Technik
08.05.2018

Neue Motoren: Weltpremieren in Wien

© Bild: WERK/VW

VW und Bosch stellten auf dem Motorensymposium die spektakulärsten Neuerungen vor.

Im Rahmen des Internationalen Wiener Motorensymposiums, „einem der weltweit wichtigsten Kongresse zur Kraftfahrzeugtechnik der Gegenwart und Zukunft“, so VW, präsentierte der Wolfsburger Konzern seine wichtigsten Neuentwicklungen auf dem Gebiet der Antriebstechnik. Darunter den neuen 2-Liter-TDI als Weltpremiere. „Dieser Motor zeigt das Potenzial der Diesel bei VW“, so Markus Köhne, der den Motor auf dem Motorensymposium vorstellte.

Der neue Saubermann

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Der neue, intern „EA288 evo“ genannte TDI baut auf dem bisherigen Zweiliterdiesel auf, ist aber um bis zu 10 g/km sparsamer (0,4 l/100 km), bereits für das ab 09/2019 geltende Abgaslimit 6d vorbereitet, zählt somit zu den laut VW saubersten Dieselmotoren der Welt und wird in einem Leistungsspektrum von 100 bis 150 kW (136 bis 204 PS) zuerst im Längsbaukasten des Konzerns, bei Audi, als milder Hybrid eingesetzt werden. Später folgen Konzernfahrzeuge mit quer eingebautem Motor. Bis 2021 soll er dort die bisherige Dieselgeneration komplett ersetzen.

Im Lastenheft stand etwa das Ziel von mehr PS und Nm bei gleichzeitig geringerem Verbrauch und Erfüllung strengster Abgasnormen.Der neue TDI wartet mit mehreren technischen Gustostückln auf:

Der Einspritzdruck wurde auf 2200 bar erhöht.

Neu ist ein Riemenstartergenerator, der trotz 12-Volt-Bordspannung eine leichte Hybridisierung erlaubt, was z.B. Komfortstarts, Segeln und eine elektrische Unterstützung beim Beschleunigen sowie eine viel bessere Rekuperation der Bremsenergie (bis zu 5 kW) zusammen mit einer Lithium-Ionen-Batterie ermöglicht.

Neu sind auch die Stahlkolben für die kleineren Leistungsklassen, die für einen besseren thermischen Wirkungsgrad sorgen (für die Topversionen bleiben die Alukolben).

Dank des verbesserten Abgasturboladers und des neuen elektrischen Stellers wurden die Rohemissionen deutlich gesenkt, ebenso durch den neuen Zylinderkopf.

Die Abgasnachbehandlung generell wurde sehr aufwendig gestaltet mit deutlich größeren Nachbehandlungssystemen: z.B. der SCR-beschichtete Rußfilter ist nun mit 5,2 l um 25 % größer, der Adblue-Mischer (Harnstofflösung für den SCR-Entstickungskat) arbeitet zweistufig, der zweite SCR-Entstickungskat im Unterboden wuchs von 1,5 auf 2 l Volumen.

Weniger Vielfalt

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Statt bisher drei Hubraumgrößen und drei Brennverfahren verfügt der neue TDI nur mehr über einen Hubraum mit relativ großem Hubvolumen (0,5 l) pro Zylinder. Er wiegt um mehr als 20 kg weniger als der bisherige 2-l-TDI, vor allem dank des neuen Alu-Zylinderkurbelgehäuses.

Mit dem neuen 2-l-TDI entfallen künftig die 1,4 l und 1,6 l TDI, so Köhne. Dank Hybridisierung (Elektrifizierung) könne er jedoch künftig auch Sechszylinder-Motoren ersetzen.

-Vorgabe

„Wir werden das 95 g/km -Ziel der EU schaffen“, gab sich Kurt Blumenröder, VW Aggregat-Chefentwickler, in Wien überzeugt. Auch wenn bis 2020, wenn das Ziel fällig wird, nicht mehr viel Zeit bleibt. Derzeit beträgt das Flottenmittel der Marke VW 116 g/km .

Unter anderem dank des neuen Dieselmotors erwartet Blumenröder „eine kleine Renaissance“ des Selbstzünders. Ähnlich wie Bosch sehe auch VW den „ Diesel als Teil der Zukunft“.

Bosch stellte auf dem Motorensymposium ebenfalls ein Dieselkonzept vor, das künftige Abgasnormen locker schafft und anders als bei VW nur bereits bei Dieselmotoren eingesetzte Komponenten umfasst.

Und was passiert, falls weder die Renaissance des Diesel noch die ebenfalls für das -Ziel nötigen Batterie-elektrischen Fahrzeuge von Kunden in entsprechendem Ausmaß gekauft werden: „Dann haben wir Autohersteller ein Riesenproblem.“ Und damit auch die Zulieferer.

Die Sanktion pro g/km über dem Limit ist von der EU mit 95 €/Pkw vorgesehen.