News 10/09/2017

Toyota: Fahrer unterstützen, aber nicht ersetzen

Toyota: Fahrer unterstützen, aber nicht ersetzen
© Lexus

In Brüssel stellt der Konzern seinen Fahrplan Richtung automatisiertes Fahren vor.

Weltweit werden 1,3 Mio. Straßenverkehrstote jährlich gemeldet, allein in Europa rund 25.000, so Seigo Kuzumaki, oberster Sicherheitsexperte im Toyota-Hauptquartier in Japan, vor Kurzem auf einer Veranstaltung über die Automatisierung des Fahrens in Brüssel.

Ziel: Null Unfälle

Obwohl sich Toyota nicht am Wettrennen um das erste autonom fahrende Serienauto auf der Straße beteiligt, arbeitet auch dieser Konzern seit Jahren intensiv an der Verbesserung von Fahrassistenz, die aber nicht zu Lasten des Fahrspaßes gehen soll, so Kuzumaki. Der aktuelle Toyota-Chef, Akio Toyoda, Vertreter der Gründerfamilie, gilt als ausgesprochener Anhänger des Fahrspaßes. Doch die Vergreisung der Gesellschaft vor allem in den Industriestaaten, das Ziel von null Unfällen sowie der Mobilitätsgarantie für alle, also auch für Menschen, die nicht fahrtüchtig sind, machen den Ausbau der Fahrassistenz bis hin zum voll autonomen Auto unabdingbar, zeigten sich die Manager von Toyota überzeugt.

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Dabei unterscheidet der Konzern zwei Ansätze: Den Pfad Richtung Autonomes Fahren, wo die Technik die Funktion des "Chauffeurs" übernimmt. 2020 etwa will Toyota einen Autobahnpiloten für einige Modelle anbieten. Bei dieser Automatisierungsstufe hat wie beim Audi Staupiloten die Technik die Kontrolle, der Lenker muss nur "wahrnehmungsbereit" sein.

Als größte Herausforderungen bei der zunehmenden Fahrautomatisierung nennt Toyota die Allwettertauglichkeit (heute sind die meisten Systeme nur bei Schönwetter aktiv) sowie eine funktionierende Schnittstelle zwischen Technik und Mensch, der im Notfall möglichst schnell das Steuer wieder übernehmen soll. Was mehrere Sekunden dauern könnte, wenn der Lenker etwa erst wieder seine Beine sortieren muss, um die richtigen Pedale zu bedienen.

Der zweite Pfad geht Richtung Unterstützung, Assistenz, des Lenkers und beinhaltet die Systeme ABS & Co. Toyota bietet hier bereits für Kleinwagen mit Safety Sense serienmäßig ein großes Sicherheitspaket.

Der Leiter des Toyota Research Institutes in Los Altos, USA, Gill Pratt über …

die künftige Rollenverteilung zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz am Steuer: Künstliche Intelligenz kann schon heute das Schlimmste, z.B. einen Auffahrunfall durch Unachtsamkeit des Lenkers, verhindern. Sie ist wie ein Sicherheitsnetz. Es hilft dann, wenn der Mensch gerade nicht im Besitz seiner vollen Fähigkeiten ist, etwa weil er müde ist. Je besser die Künstliche Intelligenz im Auto wird, desto höher wird das Sicherheitsnetz gezogen, bis wir zum Schluss das voll autonom fahrende Auto haben.

… die Gefahr, dass schon heute viele Lenker unachtsam sind, weil sie sich durch die Fahrassistenz sicher fühlen: In den USA baut man für Kinder bei Kegelbahnen engere Seitenwände ein, damit sie das Spiel lernen. Diese Wände muss man dann entfernen, sonst wird das Kind nie ordentlich kegeln können und ist abhängig von dieser Hilfseinrichtung. Ähnlich ist es beim Autofahren. Wir sind uns der Gefahr dieser Abhängigkeit bewusst und testen, ob wir etwa durch unangenehme Warnzeichen die Lenker achtsam halten können. Versicherungen könnten zudem künftig bei Schadensfällen nachprüfen, ob Unachtsamkeit des Lenkers im Spiel war und dies in Rechnung stellen.

die unterschiedliche Lebensdauer von Autos und Technologien: Toyota wird ab 2020 Software im Auto drahtlos nachladen. Bei der Hardware, mechanischen Komponenten, arbeiten wir ebenfalls mit Lieferanten, dass sie bei bestehenden Modellen modernisiert werden kann.

(Kurier) Erstellt am 10/09/2017