© Continental

Technik
02/03/2022

Continental und steirisches Startup entwickeln neues Ladesystem

Der smarte Laderoboter für Elektroautos soll 2024 zu kaufen sein.

von Michael Andrusio

Continentals Entwicklungs- und Produktionsdienstleister Continental Engineering Services (CES) hat sich mit dem Startup-Unternehmen Volterio aus der Steiermark zusammengetan, um die Entwicklung eines von Volterio erdachten Ladesystems voranzutreiben. Konkret geht es um einen intelligenten Laderoboter, der das Stromtanken künftig deutlich einfacher und komfortabler machen soll. Beide Unternehmen hatten zuvor parallel und unabhängig voneinander an ähnlichen Laderoboter-Lösungen geforscht.

"Mit Continental haben wir den perfekten Partner an der Seite, um unsere automatisierte Ladetechnologie zu industrialisieren und in einem wachsenden Markt erfolgreich zu sein“, erklärt Christian Flechl, Geschäftsführer bei Volterio. „Continental verfügt über entsprechende Produktionskapazitäten und Skalierungsmöglichkeiten.“

Die vollautomatische Lade-Lösung besteht aus zwei Komponenten: einer Einheit am Unterboden des Fahrzeugs sowie einer auf dem Garagenboden platzierten Einheit. Sobald das Auto geparkt ist, verbinden sich beide Komponenten über eine smarte Automatik, die unter anderem via Ultra-Breitband gesteuert wird – Ultra-Breitband ist eine funkbasierte Kommunikationstechnologie zur Datenübertragung im Nahbereich. Ein alltagstauglicher Vorteil dabei: Das Auto muss nicht akkurat geparkt werden. Der Laderoboter korrigiert bis zu 30 Zentimeter Abweichung von der idealen Parkposition. Dazu ist es unerheblich, in welchem Winkel ein Fahrzeug im Verhältnis zur Boden-Unit positioniert wird. Eine kegelförmige Gestaltung der physischen Steckverbindung zwischen Boden- und Fahrzeugeinheit erlaubt jede Positionierungs-Ausrichtung im vollen 360-Grad-Radius.

Die neue Technologie bietet viele Vorzüge. So fließt die Energie etwa genau wie bei üblichen Ladestationen über eine physische Verbindung. Der Vorteil: Beim Energie-Tanken mit dem Laderoboter geht – im Gegensatz zum kabellosen induktiven Laden über ein Magnetfeld – kaum Energie verloren. Damit ist diese Lösung besonders nachhaltig und ressourcenschonend. Das Laden mithilfe der Robotertechnologie ist zudem auch sehr komfortabel. Denn anders als bei Ladestationen müssen Nutzer sich um nichts mehr kümmern, also auch nicht in engen Garagen mit eventuell verunreinigten oder regennassen Ladekabeln hantieren. Der Ladevorgang läuft komplett automatisch. Weiterhin sorgt die Kommunikation zwischen Boden- und Fahrzeugeinheit über Ultra-Breitband für eine zentimetergenaue Annäherung von Fahrzeug und Laderoboter – der Nutzer darf also relativ leger einparken, die Technologie verzeiht Abweichungen. Das System ist zudem unkompliziert und schnell zu installieren. Die Bodeneinheit etwa kann einfach auf den Garagenboden gelegt oder dort verschraubt werden. Die Technologie bietet schon heute das, was künftig essenziell sein wird: Wenn Fahrzeuge vollautomatisch fahren und auch in Parkhäusern selbständig einparken, werden automatisierte Lade-Lösungen zum automobilen Alltag gehören.

Die innovative Lade-Lösung wird zunächst für den Einsatz in Privathaushalten bereitgestellt mit  einer passenden Leistung von 22 kW Wechselstrom. Die Lösung ist „retrofit“, das heißt, sie lässt sich auch in bestehenden Modell-Varianten von Fahrzeugen nachrüsten. In einem zweiten Schritt wird eine im Boden versenkbare Schnelllade-Lösung für den öffentlichen Raum entwickelt, die zum Beispiel in Parkhäusern, Tankstellen oder auf Betriebsflächen mit einer Ladeleistung von mehr als 50 kW Gleichstrom zum Einsatz kommt. Dazu gehören auch entsprechende Varianten für das Flottenmanagement von zum Beispiel Nutzfahrzeugen.

Bis Mitte 2022 will man erste seriennahe Systeme des gemeinsam konzipierten Laderoboters entwickeln. Die Serienfertigung des Systems ist für das Jahr 2024 geplant und wird in Deutschland erfolgen.

Kommentare