© Daniel Schubert

Test
11/21/2015

VW Sharan: Familienspezialist bis in die letzte Schraube

Nach der Modellpflege im familiären Praxiseinsatz mit sieben Sitzen.Und: Wie sicher ist die dritte Sitzreihe?

Mit dem Sharan hat Volkswagen vor nunmehr 20 Jahren eine nicht mehr wegzudenkende Größe im Bereich der Familienautos geschaffen – anfangs noch in Kooperation mit Ford (Galaxy). Heute teilt sich der geräumige Wolfsburger seine Vorzüge nur noch mit dem Konzernbruder Alhambra.

Anlässlich der Anfang des Sommers vorgestellten Überarbeitung bat der Motor-KURIER zum Test: Ein silberner Sharan in der Topausstattung Highline mit 184 Diesel-PS und 6-Gang-DSG kam der Bitte nach. Trotz der konzeptbedingt klobigen Form weiß der Pampersbomber sehr gut zu gefallen – nicht zuletzt aufgrund der zweifarbigen 18“-Alufelgen namens „Marseille“.

Der Innenraum präsentiert sich wie gewohnt sachlich aber sympathisch. Man fühlt sich sofort wie zu Hause. Das 7-Sitzer-Paket ist eines der am einfachsten zu bedienenden auf dem Markt und ermöglicht – auch dank der großzügigen Schiebetüren – einen menschenwürdigen Zugang in die dritte Reihe.

Infotainment

Das Navi, das gesamte Unterhaltungs- und Infosystem sowie Apple CarPlay funktionierten tadellos – einzig die erstmalige Registrierung des Fahrzeuges über das Internet stellte sich als etwas kniffelig heraus.

Aus Familiensicht lassen einige Extras den Sharan schnell zum geliebten Familienmitglied werden: elektrische Schiebentüren und Heckklappe, elektrische Kindersicherung für Türen und Fenster, Ablagen, Ablagen und noch mehr Ablagen, ein Mistkübel (VW lernt von Skoda!) und zu guter Letzt: bis zu 2430 Liter Kofferraum (als 5-Sitzer).

Der 2-l-Diesel reibt mit bis zu 380 Nm Drehmoment den Gummi in den Asphalt und sorgt selbst voll beladen bergauf für ein Grinsen im Bereich des Fahrersitzes. Das bekannte 6-Gang-DSG macht genau das wofür es gebaut ist: arbeiten ohne aufzufallen. So soll das sein! Das Geräuschniveau des Motors ist ein angenehm leises und auch vom Fahrtwind ist wenig zu hören. Mit Verbräuchen zwischen 6,7 und 8,1 Liter Diesel kann man bei einem Auto dieser Grüße und Motorisierung durchaus zufrieden sein.

Das erwähnte Grinsen vergeht manchem leider wieder wenn man die Preisliste zur Hand nimmt: Mindestens 46.250 € sind für die getestete Motor-Getriebe-Kombi erforderlich. Inklusive Highlineausstattung, diverser Extras und einiger der zahlreich verfügbaren Assistenzsysteme kam der Testwagen allerdings auf stolze 62.677 €. Viel Geld, das der Sharan auch wert sein mag, aber viele Familien abschrecken dürfte.

VW Sharan 2,0 TDI Highline DSG

Antrieb: 4 Zylinder, Diesel, Direkteinspritzer, 2 oben liegende Nockenwellen, 4 Ventile/Zylinder, Turbolader, Ladeluftkühler; Frontantrieb, 6-Gang-Doppel-Kupplungsgetriebe; Hubraum: 1968 cm³ PS/kW: 184 PS/135 kW, maximales Drehmoment:380 Nm bei 1750 U/min.

Spitze 213 km/h, 0–10 in 8,9 Sekunden; Euro 6.

Fahrwerk: Selbst tragende Karosserie, Hilfsrahmen, Einzelradaufhängung, vorn McPherson-Federbeine, Dreiecklenker, hinten Mehrlenkerachse, vorn/hinten Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisatoren, Scheibenbremsen (vorn innen belüftet), Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servounterstützung, ABS, Bremsassistent (BA), elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP).

