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03/22/2021

Abenteuer an der Ladesäule: Die Aufladung sollte keine Einladung werden

An der Stromsäule wurde unabsichtlich auch die Ladung für das Fremdauto aktiviert. Was tun?

16.40 Uhr, Parkplatz in Brunn/Gebirge, Gemeindezentrum. KURIER-Kollege Christian Bartos rollt mit seinem BMW Plug-in-Hybrid zur Wien-Energie-Ladesäule. Am anderen Stecker hängt bereits ein Auto, ein Carsharing-Golf. Bartos schließt seinen BMW an, zückt die Wien-Energie-Vertragskarte und hält sie vor das Aktivierungsfeld der Ladestation. Der Ladepunkt aktiviert sich. Aber: Auch der Ladepunkt des Golfs springt an. Per Handy-App prüft Bartos die Anschlüsse. Tatsächlich: Beide Ladepunkte sind auf sein Konto – und auf seine Rechnung – aktiviert. Der BMW um 16:45:15, der Golf um 16:45:18. „Der Golf nuckelt auf meine Kosten Strom. Anschluss und die Ladestation sind verriegelt“, so Bartos.

Keine Fern-Hilfe

Warum kann man überhaupt zwei Ladeanschlüsse gleichzeitig aktivieren? Die Hotline der Wien Energie weiß es auch nicht. Die Mitarbeiter können aus der Ferne nichts tun, der Ladevorgang könnte nur im absoluten Notfall gestoppt werden. Nach einer Stunde kommt Bartos zum Auto zurück. Er steckt seinen BMW ab, der Golf saugt weiterhin auf seine Kosten Strom.

Blöd nur: Selbst, wenn die Batterie voll aufgeladen ist, laufen die Kosten weiter, weil man ja nicht nur für den getankten Strom, sondern auch für die Ladedauer bezahlt. Was, wenn dieser Stromvampir die ganze Nacht da hängt? Dann wird es richtig teuer.

Bartos ruft nochmals bei Wien Energie an, die Hotline hat schon Betriebsschluss. Nur der Störungsdienst ist zu erreichen. Ein freundlicher Mitarbeiter hebt ab. Er kann leider auch nichts machen, sagt: „Wenn das in Rechnung gestellt wird, müssen Sie die Rechnung beeinspruchen“.

Noch eine Idee: Im digitalen Zeitalter sollte doch die Carsharing-Firma Fernzugriff auf den Golf haben. Anruf bei der Carsharing-Firma, aber leider auch hier: kein digitaler Zugriff möglich. Die Frage, ob nicht ein Servicemitarbeiter vorbeikommen könnte, wird abends verneint. Bartos gibt auf. Daheim sagt die Handy-App, dass der Golf weiterhin Kosten verursacht.

Nächster Tag: Ein Blick auf die App zeigt, dass der Golf immer noch am Strom hängt. Geschätzte Kosten bisher: 60 Euro. Weitere Anrufe bei Wien Energie bleiben ohne Ergebnis. Niemand kann dort das Auto vom Strom lösen. Noch ein Anruf beim Carsharing-Unternehmen: Bartos ersucht erneut, einen Mitarbeiter hinzuschicken, um die Ladung zu stoppen. Das wird jetzt tatsächlich getan.

Später in der Wien-Energie-App: Die Ladung ist beendet. Ladedauer: 16 Stunden, 25 Minuten, 27 Sekunden.

Für Wien Energie ist das ein „absolut ungewöhnlicher Fall und so noch nie aufgetreten“. Die zweifache Auslösung des Ladevorgangs wurde aufgrund eines Systemfehlers nicht verhindert. „Gleichzeitig konnte das aber auch nur deshalb passieren, weil das zweite Auto nur angesteckt war, aber nie geladen hat. Die betroffene Ladestelle ist eine unserer ältesten. Sie wird planmäßig dieses Jahr auf ein neues System umgestellt“, sagt David Berger, Leiter der Abteilung Elektromobilität der Wien Energie. Und: Kollege Bartos bekomme die Kosten selbstverständlich gutgeschrieben.

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