adac-ev_technik_led-system-vergleich.jpg

© ADAC

Service
11/22/2019

Blenden LED-Scheinwerfer wirklich mehr?

Der ADAC in Deutschland untersucht Funktionsweise und Leuchtdichte verschiedener Systeme.

Autofahrer empfinden moderne LED-Scheinwerfer oftmals als zu grell. Um herauszufinden, wie und ob LED-Scheinwerfer tatsächlich blenden, hat der ADAC verschiedene Systeme untersucht. Das Ergebnis: Ja, manche LED-Scheinwerfer und Rückleuchten blenden unnötig stark.

Vorne sind sogenannte „Linsenprojektionssysteme“ verantwortlich, die mittels einer besonders kleinen Lichtquelle punktuell sehr helles Licht ausstrahlen. LEDs benötigen einen geringeren Bauraum, somit können immer kleinere Leuchten gebaut werden. Der kleine, sehr helle Lichtpunkt wird jedoch von vielen Autofahrern als unangenehm empfunden. Das Auge kommt an seine Grenzen, so dass im Moment der Blendung die Sehfähigkeit und damit die Verkehrssicherheit stark eingeschränkt sein können.

adac-ev_technik_led-system-vergleich-grafik.jpg

Die ADAC Untersuchung zeigt aber auch: LED-Scheinwerfer müssen nicht blenden. Technisch ist eine Verringerung der Blendung durchaus möglich. Für das Auge angenehmer ist die „Reflektortechnik“. Dabei wird das LED-Licht erst auf einen Reflektor gelenkt, der daraus dann den gewünschten Lichtkegel formt. Hier tritt das Licht flächiger und homogener aus dem Scheinwerfer, zudem wird ein direkter Blick in die gleißende LED verhindert.

Daher empfiehlt der ADAC bei Scheinwerfern und Leuchten nicht das Design, sondern die Verkehrssicherheit in den Fokus zu stellen und Systeme mit möglichst großem und homogenem Lichtaustritt zu verbauen. Eine Kombination beider Systeme für die jeweils gewünschten Funktion, ist nach Ansicht der ADAC Experten ideal: Blendarme Reflektortechnik für das Abblendlicht, gebündelte Linsenprojektion beim adaptiven Fernlicht.

Nicht zu vernachlässigen sind in Sachen Blendung aber auch andere Punkte, vor allem der Zustand der Frontscheibe. "Schmutz und Kratzer führen zur Lichtstreuung – je sauberer die Scheibe ist, desto weniger wird man geblendet", erklärt ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Umgekehrt ist ein zerkratzter, verschmutzter oder beschädigter Scheinwerfer auch eine Blendquelle für den Gegenverkehr. "Oft hilft schon die korrekte Lichteinstellung, die regelmäßig und auch anlassbezogen, z.B. vor längeren Fahrten, kontrolliert werden sollte", stellt Kerbl klar.

Grundsätzlich ist zwischen tatsächlich messbarer und empfundener Blendung zu unterscheiden. "Im Sinne der Verkehrssicherheit sind beide Arten gefährlich. Während der psychologische Blendeffekt jedoch eher ablenkend wirkt, sorgt die physiologische Blendung tatsächlich dafür, dass dunkle Objekte in der Nähe der Lichtquelle schlechter erkannt werden", fasst Kerbl zusammen.

Wer sich geblendet fühlt, sollte sich konzentrieren, nicht direkt in die Leuchten der voranfahrenden und entgegenkommenden Autos zu schauen. "Vor allem beim Warten an der Ampel empfiehlt es sich, bewusst am Vordermann vorbei zu blicken, wenn man das Gefühl hat, von dessen Bremslichtern geblendet zu werden", rät der ÖAMTC-Techniker abschließend.