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News
11/16/2019

Traumjob Testfahrer bei Bugatti

Ein Sieg bei den 24 Stunden von LeMans ist keine schlechte Empfehlung, wenn man das schnellste Auto der Welt entwickelt.

Wenn Andy Wallace in einen neuen Chiron einsteigt, stellt er zuerst Sitz und Lenkrad auf seine Größe ein, drückt anschließend den Startknopf am Lenkrad. Etwa fünf Minuten benötigt der Chiron, um richtig warm zu werden. Erst wenn die Reifen eine Temperatur von 25 Grad haben, bieten sie optimale Traktion. „Nur so haben wir vollen Grip, können die 1.600 Newtonmeter Drehmoment auf die Straße bringen.“

Der Brite muss es wissen: Seit 2011 testet er Bugatti-Fahrzeuge, führt Kunden an die Grenzen der Fahrphysik. Über 100.000 Kilometer hat er bereits mit den Luxus-Supersportwagen aus Molsheim zurückgelegt, auf rund 30 verschiedenen Veyron, Chiron, Divo und einigen Versuchsträgern und sowie Rekordfahrzeugen. Er kennt die Hypersportwagen, die Feinheiten, die Raffinessen und die Besonderheiten. „Ich sorge dafür, dass die erste Fahrt mit dem Auto absolut sicher ist, dass sich die Kunden direkt wohlfühlen“, sagt er.

Rennfahrer

Der 58-jährige Testfahrer ist ein Profi durch und durch. Mehr als 30 Jahre lang griff er als Rennfahrer ins Lenkrad. Beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans und Daytona startete er jeweils 21 Mal, wobei er den Langstreckenklassiker einmal, Daytona dreimal gewann. Das 12-Stunden-Rennen in Sebring fuhr er 19 Mal, zweimal siegte er. Wallace ist ein Mann der Langstrecke – mit einem sensiblen Gasfuß. Seit 2006 coacht er andere Fahrer auf ihren Autos, gibt sein Wissen und Können weiter und unterstützt Bugatti-Entwickler bei ihrer Arbeit.

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Schon 1986 knüpfte er in der Formel 3 Kontakt zum Motorenhersteller Volkswagen, fuhr später Rennwagen von Audi und Bentley, unter anderem in Le Mans. Als 2011 Bugatti Automobiles S.A.S. einen offiziellen Testfahrer sucht, erinnern sich ehemalige Renningenieure an den zuverlässigen, zurückhaltenden und präzisen Fahrer Andy Wallace. „Eigentlich dachte ich, dass ich nach meiner Rennfahrer-Karriere nicht mehr in leistungsstarken Fahrzeugen sitzen würde. Aber dann kam Bugatti mit einem Angebot, dass ich nicht ablehnen konnte“, schmunzelt Andy Wallace. Denn Chiron und Divo sind in fast allen Bereichen stärker und schneller als seine damaligen Rennwagen.

"Seit ich fünf bin, bin ich verrückt nach Autos"

Für ihn ist es ein Privileg, regelmäßig die Modelle von Bugatti zu fahren. „Seit ich fünf Jahre alt bin, bin ich verrückt nach Autos. Mit acht Jahren sah ich mein erstes Autorennen, anschließend fuhr ich 33 Jahre Rennen. Und jetzt habe ich die Möglichkeit, so tolle Autos zu fahren, mit dieser unvergleichbaren Beschleunigungskraft, eingebettet in einem wahren Luxusauto. Als Rennfahrer liebe ich natürlich die Geschwindigkeit, die Querkräfte“, sagt er. Dazu komme noch der schöne Produktionsort in Molsheim und die nette Mannschaft. Jeder Tag in Molsheim sei für ihn ein Vergnügen.

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Wallace liebt die Hypersportwagen, die zwar mehr Leistung als seine Rennwagen haben, aber doch so anders sind. „Die Beschleunigung eines Chiron ist mit nichts anderem vergleichbar. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Chiron in 2,4 Sekunden, bis 200 km/h vergehen keine 6,1 Sekunden und bis 300 km/h nur 13,1 Sekunden. Dazwischen gibt es kein Leistungsloch, die totale Überraschung“, sagt Wallace. Die Beschleunigung testet er auf der Start- und Landebahn des Flughafens Colmar in der Nähe von Molsheim oder auf einem Hochgeschwindigkeitsoval im niedersächsischen Ehra-Lessien.

Rekordfahrt

Keine Woche gleicht der anderen. Meist organisiert Wallace die Testfahrten für Kunden, demonstriert ihnen das Auto, führt sie über schöne Strecken durch das Elsass. Soll es hauptsächlich um Performance für den über 420 km/h schnelle Hypersportwagen gehen, mietet er eine Rennstrecke wie Le Castellet in Frankreich an. Dort können Kunden richtig Gas geben, bis zu 370 km/h schnell fahren. „Es geht bei Bugatti aber nicht um die reine Geschwindigkeit, obwohl wir vor kurzem mit 490,484 km/h den Geschwindigkeitsrekord gebrochen haben und als erster Hersteller überhaupt schneller als 300 Meilen in der Stunde gefahren sind.

Den größten Unterschied zwischen einem Rennwagen und einem Bugatti sieht er im Luxus. Rennwagen müssen lediglich auf der Rennstrecke ihre Performance abrufen, ein Bugatti muss auch für den Alltag komfortabel genug sein.

„Immer wenn ich die Tür schließe, denke ich, was für ein toller Job: Ich sitze im besten Auto der Welt, wie fantastisch ist das denn?“