News 16.02.2012

Vorbildwirkung

Vorbildwirkung
© KURIER / Boroviczeny Stephan

Das angebliche Umwelt-Musterland Kalifornien und die Realität.

Wann immer es in der Autobranche um neue Umweltstandards geht, kommt Kalifornien ins Spiel.

Seit Jahren gelten die strengen Abgas-Grenzwerte dort als Vorbild für Gesetzgeber bei uns, sowohl die Hybridauto-Welle als auch der neue Zug zum Elektroauto haben zwischen Los Angeles und San Francisco ihren Anfang genommen. Und das PR-Genie aus der Steiermark hat in seiner Zeit als oberster Kalifornier den Ruf vom Umwelt-Musterland breitenwirksam weiter aufbereitet.

Bedingt durch die rein auf das Auto ausgerichtete Infrastruktur und klimatische, die Smogbildung begünstigende Besonderheiten des Großraums Los Angeles, sah man sich hier schon früh gezwungen, den Schadstoffausstoß radikal zu limitieren.

Das führte zum Teil zu technisch nicht erfüllbaren Grenzwerten, die dann wieder an das Machbare angepasst werden mussten, brachte aber durch die Größe und wirtschaftliche Wichtigkeit des Marktes für die Autoindustrie auch viele Entwicklungen in Schwung, die sonst viel länger gedauert hätten.

Dennoch stellt man sich als Europäer angesichts so mancher kalifornischer Realitäten rasch die Frage, worauf sich dieser grüne Ruf tatsächlich gründet. Angesichts eines Meeres von praktisch nicht isolierten Einfamilien-Häusern mit dünnen Sperrholzwänden, Hotelzimmern ohne zentralen Lichtschalter und grundsätzlich auf Kühlschranktemperaturen heruntergekühlten Räumen erscheinen die Versuche, die Energie- und Schadstoffbilanz nur über den Fuhrpark in den Griff zu bekommen, als wenig vorbildhaft.

horst.bauer(at)kurier.at

(Kurier) Erstellt am 16.02.2012