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Verkehrswende
01/25/2022

Öffi statt Auto: Wie man sein Verhalten ändert

Dass es eine Verkehrswende braucht, ist unbestritten. Jetzt bleibt die Frage: Wie verändern wir unser Mobilitätsverhalten?

von Andrea Hlinka

Zwei der größten privaten Kindergartenbetreiberinnen Wiens, KIWI – Kinder in Wien und die St. Nikolausstiftung, ließen am Mittwoch vor einer Woche wissen: Das geplante flächendeckende Parkpickerl in Wien würde den Fachkräftemangel befeuern. Denn vielen Mitarbeitenden sei die Anreise aus den angrenzenden Bundesländern ohne Auto leider nicht möglich. Sie würde Stunden in Anspruch nehmen. Die Forderung: „Wer einen systemrelevanten Beruf ausübt – wie die Mitarbeitenden in elementarpädagogischen Einrichtungen – soll das Recht haben, auch ohne Hauptwohnsitz in Wien das Parkpickerl beantragen zu können.“

Das ist wohl nicht das Ziel, das man mit dem Parkpickerl erreichen wollte. Wie Angela Köppl, Ökonomin im Bereich Energie und Klima am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), erklärt: „Das Parkpickerl soll als eine Maßnahme in der Verkehrsplanung die Knappheit von Parkraum entschärfen und auch Aufmerksamkeit darauf lenken, wie man mit öffentlichem Raum umgeht. Das Abstellen von Fahrzeugen nimmt öffentlichen Raum in Anspruch und dafür muss man einen Beitrag zahlen“, sagt sie.

Doch der Mensch habe das Bedürfnis, mobil zu sein. Und wenn mit unterschiedlichen Maßnahmen der Individualverkehr zurückgedrängt werden soll, müsse man Alternativen bereitstellen, sagt Wissenschafterin Köppl. Dafür reicht das Parkpickerl offenkundig nicht aus. Menschen ändern ihr Verhalten nur äußerst ungern, selbst, wenn sie im Stau stehen und das die Nerven strapaziert. Selbst, wenn durch Zugfahren die Umwelt geschont würde. Selbst, wenn Fahrradfahren gesünder wäre. Der Mensch ist komplexer, bequemer, bleibt lieber beim Alten, wenn nicht gewiss ist, dass sein Leben durch die Veränderung direkt verbessert wird.

Willen und Alternativen

Dass es eine Verkehrswende braucht, ist unbestritten. „Wir wissen von der Emissionsbilanz, dass der Verkehrsbereich ein großes Problem ist“, sagt Köppl. Doch um das Mobilitätsverhalten zu ändern, braucht es mehr als einen Hebel. Das Zentrum für Mobilitätsverhaltensänderung unterstützt Gemeinden dabei, diese zu identifizieren und Maßnahmen zu definieren. Geleitet wird es von Markus Mailer an der Universität Innsbruck: „Es braucht die Motivation, die Fähigkeit und die Möglichkeit, sein Verhalten zu verändern.“ Im Fall des Fahrrads würde das so aussehen: „Das Motiv kann sein, dass ich Fahrrad fahre, um gesünder zu sein, oder weil es gesellschaftlich angesagt ist. Dann brauche ich die Fähigkeit, ich muss also Fahrrad fahren können. Wenn ich es will und kann, dann muss noch die Gelegenheit stimmen, der Radweg muss also gut ausgebaut und geräumt sein“, so Mailer. Knifflig sei, dass man den Menschen an jedem Punkt wieder verlieren könne. Wenn die Kindergartenpädagogin bis zu einem Sammelparkplatz mit dem eigenen Pkw fahren würde, dort allerdings keine überdachte oder gut ausgeleuchtete Busstation vorfände, der Bus nicht pünktlich wäre oder sie sich unsicher fühlen würde, ist die Wahrscheinlichkeit der Verhaltensveränderung gering. „Ich muss es positiv erleben, dann werde ich es auch annehmen“, sagt Mailer. Motivationskampagnen und Maßnahmen zur Erhöhung der Fähigkeiten und die massive Verbesserung der Gelegenheiten seien wichtig, um das Mobilitätsverhalten zu ändern. „An die einzelnen Menschen zu appellieren, reicht definitiv nicht“, so der Experte.

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