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News
07/05/2012

Zu kurz gedacht

Techniker der TU Wien zeigen: Den Auto­alltag mit 50 Kilometer zu kalkulieren, ist falsch.

von Maria Brandl

Einer aktuellen Studie zufolge legt die überwiegende Mehrheit der europäischen Autofahrer pro Tag weniger als 50 km zurück", so hieß es auch bei der Vorstellung des Volvo-Plug-in-Hybrids.

Wer diese Studie wo mit wie vielen Autofahrern gemacht hat, ist unbekannt, obwohl sie seit Jahren praktisch bei jeder Veranstaltung rund um E-Mobilität zur Rechtfertigung der geringen Strom-Reichweite zitiert wird, in Europa, in den USA, in Asien. Die Wirklichkeit sieht anders aus, zumindest in Österreich –, aber höchstwahrscheinlich nicht nur.

Junge Techniker der TU Wien vom Institut für Energie­systeme und Elektrische Antriebe haben im Zuge des Projekts "Smart Electric Mobility" nämlich nicht nur die eine besagte Studie wie alle anderen übernommen, sondern selbst Autofahrer in Ostösterreich befragt. Stand- und Stehzeiten wurden dabei ebenso erhoben wie die Fahrten der privaten Fahrzeuge via GPS (Navi­gationssatelliten). Mehr als drei Wochen lang.

Und siehe da – auch die Wiener Untersuchung, die von Markus Litzlbauer auf dem Grazer Energieinnova­tions-Symposium vorgestellt wurde, ergab, dass 95 Prozent aller Einzelfahrten kleiner als 50 km ausfallen, aber: 47 Prozent der Fahrzeuge fuhren zumindest an einem Tag mehr als 150 km und davon rund die Hälfte machte Einzelfahrten von mehr als 150 km.

Wie die dürftigen E-Auto-Verkäufe selbst in Frankreich und Deutschland zeigen, kaufen sich Normalbürger ihren Untersatz entsprechend ihrer Bedürfnisse. Offensichtlich übersteigen diese nach wie vor die Mög­lichkeiten reiner E-Autos. Wie die Wiener Studie zeigt.

maria.brandl(at)kurier.at