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05.12.2011

Von Wheelies mit 129 km/h und rasenden Radfahrern

© Bild: Wiener Polizei / Dominik Schreiber (Repro)

Bei den Radarmessungen kommen die kuriosesten Verkehrssünden zum Vorschein.

Ein Opel-Fahrer ist der kuriose Rekordhalter: In nicht einmal sechs Minuten schaffte es der Lenker, bei einer Radarbox in der Erdbergstraße gleich vier Mal geblitzt zu werden. "Offenbar hatte er irgendetwas daheim vergessen und ist noch einmal zurückgefahren, um es zu holen. Jedes Mal war er ein paar km/h schneller als davor. Zuerst hatte er 76, beim letzten Mal sogar 98 km/h", berichtet Chefinspektor Alois Lasselsberger von der Radargruppe der Verkehrspolizei, deren interner Funkname "Rabe" lautet.

© Bild: Wiener Polizei / Dominik Schreiber (Repro)

Trotz rund 300.000 Raserstrafen pro Jahr allein in der Bundeshauptstadt gibt es bei der Exekutive auch Fälle, in denen sich die Beamten ein Schmunzeln nicht verkneifen können. Für den KURIER öffnete die Verkehrsabteilung das Fotoalbum mit den Kuriositäten aus über 36 Jahren Verkehrsüberwachung - inklusive des Bildes vom "rasenden Elefanten", der mit 92 km/h auf der Reichsbrücke "geblitzt" wurde. Grund für das witzige Foto war ein Zirkus, der seine Tiere über die Straße trieb - und von einem Autofahrer im Hintergrund mit diesem hohen Tempo überholt wurde.

Es kommt auch vor, das Autofahrer ihre nackten Hinterteile auf die Radarbilder der Polizei bannen, eine Zeit lang war das sogar ein "Volkssport". Manchmal entlädt sich der Autofahrerfrust unmittelbar an den Radarboxen, es gab schon Schmierereien und Sachbeschädigungen (bis hin zu Einschüssen). "Das geht in Wellen, manchmal ist monatelang nichts, dann wieder mehr", erklärt Lasselsberger. Die Konsequenzen sind allerdings scharf, Anzeigen die Folge.

Ruf nach der Box

© Bild: Wiener Polizei / Dominik Schreiber (Repro)

Andere können von Radarboxen nicht genug bekommen. Da es 98 Standorte gibt, aber nur manche besetzt sind, werden die Geräte zu bestimmten Zeitpunkten gewechselt. "In den darauffolgenden Tagen verzeichnen wir dann immer sehr viele Anrufe und Mails von Anrainern, die ihre Box wieder zurückhaben wollen", sagt Lasselsberger.

Insgesamt ist die Autofahrer-Moral in Wien aber gestiegen, sagt der Chefinspektor. Seit den 70er-Jahren wurde der Schnitt in Wien um rund 30 km/h gesenkt.

"Doch manche Unverbesserliche wird es leider immer geben", sagt Oberst Josef Binder. Den traurigen Rekord hält ein Raser, der in Wien mit 202 km/h auf der Prager Straße geblitzt wurde. Einige Lenker versuchen hingegen, auf Anonymverfügungen die Namen anderer Leute als tatsächliche Fahrer anzugeben, um der Strafe zu entgehen. "Wir hatten schon bettlägrige Opas im Pflegeheim, die angeblich gefahren sind", sagt Lasselsberger.

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