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01.04.2017

Triumph Bonneville Bobber: Der Schwung der Geschichte

Mit Schwingsattel und Starrahmen-Optik entern die Briten ein neues Segment. Funktioniert das Konzept?

Brexit her oder hin: Zumindest Triumph befindet sich momentan im Höhenflug und setzt 2017 die im vergangenen Jahr begonnene Modelloffensive fort. Die hat sich übrigens ausgezahlt: 2016 konnten die Engländer um rund 13 Prozent zulegen und in fast allen Märkten Zuwachszahlen verzeichnen.

Dieser Schwung führt auch zu neuem Selbstbewusstsein, das nicht zuletzt zum Erschließen neuer Segmente genutzt wird. Speerspitze dieser Courage ist die Bobber, mit der Triumph erstmals in die bislang von den US-Marken und einigen Japanern dominierte Cruiser-Klasse drängt.

Charakterdarsteller

Schon der erste Blick auf dieses neue Modell zeigt, dass sich Triumph keineswegs mit dem Kopieren bewährter Konzepte zufrieden gibt, sondern seine eigene Interpretation eines Cruisers vorlegt. Die Bobber ist zwar auch lang und flach, bringt aber mit Starrahmen-Optik, schwebendem Einzelsitz, versteckter Hightech und vielen edlen Details eine neue Geschmacksrichtung in diese Klasse ein. Dabei führt das neue Selbstbewusstsein auch dazu, dass man sich finanziell an die Spitze dieses Segments setzt: Mit Preisen ab 14.900 Euro (je nach Lackierung) ist man teurer als Harleys Forty-Eight, Indians Scout oder Yamahas XV950R, die als direkte Konkurrenten gelten müssen.

Gegenüber jenen bietet die Triumph freilich mehr Inhalte: Zwei Fahrmodi (Road, Rain), eine Traktionskontrolle, die Verstellbarkeit des Sattels (um 30 Millimeter) und eine saftige Performance von 77 PS, die lediglich von der Indian Scout übertroffen wird. Das dicke Drehmoment von 106 Newtonmeter ist hingegen konkurrenzlos.

So ist es kaum verwunderlich, dass der Eindruck der motorischen Extravaganz zunächst bestimmend ist: Die Bobber beschleunigt wie ein Hobby-Drag-Racer, untermalt von einer pompösen Soundkulisse, die wiederum durch die neue, zweigeteilte Airbox unter dem Sattel (Ansauggeräusche) und die beiden kurzen Schalldämpfer bestimmt wird.

Die lange Übersetzung des Getriebes führt allerdings dazu, dass man Überland oder erst recht auf der Autobahn den als Overdrive ausgelegten sechsten Gang wählen – und damit entspannt dahintuckern kann.

Denn auch das beherrscht die Bobber hervorragend: Die Kunst des genussvollen Gleitens. Der Sattel erweist sich nämlich als erstaunlich komfortabel, die Ergonomie des geraden, breiten Lenkers passt ebenfalls. So fährt man in einer Wolke aus genau richtig dosierten Vibrationen und pulsierendem Sound dem (oftmals imaginären) Sonnenuntergang entgegen.

Sollten sich dabei Kurven in den Weg stellen, kann die Bobber mit einer weiteren positiven Eigenschaft punkten: Erstaunlich hohe Agilität und Leichtfüßigkeit beim Einlenken. Klar, die Schräglagenfreiheit ist wie bei allen Cruisern dieser Liga begrenzt, aber bis zum Aufsetzen der Fußraster lässt sich viel Fahrfreude aus dem gut balancierten Fahrwerk schöpfen, das angesichts der limitierten Federwege auch erstaunlich guten Komfort bietet.

Letztlich passt auch die Bremserei und gefällt mit überschaubaren Handkräften und guter Dosierbarkeit.

Individualisierung

Bei den ersten Vertretern der neuen Klassik-Baureihe – Street Twin, Bonneville T120 und Thruxton – hat Triumph bereits sein forciertes Engagement im Zubehörbereich unter Beweis gestellt; diese Strategie wird auch bei der Bobber fortgeführt. Parallel mit der Markteinführung sind bereits mehr als 150 Teile verfügbar, zur Erhöhung der Übersichtlichkeit werden einige optional auch zu Paketen gebündelt.

Diese so genannten Inspiration-Kits sind unter dem Namen Old School (Apehanger, gechopptes Heck) und Quarter-Mile (im Café-Racer-Style) mit kleinen finanziellen Vorteilen zu haben. Immer dabei ist freilich die Vier-Jahres-Garantie, die bei Verwendung des Original-Accessoires uneingeschränkt erhalten bleibt.