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13.06.2016

Volvo V90: "Was haben die mit dem Auto gemacht?"

Erste Kilometer am Steuer des noblen Nachfolgers des lang gedienten Erfolgs-Kombis V70.

"Was haben die mit dem Auto gemacht?" Das war die erste Frage, die sich Klaus-Peter Mertens, Technikvorstand von Volvo an diesem Nachmittag stellte.

Seine Entwickler, die gerade am neuen V90-Kombi und der S90-Limousine werkten, hatten ihm einen Zweistunden-Termin auf der Volvo-Teststrecke bei Göteborg in den Kalender reklamiert, weil sie ihm etwas zeigen wollten. Um die Wirkung entsprechend zu erhöhen, ging es offiziell um Vergleichsfahrten mit Prototypen und Konkurrenzmodellen. Für die letzte Schleife drückten die Ingenieure dem Chef einen S90 mit dem D5-Diesel unter der Haube in die Hand. Mertens: "Schon auf dem Weg raus auf die Strecke war mir klar, dass hier etwas anders ist, so unmittelbar reagierte der Motor beim Gasgeben."

Des Rätsels Lösung war das, was heute bei Volvo PowerPulse heißt und mit dem V90/S90 Premiere feiert.

Um dem berüchtigten Turboloch mit möglichst einfachen Mitteln beizukommen, hatten die Volvo-Tüftler einen Zweiliter-Presslufttank implementiert, aus dem sie im Anlassfall (also beim Beschleunigen aus dem Stand oder aus niedrigem Tempo) Luft via einem Ventil abzapfen, um damit die Schaufelräder des Turboladers schon antreiben zu können, wenn der Motor noch nicht ausreichend Abgase produziert, die sonst diese Aufgabe übernehmen. Ergebnis ist ein unmittelbares Ansprechverhalten des Turbodiesel-Motors, was sich in merkbar verbesserten Beschleunigungs-werten manifestiert. Und das alles ohne aufwendiger 48-Volt-Bordspannung für einen elektrischen Turbolader.

Mertens: "Das ist ein klassischer Fall einer unbemerkt auf der Hand gelegenen Lösung, bei der man sich fragt, warum man da nicht schon längst selbst draufgekommen ist."

Das Ergebnis trägt jedenfalls dazu bei, die Strategie von Volvo, nur mehr Motoren mit vier Zylindern oder weniger zu verwenden, weiter zu stärken. Bei ersten Kilometern am Steuer eines V90 D5, der aus zwei Litern Hubraum 235 PS und 480 Nm Drehmoment (zwischen 1750 und 2250 Touren) holt, zeigte sich, dass der mit dem stattlichen Kombi (4,936 m lang, ab 1,8 Tonnen Gewicht) leichtes Spiel hat und auch dank der flotten 8-Gang-Automatik jederzeit zu Sprints bereits ist. Der 0–100-km/h-Wert von 7,2 Sekunden aus dem Prospekt wird so erlebbar.

Kein Sechszylinder

Dies zur Beruhigung aller Volvo-Freunde, die sich einen V90 ohne Sechszylindermotor nicht vorstellen können. Wer in der Lage ist, über diesen Schatten zu springen, wird mit einem absolut souveränen Premium-Kombi belohnt, der sich im Fahrbetrieb von der komfortablen Seite zeigt, ohne allzu weich daherzukommen.

Mit dem Drive-Mode-Schalter kann hier natürlich auch bei Gasannahme, Getriebe-Verhalten und Dämpfung etwas nachgeschärft werden, aber zum brettharten Rennlaster wird der V90 auch so nicht. Vielmehr stellte er eine optisch ansprechende und technisch wie qualitativ auf der Höhe der Zeit befindliche Alternative zum bekannten deutschen Premium-Triumvirat dar, die auch in Sachen Laderaumkapazität (560 l –1526 l) keinen Vergleich scheuen muss. Und zudem mit cleveren Details aufwartet, wie einer aufklappbaren Trennwand im Kofferraum, an der kleineres Ladegut und Einkaufstaschen befestigt werden können.

Und beim Thema sicherheitsrelevante Fahrer-Assistenzsysteme zeigt sich auch der neue V90 als echter Volvo. Nicht zu reden von den ersten Schritten zum autonomen Fahren wie dem Tempomaten mit Abstandsregler und aktiver Lenkhilfe (die den Wagen auch durch Kurven mit erfreulich sanften Eingriffen in der einmal erkannten Spur hält).

Bei uns startet der neue V90 wie die Limousine S90 Anfang September als Benziner mit 320 PS und Diesel (235 PS). Bis Ende des Jahres folgen ein 254-PS-Beziner, zwei Diesel (190 bzw. 150 PS) und die Plug-in-Version (320 PS plus 87PS E-Motor). Die kleineren Diesel sind auch mit manuellem 6-Gang-Getriebe kombinierbar, alle anderen Motorvarianten mit der 8-Gang-Automatik. Die Stärkeren sind auch mit Allrad zu haben.

Die Preisliste beginnt bei € 47.200,– und reicht vorerst bis € 73.888,–.

Volvo S90

Bei uns wird zwar wohl der Kombi die Hauptrolle spielen, dennoch sei der Vollständigkeit halber festgehalten, dass der S80 auch einen Nachfolger erhalten hat. Die S90-Limousine ist sogar noch um einen Hauch länger (4,963 m) als der Kombi V90 (siehe oben) und setzt mit einem sehr markant gestalteten Heck ein unübersehbares Zeichen im Straßenbild. Die Motorisierungsvarianten sind analog zu jenen des V90, die Preisliste spannt sich zwischen € 44.500,– und € 71.155,–.

Auch für die Limousine folgt die Plug-in-Version T8, die wegen der wesentlich günstigeren NoVA wie bereits beim XC90 den normalen Benzinmodellen das Leben schwer machen wird.

Ebenfalls von Interesse für Dienstwagen-Nutzer: Selbst der starke D5-Diesel bleibt im Normverbrauch mit 127 (S90) bzw. 129 g/km CO2 (V90) unter der magischen 130-g-Grenze.