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Technik
05/26/2019

Toyota-Supra Chefingenieur: Wie die Zusammenarbeit mit BMW lief

Der neue Toyota Supra teilt sich die Gene mit dem Z4 von BMW und wird in Graz gebaut. Der Chefingenieur plaudert dazu aus dem Nähkästchen.

von Michael Andrusio

Der Anruf erreichte Tetsuya Tada just bei der Pressepräsentation eines anderen Toyota-Sportwagens, des GT86. Ihm wurde mitgeteilt, er solle ich sogleich in ein Flugzeug setzen und nach München fliegen, wo nette Herren von BMW ihn in Empfang nehmen würden. Er solle vorfühlen, ob ein gemeinsames Projekt von Toyota und BMW möglich sei. Als er in Japan rapportierte, dass dies wohl denkbar sei, wurde er auch gleich von seinem Chef für das Projekt verpflichtet. Dass man mit BMW zusammenkam, hatte freilich gute Gründe. Die Toyota-Leute wurden zum einen permanent gelöchert, wann denn ein Nachfolger für den Supra auf den Markt kommen würde. Und zum anderen war BMW der einzige Hersteller, der einen potenten Reihensechszylinder im Portfolio hatte. Und für einen neuen Supra kam nur ein Reihensechszylinder in Frage.

Der Umstand, dass Toyota einen echten Sportwagen machen wollte, ließ die Gespräche eher schwierig anlaufen. Grund dafür war der damalige Widerpart bei BMW, Herbert Diess (heute Boss von VW), erinnert sich Tada San. Diess verwies auf ein schwieriges Umfeld für Sportwagen und brachte sogar Dinge wie einen "Eco-Sportwagen" aufs Tableau. Nach 1,5 Jahren zähen Verhandlungen war Diess weg und mit  Klaus Fröhlich hatten die Japaner einen neuen Gesprächspartner. Mit dem war man sich schnell einig, dass Toyota ein Coupe bauen würde und BMW den Nachfolger für den Z4. Ein Benchmark war auch rasch ausgemacht: das Produkt aus der BMW/Toyota-Allianz musste den Cayman/Boxster von Porsche schlagen.

Kleiner Haken: Es gab keine taugliche Plattform für das joint-venture und man machte sich Sorgen wegen des geplanten kurzen Radstands des Autos, den aber die Toyota-Entwickler haben wollten. So bastelte man auf Basis eines 2er-BMW einen Prototypen, den man so modifizierte, dass er in Sachen Gewichtsverteilung und Schwerpunkt weitgehend dem geplanten Sportwagen entsprach. So kamen die Japaner und die Deutschen zu einer gemeinsamen Plattform, ab dann wurden die Entwicklungsteams gesplittet, betont Tada. Jedes Team hatte seinen eigenen Cheftestfahrer, der das Auto entsprechend abstimmte. Fahrwerk, Lenkung, Hinterachsdifferential und auch viele Softwarekomponenten für die Steuerelektronik des Supra kommen von Toyota. Man hatte somit freie Hand bei der Abstimmung des Sportwagens. Sogar die Steifigkeit konnte man nach eigenen Vorstellungen bestimmen, erklärt Tetsuya Tada.

Produziert werden sowohl BMW Z4 als auch Toyota Supra bei Magna Steyr in Graz, wobei Tada anmerkt, dass nur Magna Steyr in der Lage war, den markanten hinteren Kotflügel des Supra in Form zu pressen.

Jedenfalls habe man während der gemeinsamen Entwicklung viel gelernt, sagt uns Tada. Durch Kooperationen mit anderen können Firmen auf neues, höheres Level gehoben werden. Viele japanische Firmen hätten in der Vergangenheit viel "inhouse" entwickelt und das ist ihnen auf Dauer nicht gut bekommen, so der Toyota-Entwickler.