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ÖAMTC
05/26/2022

Ein Club für alle Verkehrsteilnehmer

Der ÖAMTC gilt als Automobilclub. Doch das will er nicht mehr sein, nicht mehr ausschließlich jedenfalls

von Andrea Hlinka

Autofahren war lange Zeit der Inbegriff der individuellen Mobilität, doch dieses Verständnis ist obsolet. Es ist ein Wandel, den auch der ÖAMTC, der lange als Club für Autofahrerinnen und Autofahrer galt, mitmacht. Einer, der den Umbruch mitgestaltet, ist Ernst Kloboucnik, Landesdirektor des ÖAMTC Wien, Niederösterreich und Burgenland.

KURIER: 2040 will Österreich klimaneutral sein. Den einen geht es nicht schnell genug, für andere geht sich das nie aus. Wo steht der ÖAMTC hier?

Ernst Kloboucnik: Das kommt darauf an, ob wir über die Ziele oder die Wege dorthin reden. Die Ziele sind unbedingt erforderlich. Doch erreicht werden die Ziele nicht nur über die Geschwindigkeit, sondern auch über den Maßnahmenmix.

Hinken die Maßnahmen den Forderungen der Gesellschaft hinterher?

Das konnten wir bei unseren Befragungen nicht feststellen. Bei allen Entwicklungen kommen zuerst die Innovationen und dann zieht der Gesetzgeber nach. Das ist ein normaler Prozess. Nehmen Sie die Themen Mikro ÖV oder Mobility as a Service. Es gibt gesetzliche Restriktionen, man schafft einen Testrahmen, probiert Dinge aus.

E-Bike, Car-Sharing, und viele andere Entwicklungen sind keine neuen Erfindungen. Auch der ÖAMTC hat hier vieles ausprobiert. Hätte man das früher stärker forcieren müssen?

Die Digitalisierung eröffnet jetzt viel mehr Möglichkeiten als früher. Und es geht um die gesellschaftliche Akzeptanz von Themen. In den 1990er-Jahren hat man versucht, Mitfahrgelegenheiten zu etablieren. Es gab sogar eine Vermittlungszentrale, denn es gab ja noch keine Handys. Aber das wurde nicht angenommen. Wir arbeiten gerade wieder an einem Fahrgemeinschaftsprojekt, gemeinsam mit Domino Linz. Natürlich muss der Gesetzgeber vieles regulieren und möglich machen. Aber ich glaube, dass die passende Balance zwischen Anreizen und Verboten am besten wirkt. Und, dass Anreize mehr Menschen dazu bringen, ihr Verhalten zu überdenken. Weil in der täglichen Mobilität ist jeder ein Gewohnheitstier.

Welche Verantwortung hat der ÖAMTC bei der Bewusstseinsbildung?

Das richtige Maß in der Kommunikation zu finden, ist nicht leicht. Wir versuchen zu erkennen, wo unsere Mitglieder in der vollen Breite stehen. Was wir auch erkennen, ist, dass ein einmal bestehendes Image schwer wandelbar ist. Wir werden gerne zu Themen unter dem bekannten Image als Proponenten eingeladen.

Dem des Autofahrerclubs.

Ja. Es ist wahnsinnig schwierig zu vermitteln, dass man für Vielfalt steht. Wir wurden in der Vergangenheit oft auch zurecht dafür kritisiert, dass wir als ÖAMTC primär das Thema Autofahren vertreten. Diese Kritik muss man ernst nehmen.

Wie ist nun das Selbstverständnis?

Wir sehen uns als Mobilitätsclub. Das Gemeinsame steht für uns im Vordergrund. Mit der Veränderung in der Gesellschaft, nicht nur getrieben durch den Klimawandel, sondern auch durch die stärkere Urbanisierung, wo man auf geringerem Platz seine Mobilität anders organisieren muss, entwickeln wir uns wieder back to the roots, zu einem breiteren Mobilitätsclub und das umfasst alle Formen der Mobilität.

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