Technik
01.04.2018

Goodyears funkende Reifen

Der Automobilitätsmarkt ändert sich, mit ihm auch die Reifen.

Zeit ist Geld. Seit jeher sind Frächter und Fuhrparkbetreiber Pioniere bei Technologien, mit denen die Stehzeiten der Fahrzeuge gesenkt und so die Gewinne der Unternehmen erhöht werden können. Das wird trotz geänderter Mobilitätsformen auch so bleiben. Auch bleibt der Reifen weiterhin der einzige direkte Kontakt zwischen Fahrzeug und Fahrbahn.

Eine dieser Technologien ist der neue intelligente Reifen von Goodyear. Er sorgt für eine permanente Funkverbindung mit einer Cloud (Großrechner), mit der wichtige Infos über den Reifenzustand (Füllstatus, Abnützung) in Echtzeit oder bereits drei bis vier Wochen im Voraus über einen anstehenden Reifenwechsel den Flottenmanagern übermittelt werden können, so Etienne Besnoin, Projektleiter. Er nahm die Autorin anlässlich des Autosalons in Genf auf eine Testfahrt mit.

-Vorreiter Bei Lkw sei das moderne Reifeninformationssystem bereits seit eineinhalb Jahren in Serie. Nun will Goodyear Pkw-Hersteller von der neuen Technologie überzeugen. Hier rechnet Etienne Besnoin bis 2020 mit der praktischen Umsetzung.

Im Testbetrieb sind Autos damit bereits unterwegs, unter anderem eine Tesla-Flotte in Europa, womit Goodyear Erfahrungen mit zwei großen Zukunftstechnologien im Auto sammeln kann, die auch die Gestaltung der Reifen stark verändern werden: mit dem Elektroantrieb und dem automatisierten Fahren. „E-Autos etwa haben deutlich höhere Drehmomente als Autos mit Verbrennungsmotoren, was sich naturgemäß auf die Abnützung der Reifen auswirkt. Zudem kann der optimale Reifendruck die Reichweite von E-Autos deutlich erhöhen“, meint Besnoin.

 

Autonome Autos werden, so der Projektleiter, insgesamt sanfter unterwegs sein als der heutige durchschnittliche Autofahrer, aber die Autos werden sehr viele Mikrobremsungen durchführen, die die Passagiere gar nicht bemerken, die Reifen aber stark betreffen. Gleichzeitig ist gerade für autonome Autos wichtig, dass sie nicht durch einen kaputten Reifen irgendwo mit einem Passagier an Bord liegen bleiben, vor allem, wenn es sich um gefährliche Gegenden handelt, so Besnoin.

-Technik Mit dem neuen Reifeninformationssystem stellt Goodyear einen Lösungsansatz vor. Es basiert auf drei Datenquellen: Ein Sensor im Reifen misst Temperatur und Druck des Reifens. Dazu kommen Daten aus dem Auto etwa über Beschleunigung und Drehmoment. Der dritte Beitrag kommt von „außen“, etwa Wetterdiensten und Infrastruktur. Besnoin: „Zudem haben wir als Reifenhersteller seit Jahrzehnten viele Daten über jeden einzelnen Reifen, den wir entwickeln, wissen also sehr viel über Abnützung und Lebensdauer.“

Dies alles fließt in Algorithmen, die daraus wichtige Informationen z.B. für Flottenmanager liefern: Wenn etwa ein Reifen beschädigt ist und erneuert gehört oder für die anstehende Reise überhaupt andere Reifen zu montieren sind.Dabei soll der Flottenmanager nicht mit Daten überflutet werden, sondern nur das Wesentliche mitgeteilt bekommen (siehe Grafik) . Wozu auch gehört, wo und wann die Reifen am besten zu wechseln sind, damit die Stehzeiten und Umwege möglichst gering sind. In Zukunft soll dieser Informationsfluss automatisiert werden, also ein Werkstättenbesuch bei Bedarf gleich automatisch reserviert werden. Grundsätzlich soll der Flottenmanager weiterhin entscheiden können, ob er die Empfehlung annimmt oder nicht.

 

-Haltbarkeit Die Lebensdauer des Sensors sei auf die Lebensdauer eines Reifens ausgelegt. Über die Kosten des Systems wollte Besnoin noch nichts Genaues sagen, aber Flottenmanager könnten dadurch einiges einsparen. Es sei selbstlernend.

-Einbau Laut Besnoin verfolgt Good year zwei Ansätze: Entweder das System bereits beim Autohersteller in der Erstausrüstung samt Reifen einzubauen oder als Nachrüstset Flottenbetreibern anzubieten. Ähnlich wie bei Lkw funktioniere das System auch mit einer Telematikbox. Für die Nachrüstung benötigen die Werkstätten entsprechende Ausrüstungen.

Goodyear will immer das Komplettpaket anbieten, Reifen und Sensor und nicht den Sensor allein, damit nicht durch einen Fehler beim Einbau des Sensors das Auto etwa mit Sommerreifen unterwegs ist, der Algorithmus aber von Winterreifen aus geht.

-Zusatznutzen Laut Besnoin kann das System auch für Fahrzeug-Fahrzeug-Kommunikation oder Fahrzeug-Infrastruktur-Kommunikation eingesetzt werden, um etwa nachfolgende Fahrzeuge vor Eis zu warnen.