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06.12.2018

Buchtipps: Geschichte der Wiener Straßenbahn und Erinnerungen eines Formel-1-Doyens

Die Historie der Wiener "Bim" und ein Buch über die gute alte Zeit der Formel 1.

Sie gelten oft als „das“ Beispiel für abgasfreie Mobilität – die Straßenbahnen. Doch am Beginn, um 1850, waren ihre Abgase gewaltig – da wurden die Wagen von Pferden gezogen. Aber selbst das war ein Fortschritt. Denn dank Schienen und eiserner Räder der Waggons konnten die Pferde mehr als doppelt so viele Personen befördern wie mit Kutschen – dem geringeren Rollwiderstand sei Dank. 1897 startete dann die erste elektrische Bim in Wien, nach Mödling, Gmunden und Baden.

Kurzweilig und anschaulich leitet Peter Wegenstein als Autor durch die bewegte Geschichte der Wiener Bim, samt der Exoten wie dem berühmten „5er“, Garnituren aus New York, die nach dem Krieg gebraucht gekauft wurden oder den größten Baustellen und diversen Bim-Generationen und -Linien.

 

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1955 entstand mit der Opernpassage die erste Fußgängerpassage der österreichischen Hauptstadt.

Ende der 1950er Jahre stauten sich rund um Allerheiligen am Wiener Zentralfriedhof noch die Straßenbahnen und die Autos hatten freie Fahrt

An der Endstelle der Straßenbahn in Schwechat wartet der Zug der Linie 72 auf die Abfahrt nach Wien.

Der Wagen ist einer von 42 Garnituren, die 1949 von New York gebraucht  gekauft wurden und entsprechend angepasst in Wien bis 1969 in Betrieb waren.

Peter Wegenstein: „Wege aus Eisen in den Straßen von Wien. Zur Geschichte der Wiener Straßenbahnen“ Edition Winkler-Hermaden. 124 Seiten, zahlreiche Abbildungen. 19,90 Euro.

Gute alte Zeit der Formel 1

Im zarten Alter von 79 Jahren hat Helmut Zwickl, Doyen des heimischen Motorjournalismus, wieder in die Tasten gegriffen und mit „Damals“ ein Buch über die gute alte Zeit der Formel 1 geschrieben.

Wobei: So gut war die alte Zeit mit den vielen tödlichen Unfällen in der Königsklasse des Automobilrennsports auch wieder nicht. Zwickl geht’s daher auch gar nicht darum, diese Zeit zu verherrlichen oder gar zu verharmlosen. Dem gelernten Drogisten, der als Chemiker in einer Farbenfabrik begann, längst jedoch unheilbar mit dem Rennsportvirus infiziert war, aber erst nach Jochen Rindts Sieg 1965 bei den 24 Stunden von Le Mans den Job an den Nagel hing um fortan als Auto- und Motorjournalist zu arbeiten, geht’s vielmehr in seinem 16. Buch darum, die Hintergründe der damaligen Szene samt unzähligen Geschichten, Insider-G’schichterln und Anekdoten zu erzählen. Und er macht das in seinem unnachahmlichen Stil: Wunderbar – wer nämlich die Erzählweise des in 560 GP gestählten F1-Berichterstatters – unter anderem auch für den KURIER – mitverfolgt hat, weiß bereits nach den ersten paar Sätzen, dass es sich um einen genuin-typischen Zwickl handelt.

 

Heute positioniert sich Zwickl, dem die FIA als einem von nur sechs F1-Berichterstattern einen Honorary Member-Pass auf Lebenszeit verlieh, als ebenso altersweiser wie auch scharfzüngiger F1-Kritiker, angewidert von der abgehobenen Arroganz der Teambosse, den zu Marionetten gewordenen Piloten und der oft langweiligen Renn-Action. Empfehlenswert.

DAMALS von Helmut Zwickl; 176 Seiten, gefco-Verlag, Wien; ISBN: 978-3-9503235-66; € 26,–.