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Roller
05/05/2015

Wie hat sich die Vespa Sprint im Dauertest gehalten?

Romantische Gründe sprechen für den italienischen Roller – aber auch viele pragmatische.

Wenn man wie Vespa gerne italienische Klischees bemüht, schwingen neben Romantik und mediterranem Lebensgefühl immer auch ein paar negative Konnotationen mit: Man denkt an ungezwungene Verarbeitung, an hemdsärmelige Technik und ganz generell an einen lockeren Umgang mit handwerklicher Präzision.

Nach einer Saison mit der neuen Vespa Sprint können wir Entwarnung geben. Es gab keine Hoppalas, Enttäuschungen, weder Ausfälle noch Mängel. Mit einer kleinen Ausnahme: Das Originalzubehör, das wir zu Testzwecken montieren wollten, war monatelang nicht lieferbar – bis wir schließlich ganz darauf verzichteten. Wenigstens ein Negativ-Klischee hat sich damit erfüllt.

Das einfache Leben

Zum Glück sind aber auch die positiven Erwartungen eingetreten. Die Vespa erfüllt ihre Rolle als Großstadt-Scooter mit aller Grandezza, gibt sich in der Bedienung unkompliziert und im Alltag dienstbar. Mit dem ausreichend großen Stauraum unter der Sitzbank – hier passt sogar ein Vollvisierhelm hinein – und dem kleinen, versperrbaren Fach in der Verkleidung ist man im Alltag gut bedient, dazu lässt sich ja auch noch das fast ebene Trittbrett als mobiler Abstellraum nutzen. Sehr praktisch und ohne Nestelei funktioniert das Entriegeln der Sitzbank: ein Knopfdruck genügt, dann springt der Zweiersattel auf und gibt die Ladeluke sowie den Tankstutzen frei.

Flotte Beine

Der luftgekühlte Dreiventil-Motor besitzt einen stärkeren Antritt als man von den reinen Zahlen her vermuten würde; knapp 11 PS schöpfen das erlaubte Maß dieser Klasse nicht annähernd aus. Doch dank des kräftigen Drehmoments von unten und der gelungenen Abstimmung des Variomatik-Getriebes hat man kein schlechtes Gewissen, wenn man sich – erlaubterweise – im Stau vor der roten Ampel vorschlängelt. Sobald die Ampel auf Grün springt, ist man Autofahrern nach wenigen Augenblicken schon mehr als ein paar Nasenlängen voraus.

Und dabei ist man auch noch in Sachen Ressourcenschonung vorbildlich unterwegs. Der Schnittverbrauch von 3,2 Liter über die gesamte Saison liegt zwar klar über dem versprochenen Wert von 2,15 Litern, entspricht aber dem üblichen Erfahrungen in dieser Klasse. Zieht man in Betracht, dass wir fast ausschließlich Kurzstrecken mit permanentem Stop-and-Go in eher dynamischer Manier zurückgelegt haben, lässt sich dieses Resultat keinesfalls bekritteln.

Solide Komponenten

Rahmen, Fahrwerk und auch die Bremsen entsprechen höchstem Niveau und damit auch dem Premium-Preis, den Vespa für sein kleines Modell veranschlagt. Wir würden dennoch die vergleichsweise schmalen 300 Euro mehr investieren und damit das mittlerweile lieferbare ABS an Bord holen; sicher ist sicher, vor allem, wenn man an regennasses Kopfsteinpflaster denkt oder damit liebäugelt, den Roller im nächsten Winter nicht mehr stillzulegen.

Besser allein unterwegs

Zu den vielen praktischen Seiten gesellt sich im Alltag allerdings auch eine unpraktische: Wer immer wieder mit Sozius unterwegs ist, wird von dieser Stelle keine freundlichen Kommentare hören: zu klein ist der Platz hinter dem Fahrer, zu ungünstig sind die Fußraster untergebracht. Und das Fahrwerk ist im Zwei-Personen-Betrieb auch rasch überfordert: Dann genügt schon ein kleines Schlagloch oder ein harter Absatz im Asphalt, um einen ungnädigen Stoß direkt an die Wirbelsäulen weiterzuleiten.

Wer also gerne zu zweit mit der Vespa fahren will, greift zum besser geeigneten Large-Frame-Modell: der GTS 125. Wer hingegen die Stadt meist allein erobert, der gewinnt mit der Vespa Sprint eine italienische Freundin, die so verführerisch wie Elisabetta Canalis flüstert: Citta? Solo con Vespa!

Technische Daten

Antrieb: Einzylindermotor, luftgekühlt (mit Gebläse), eine oben liegende Nockenwelle, drei Ventile; elektronische Kraftstoffeinspritzung; stufenlose Variomatik.

Hubraum: 124 cm³

Leistung PS/kW: 11/8maximales Drehmoment:10,4 bei 6000 U/min

Fahrwerk: Selbsttragende Stahlblechkarosserie; vorne Einarmschwinge mit Federbein, hinten Triebsatzschwinge mit Monofederbein; vorne Scheibenbremse mit 200 mm Durchmesser, hinten Trommelbremse mit 140 mm Durchmesser; Antiblockiersystem gegen Aufpreis; Aluminium-Guss-Ffelgen mit Reifen der Dimension 110/70-12 vorne und 120/70-12 hinten.

Maße (L x B x H):1870 x 735 x 1170 mmSitzhöhe: 785 mmRadstand: 1340 mmNachlauf: k.A.Zuladung: 175 kgGewicht fahrfertig: 130 kgTankinhalt: 8 Liter

Spitze:91 km/h

Testverbrauch: 3,2 l/100 km

Preis:4499 €

Preis Testroller:4499 €

Motorbezogene Versicherungssteuer: 37,20 €