Maße (L x B x H): 4854 x 1904 x 1740 mm

Wendekreis: 11,9 m Radstand: 2920 mm Kofferraum: 955–2430 l

Gewicht: 1729 kg Gesamtgewicht: 2400 kg Tankinhalt: 70 l

Normverbr.: 5,3 l/100 km 138 g/km CO²

Testverbr.: 7,2 l/100 km

Preis: 46.250 €

Preis Testwagen: 62.677 €

Motorbezogene Versicherungssteuer: 874,44 €

Wie sicher sind dritte Sitzreihen?

Wer dort zu sitzen kommt, hat nicht wirklich das große Los gezogen: Notsitze in der dritten Reihe sind wegen des schwierigen Zustiegs und der unbequemen Sitzposition nichts anderes als Arme-Sünder-Bankerln und nur für kurze Strecken und da wiederum nur für Kinder geeignet. Lässt sich die Verbannung in die billigen Reihen vermeiden, wird das meist dankbar angenommen.

Die Idee dahinter ist ja durchaus gut gemeint von der Autoindustrie: Die zusätzlichen Sitze nur dann zu belegen, wenn sie wirklich gebraucht werden. Wenn nicht, verschwinden sie eben einfach und platzsparend im Kofferraumboden.

So weit, so gut. Die Frage ist nur, wie sicher die Passagiere in der letzten Reihe untergebracht sind. Conclusio eines jüngst vom ÖAMTC durchgeführten Crashtests: Die dritte Sitzreihe nur in Ausnahmefällen nutzen.

Konkret testete der ÖAMTC einen Fiat 500 L Living, der serienmäßig mit sieben Sitzplätzen ausgestattet ist. Der Check offenbart also keine repräsentativen Aussagen, weist aber ganz gut wegen der offen zutage getretenen Ergebnisse auf allgemeine Problematiken hin.

Auf Kollisionskurs

Einer der wichtigsten Aspekte betraf die Kindersicherheit, "nutzen doch Eltern solche Fahrzeuge häufig, um Kinder von der Schule abzuholen oder sie zu Freizeitaktivitäten zu bringen", wie ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl weiß. Das Ergebnis des simulierten Heckaufpralls: Für Erwachsene ist die Sicherheit in der dritten Reihe akzeptabel, auch wenn Verletzungen nie auszuschließen sind. Für Kinder besteht aber, so die Erkenntnis des ÖAMTC, ein höheres Verletzungsrisiko – auch wenn sie korrekt gesichert sind. Was ja ohnehin kein Thema sein sollte.

Prinzipiell sind die Sitze in der dritten Reihe auch bei einem schweren Heckaufprall stabil und auch der Schutz durch die Kopfstützen ist ausreichend. Allerdings besteht die latente Gefahr, dass der Kopf des Kindes gegen den Fahrzeugplafond prallt.

Steffan Kerbl: "Dazu kommt, dass die Sitze sehr nah an der Heckscheibe sind. Dadurch geraten die Köpfe der Personen, die dort sitzen, gefährlich nahe an die Kollisionsgrenze."

Klare Empfehlung des ÖAMTC: Die hinterste Sitzreihe nur dann benutzen, wenn es wirklich nicht anders geht.

Eine nicht unwichtige Überlegung beim Kauf eines Autos mit einer dritten Sitzreihe ist außerdem die Frage, ob es überhaupt möglich ist, einen Kindersitz zu installieren. Wenn’s hingegen nicht um Kinder geht, sollte in erster Linie die Bequemlichkeit beim Ein- und Aussteigen berücksichtigt werden. Die Fahrzeughersteller sind da gefordert, Fahrzeuge mit dritter, zusätzlicher Reihe so zu gestalten, dass auch ganz hinten normales Sitzen möglich ist. Ein zugegebenermaßen schwieriges Unterfangen, weil Raum ja nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. Die Forderung, die der ÖAMTC an die Fahrzeugindustrie richtet, ist ebenso leicht wie gut nachvollziehbar: Sitzlehnen und Kopfstützen müssen auch ganz hinten ausreichend Abstand zu Heck- und Seitenscheiben haben. Außerdem, so der ÖAMTC abschließend, müssen Gurt- und Sitzgeometrie so angepasst werden, dass sowohl Erwachsene als auch Kinder adäquat gesichert unterwegs sein können.

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