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Kinder allein im Straßenverkehr: Ab welchem Alter ist das erlaubt?

Ab welchem Altern dürfen Kinder ohne Erwachsene auf der Straße unterwegs sein? ARBÖ Psychologin Patricia Prunner im Interview.

von Teresa Richter-Trummer

08/19/2023, 03:00 AM

Warum ist es für viele Eltern so schwierig, ihr Kind den Schulweg alleine bewältigen zu lassen: Ist es tatsächlich im Straßenverkehr gefährlicher geworden?
Aus verkehrspsychologischer Sicht ist die Frage mit „Ja“ zu beantworten. Grundsätzlich hat sich durch die Fahrassistenten und die immer „hektischere“ Fahrhaltung der Straßenverkehr verändert. Es sind häufiger Geschwindigkeitsübertretungen, das Fahren über „Kirschgrün“ oder das Ignorieren von Fußgängern auf Fußgängerübergängen zu bemerken. Zudem sind Fahrer abgelenkt durch das Handy und richten ihre Augen immer häufiger nicht auf die Straße, sondern verlassen sich auf die Assistenten. Das macht es Eltern schwer, besonders die Kleinsten allein in die Schule zu schicken. Besonders in den städtischen Bereichen, wo Druck und Hektik im Morgenverkehr deutlicher als am Land zu spüren ist, wären daher verstärkte Präventionskampagnen und Schülerlotsen ein wichtiges Hilfsmittel zur Erhöhung der Sicherheit und würde die elterliche Vorbereitung auf den Schulweg unterstützen.
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Thema Handy: Immer wieder sieht man Kinder - aber auch Eltern - als Fußgänger oder sogar am Fahrrad mit dem Handy in der Hand. Wie gefährlich ist das im Straßenverkehr? Wie wichtig ist es, auch diesbezüglich Regeln zu vereinbaren?
Das Handy ist im Straßenverkehr ein großes, uns alle betreffendes Problem. Es wäre daher wichtig zum einen Kinder darauf zu schulen, auf Blickkontakt zur Fahrerin zu achten, bevor sie einen Schutzweg überqueren, zum anderen die Nutzung von Spielen, Chatten und Co während den Schulzeiten, und natürlich auch dem Schulweg, auf die Notfallkontakte zu beschränken.

Generell sollte es auch bei Fahrschulen, Präventionsprogrammen und Fahrsicherheitstrainings vermehrt Fokus auf die immer intensivere und häufigere Handynutzung am Steuer gelenkt, sowie deren verheerende Auswirkung auf unsere Sicherheit als Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer.

"Komm, da gehen wir noch schnell drüber": Nicht immer sind Eltern gute Vorbilder, vor allem wenn es eilig ist. Wie schädlich ist das?
Grundsätzlich gilt hier das Prinzip: Nicht perfekt sein,aber so gut wie möglich. Es ist wichtig, dass Eltern ihren Kindern ein gutes Vorbild sind. Wenn Eltern sich auf deren Vorbildwirkung konzentrieren, legen sie selbst auch wieder mehr Wert auf deren Sicherheit – was wiederum ein positiver Dominoeffekt wäre.
Eine Gefahrenstelle sind auch die "Eltern Taxis", die die Kinder bis zur Schule bringen, parken und reversieren. Wie kann man hier vorbeugen, was muss man den eigenen Kindern mitgeben, damit sie mit dieser Situation umgehen können?
Es gibt vor vielen Schulen eine sogenannte „Kiss-and-Good-Bye-Zone“. Diese sollte in einer guten Distanz zur Schule sein. Damit kann das Kind den Rest des Wegs allein oder mit Klassenkameradinnen zurücklegen. Generell gilt für Eltern auch die Verabschiedungssituationen so gut wie möglich zu besprechen, zu trainieren und sich die Zeit zu nehmen gut stehen zu bleiben: Also Ausstiegsseite zum Gehsteig und ordentlich parken. Damit die Situation nicht stressig und damit fehleranfällig wird, sollte auch genug Zeit dafür eingeplant werden.
Wie wichtig ist es auch für Kinder, dass sie früh lernen, sich im Verkehr richtig und vorsichtig zu verhalten? Wie viel kann man Ihnen hier zutrauen?
Je früher man beginnt, dest besser. Achten sollten Eltern aber darauf, dass es kindgerecht bleibt. Zu früh zu viel führt schnell zu einer Überforderung. Wenn ich einem zwei- bis dreijährigen Kind erkläre, es muss immer schauen bevor es über eine Kreuzung geht, heißt es nicht, dass es allein gehen kann. Ab der Vorschule kann man beginnen, einzelne Verkehrssituadonen die später für den Schulweg wichdg werden zu trainieren und gegen Ende der Vorschulzeit auch allein zu erproben. Vorher kann man alles zeigen, immer erklären und mit gutem Beispiel voran gehen, aber nicht erwarten, dass das Kind selbstständig in der Lage ist Verkehrssituadonen, Geschwindigkeiten oder Gefahren abzuschätzen.

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