellt am 20.12.2011