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News
05/24/2012

Wiedergänger

Die neu belebte Diskussion um die City- Maut blendet ein wichtiges Faktum aus.

von Horst Bauer

Jetzt ist es also wieder aufgetaucht.

In kürzer werdenden periodischen Abständen wirft irgendwer das Zauberwort City-Maut in die Diskussion um den motorisierten Individualverkehr und die Probleme, die Städte damit haben, und schon geht’s los.

Die immer gleichen Befürworter entstauben die immer gleichen Argumente (London, Stockholm etc.) und die Gegner graben die Kosten-Keule aus und bringen die soziale Unverträglichkeit in Stellung (es trifft nur die Armen). Einzige Variation der aktuellen Version des bekannten Schlagabtausches ist der Umstand, dass die Betroffenen offensichtlich genug haben davon, was in einer KURIER-Umfrage zu Beginn der Woche deutlich zum Ausdruck gebracht wurde.

Die klare Ablehnung einer City-Maut für Wien mit dem Argument, dies sei nur reine Geldbeschaffung zeigt, dass sich die Bürger von scheinbar schicken Markennamen weniger blenden lassen, als dies Teile der Politik offenbar annehmen.

Denn was in der ritualisierten Diskussion über die City-Maut üblicherweise ausgeblendet wird, ist das Faktum, dass diese in Wien seit Jahren unter anderem Namen besteht. Man braucht dafür zum Leidwesen der einschlägigen Industrie zwar keine teuren Überwachungs-Systeme, sondern kommt im günstigsten Fall sogar nur mit Papier und Kugelschreiber aus, aber der Effekt ist ident: Wer mit dem Auto in die Stadt fährt, muss dafür zahlen – und das seit der Erhöhung der Kurzparkgebühren und der bevorstehenden Ausweitung der Parkpickerl-Bezirke nicht zu knapp.

horst.bauer(at)kurier.at