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Classic
07/29/2017

Vor 30 Jahren präsentierte Ferrari den F40

Einige der Macher des F40 wie Testfahrer Dario Benuzzi oder Designer Leonardo Fioravanti erinnern sich an die Entstehung des seinerzeitigen Supersportwagens.

Groß war Mitte der 80er Jahre die Aufregung unter den Sportwagenliebhabern. 1986 hatte Porsche mit dem 959 einen technisch aufwendig gemachten Supersportwagen vorgestellt, wie es ihn so aus Zuffenhausen noch nie gegeben hat. 1987 zog Ferrari nach und präsentierte mit dem F40 praktisch einen Rennwagen mit Straßenzulassung. Für Begehrlichkeiten unter den betuchten Kunden sorgten nicht nur die schieren Fahrleistungen, sondern auch der Umstand, dass beide in der Stückzahl limitiert waren.

1987 sollte zum 40-jährigen Jubiläum der Marke Ferrari ein besonderes Auto her. Leonardo Fioravanti, damals in Diensten von Ferraris Haus und Hof Designer Pininfarina, erinnert sich an die Anfänge: "Ich wurde von Enzo Ferrari nach Fiorano eingeladen, um den 288 GTO Evoluzione auszuprobieren, einen Prototypen, der wegen der geltenden Auflagen nie eine Straßenzulassung bekam. Als der Commendatore mich nach meiner Meinung fragte, konnte ich als blutiger Amateurfahrer meinen Enthusiasmus über die unglaubliche Beschleunigung nicht verbergen. Damals sprach er das erste Mal über seinen Wunsch einen "wahren Ferrari" in Serie zu bauen. Wir wussten, und er wusste es auch, dass dies sein letztes Auto sein würde. Bei Pininfarina machten wir uns sofort an die Arbeit. Wir verbrachten viel Zeit im Windkanal, um die passende Aerodynamik für das stärkste Ferrari-Straßenfahrzeug aller Zeiten zu entwickeln. Die so genannten "NACA Lufteinlässe" und der Heckflügel, den mein Kollege Aldo Brovarone im richten Winkel dem Auto anpasste, machten das Auto so berühmt."

In den offiziellen Unterlagen aus dem Jahr 1987, die der Motor-KURIER noch in seinem Archiv aufbewahrt, wird das so beschrieben: Der Wagen F40 hat ein betont sportliches Design mit folgenden Schwerpunkten: die zentrale Fahrgastzelle und die flache Vorderpartie, die aerodynamischen Karosseriefortsätze nach hinten und die Verkleidung des Wagenbodens. Die hervorstechenden Merkmale der Karosserie sind folgende - Frontpartie: Die Zeichnung der Frontpartie verweist auf die glorreichen Ferraris der sechziger Jahre; sie war durch eine bestechende Einfachheit und Funktionalität gekennzeichnet. Sie beherbergt einen zentralen und zwei seitliche Lufteinlassöffnungen und die Scheinwerfer.Die gleiche Bauweise finden wir im F40 wieder, nur unter modernen Gesichtspunkten und verbesserter Art durch die Versuche im Windkanal. Wagenheck: Diese weist klare sportliche Merkmale auf und wird durch einen Heckspoiler markiert, dessen Träger in die Flanken integriert sind. Die stark umhüllende Heckscheibe in der Form eines stumpfen Kegels lenkt die Luftströmung gebündelt zum Spoilerflügel, wodurch dessen Wirkungsweise optimiert wird.

Ermanno Bonfiglioli war für die aufgeladenen Motoren zuständig: "Die Entwicklung des F40 lief unter bislang nicht gekannter Geheimhaltung ab. Die Überraschung war entsprechend groß, als das Auto am 21.Juli 1987 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Niemand außer Enzo Ferrari und seinen engsten Vertrauten hatte das Auto zuvor gesehen. Auch der Zeitrahmen für die Entwicklung war ungewöhnlich. Es war im Juni 1986 als wir mit der Arbeit am Motor, das Projekt hieß F 120 A, begannen. Der V8 mit zwei Turboladern war ein Derivat des 288 GTO Evoluzione. Dank einiger Adaptionen machte er aus dem F40 den ersten Serien-Ferrari, der eine Höchstgeschwindigkeit von über 320 km/h erreichte. Wir legten damals großen Wert auf das geringe Gewicht des Motors. Der umfangreiche Einsatz von Magnesium, einem Material, das fünfmal mehr kostet als Aluminium, und das bis dahin nie in solchem Ausmaß verbaut wurde, war ein entscheidender Faktor und es ist nur ein Beispiel für die Andersartigkeit des Autos."

Dazu wieder die offizielle Beschreibung: Die Erfahrung mit dem GTO Evoluzione, also mit den Versuchsprototypen, die im Hinblick auf die Rennen der S-Gruppe gebaut worden waren, hat Daten und Anregungen für die Entwicklung eines innovativen Antriebsaggregates mit doppeltem Charakter geliefert; er sollte fügsam und gleichzeitig rennfreudig sein. Der Motor ermöglicht einen "volle" Nutzung bei jeder Drehzahl, das Drehmoment ist ausgesprochen progressiv. Bei 3500 Umdrehungen pro Minute liegt der entsprechende Wert beispielsweise bei 55 kgm. Mit diesen Werten seiner Vielseitigkeit braucht diese Aggregat keinen Vergleich zu scheuen. Für die Werte der Leistungs-, Drehmoment- und Verbrauchskurven erübrigt sich jeder Kommentar.

Bis das Auto aber so "fügsam" war, wie es gewünscht war, gab es noch viel Arbeit für die Entwickler. Dario Benuzzi, legendärer Testfahrer von Ferrari, erinnert sich an die Arbeit am F40: "Das Handling der ersten Prototypen war erbärmlich. Um die Kraft des Motors zu bändigen und sie für den Einsatz auf der Straße abzustimmen, mussten wir jeden Aspekt unzählige Male austesten. Von den Turboladern über die Bremsen, von den Stoßdämpfern zu den Reifen. Am Ende hatten wir das Auto so, wie wir es wollten - mit wenig Komfort und absolut kompromisslos, ohne Servolenkung und elektronische Fahrhilfen. Es verlangt vom Fahrer Können und Einsatz, belohnt ihn aber mit einem einzigartigen Fahrerlebnis. Die Präzision der Lenkung, die Straßenlage, die Bremsleistung und die unglaubliche Beschleunigung erreichte ein in einem Straßenauto bis dahin nie gekanntes Level."

Der ursprüngliche Plan vom F40 nur 300 Exemplare zu bauen, wurde verworfen (sehr zum Unmut mancher Kunden) und am Ende waren es 1315 Stück. Der Umstand, dass der F40 der letzte Ferrari war, der unter der Ägide von Enzo Ferrari entstand (er starb 1988) ließ die Preise für das Auto in astronomische Höhe klettern - wobei der Preis, den Ferrari für das Auto verlangte schon durchaus astronomisch war - in Österreich rund 3,5 Millionen Schilling. Heute sind Exemplare eines Ferrari F40 kaum unter 1 Million Euro zu bekommen.

Enzo Ferrari hat sich mit dem F40 gewissermaßen seinen letzten Wunsch erfüllt: "Ich möchte ein Auto bauen, das schneller ist als alle anderen und dann möchte ich sterben".

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