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Technik
05/25/2019

Wiener Motorensymposium: Im Duett zum Sparziel

Die nächste Hybridisierungswelle ist im Anrollen.

Das sonst übliche strahlende Frühlingswetter stellte sich beim heurigen, 40. Internationalen Wiener Motorensymposium erst mit einiger Verspätung ein. Auch im Innern der Hofburg, wo das Treffen hochrangiger Antriebsexperten und Top-Automanager traditionell stattfindet, war einiges anders. Geblieben ist das Etikett „Ausgebucht“.

Dass die Autoindustrie nicht mehr vor ihrem bislang größten Umbruch, sondern mittlerweile laut Mitorganisator Prof. Bernhard Geringer „mittendrin“ ist, zeigt auch der Umstand, dass erstmals mehr Vorträge über elektrische oder teilelektrische Antriebe gehalten wurden als über die bisher dominierenden Verbrennungsmotoren.

Die Autohersteller bekannten sich nachdrücklich zu den Zielen der UN-Klimakonferenz in Paris 2015. Allen voran der weltweit größte Autohersteller, VW, der, so Markenvorstand Frank Welsch in seiner Rede, allein für 1 % des weltweiten Treibhausgasausstoßes sorge. Insgesamt stehe der Verkehr für 14 % der globalen CO2-Emissionen. Bis 2050 will VW seine gesamte Fahrzeugflotte mit CO2-neutralem Betrieb anbieten.

Um die CO2-Ziele der EU zu erreichen, braucht es jedoch auch kurzfristige Ansätze zur CO2-Reduktion. Eine Hauptrolle spielt dabei die Hybridisierung. Auf dem Symposium wurde das breite Spektrum gezeigt, das Kunden zur Verfügung steht. Während Toyota laut Keiji Kaita sein Vollhybridprogramm, das mit dem Prius 1997 startete, weiter ausbauen und 2020 in Europa einen 50 % Hybridanteil bei seinen Neuzulassungen erreichen will (Ende 2018: 45 %), zeigten deutsche Hersteller zwei andere Varianten.

- VW Michael Zillmer von VW stellt mit einem 48-V-Mildhybrid den kostengünstigen Einstieg in die Hybrid-Klasse vor. Er soll heuer mit der achten Generation des Golf starten und mehr können als der 12-V-Mikrohybrid, der 2018 im aktuellen Golf Blue Motion vorgestellt wurde.

Das 48-V-System ergänzt das 12-V-Bordnetz, ist laut Zillmer von den Komponenten her (Riemenstartergenerator, 0,25 kWh-Lithium-Speicherbatterie) relativ einfach und somit kostengünstig in den Antrieb zu integrieren und bringe im Alltagsverkehr eine Spriteinsparung von rund 0,4 l/100 km.

Als Erstes wird das System mit den TSI-Motoren (1,0 Drei- und 1,5 Vierzylinder-Benziner) sowie Doppelkupplungsgetriebe kombiniert, später soll es auch für TDI und den 2,0 TSI kommen und so auch für größere Modelle (SUV, Vans). Derzeit wird das 48-V-System vorrangig zum Spritsparen und mehr Komfort etwa bei Start/Stopp eingesetzt, später seien aber auch elektrische Verdichter oder beheizte Kats damit möglich, so Zillmer.

48-V-Systeme wurden auf dem Symposium nicht nur von VW, sondern auch von Mercedes, Hyundai/Kia, Volvo und den Zulieferern Bosch und Conti als wichtiger Energiespar-Baustein genannt.

- Mercedes Laut Tobias Gödecke sei die neue, 3. Plug-in-Hybrid-Generation („EQ Power“) sowohl für SUV (z. B. GLC, GLE) wie für Kompaktautos vorgesehen und schaffe dank verbesserter Batteriezellen eine elektrische Reichweite von bis zu 100 km in SUV, in der Kompaktklasse von rund 60 km. Wie viele kWh die verbesserten Batterien schaffen, verriet er nicht. Als Getriebe kommt für SUV die 9-Gang-Automatik, in der Kompaktklasse ein neues 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe mit integrierter E-Maschine.

- BMW Stefan Juraschek stellte die Plug-in-Hybridmodelle für den X5 sowie den 7er-BMW vor, beide starten 2019. Sie kombinieren einen 6-Zylinder-Benziner mit E-Antrieb und 8-Gang-Automatik. Einen Plug-in-Hybrid mit Dieselmotor plant BMW laut Juraschek nicht.

Die neue Generation der Plug-in-Hybride bei BMW ersetzt die bisherigen 4-Zylinder-Benziner durch 6-Zylinder, was den Spritverbrauch senke, auch die Batteriekapazität wurde erhöht. Die von BMW bevorzugte E-Reichweite für Plug-in-Hybride reicht von 50 bis 150 km (jene für Batterie-elektrische Modelle von 300 bis 500 km), technisch ist auch mehr möglich. Der 330e erhält laut Juraschek als Plug-in-Hybrid eine Boost-Funktion, die kurzfristig die Systemleistung um 30 kW/41 PS erhöhe.

Mehr über Symposium-Schwerpunkte demnächst im Motor-KURIER und auf motor.at.