© Daniel Schubert

Tests
08/05/2019

Audi A1 als 30 TFSI im Test

Der kleinste Ringträger hört seit 2010 auf den Namen Audi A1. Letztes Jahr stand beim niedlichen Ingolstädter ein Modellwechsel an. Jetzt ist er nicht mehr so putzig.

Nach dem zukunftsweisenden Projekt Audi A2 (1999 bis 2005), welches seiner Zeit voraus war und daher keine Fortsetzung erfuhr, wagte sich der deutsche Premiumhersteller vor nunmehr neun Jahren neuerlich aufs Parkett der Kleinwagen: der A1 war geboren. Putzig, rundlich und süß stand er auf den Rädern. Damit ist jetzt Schluss, denn die nachfolgende Generation wurde deutlich nachgeschärft. Mehr Kante, weniger Rundung. Das Antlitz wirkt männlicher, da die Scheinwerfer mit Lidstrich weichen mussten. Die drei waagrechten Schlitze zwischen Kühlergrill und Motorhaube sollen an den Audi Sport Quattro aus den 80ern erinnern. Auch das Heck wirkt nicht mehr pummelig, sondern breit. Kurz gesagt: Der Testwagen gefiel ohne Ausnahme jedem Passagier. Die Außenfarbe allerdings (Turboblau) stieß nicht bei allen auf Gegenliebe. Die Schlumpfigkeit, welche der Unilack versprüht, passte aber ganz gut zu Charakter des kleinen Wendigen.

Dringt man ins Innere des Schlumpfaudis vor, erlebt man eine doppelte Überraschung: Einerseits wirkt der Arbeitsplatz audihaft – will sagen man spürt, dass es sich um ein Premiumprodukt handelt. Andererseits glaubt man kaum wie gut die umfangreiche Anwendung von billigstem Hartplastik kaschiert wurde. An den neuralgischen Stellen findet man weiche, angenehme Materialien. Dort wo es offen gestanden nicht  notwendig ist, wurde darauf auch konsequent verzichtet. Die horizontale Zierleiste am Armaturenträger besteht aus Hartplastik, wurde durch eine Prägung im Wabenmuster aber sowohl optisch als auch haptisch massiv aufgewertet. Die feschen Sitze im schwarzweißen Muster sind optional, bequem und können nicht verbergen, dass ein Kleinwagen nicht in erster Linie für die Langstrecke gebaut ist. Auf dem Weg nach Grado war eine Pause nach drei Stunden herzlich willkommen, aber die sollte man sowieso machen. Dennoch war der Rücken bei Ankunft schmerzfrei und es lag möglicherweise auch daran, dass vier Personen mit kleinem Gepäck beteiligt waren. Das bringt einen Kleinwagen an seine natürlichen Grenzen.

Technisch gesehen handelte es sich beim Testwagen um den Audi A1 30 TFSI. Die Interessierten in Familie und Freundeskreis ließen sich wie so viele andere durch Audis neue Typenbezeichnungen irre führen und dachten es handle sich um eine Schlumpfrakete mit einem 3-l-Benziner. Leider war dem nicht so, was aber keinerlei Tränenströme auslöste, da auch der zweitkleinste Motor (3-Zylinder-Benziner mit einem Liter Hubraum) 116 PS aus seinen drei Seiterln generiert. Das ist für einen Wagen wie den A1 ausreichend – natürlich stiege der Spaßfaktor mit dem 150-PS-Benziner, aber notwendig ist der nicht. Das sportlich abgestimmte Fahrwerk macht in jeder Kurve Freude und schickt abgesehen von Querfugen und schlecht verlegten Kanaldeckeln wenig Unangenehmes and die Bandscheiben weiter. Das wunderbare 6-Gang-Getriebe zum selber Umrühren lässt die Gänge rasch und eindeutig durch die Schaltgassen flutschen und da der 6.Gang erfreulich lange übersetzt ist, bleiben sowohl Geräuschkulisse als auch Verbrauch auf der Autobahn im Rahmen.

Das Infotainmentsystem sucht Seinesgleichen: Einfach, selbsterklärend und im Testzeitraum absolut fehlerlos funktionierten Telefonverbindung, Musikstreaming und AndroidAuto. Letzteres war auch notwendig, da dem Testwagen leider kein Navigationsgerät vergönnt war. Diese Tatsache machte das für die Navigation hervorragend geeignete volldigitale Display obsolet, da es nur mit fix verbautem Navi nicht aber mit Spiegelung des Smartphones funktioniert. Ein ehrliches und herzliches Dankeschön sei für den klassischen Drehdrückregler für die Lautstärke ausgesprochen. Eine Kleinigkeit, die jedoch den Alltag mit dem Radio um vieles schöner macht.

Und damit wären wir beim größten Kritikpunkt am kleinen Ingolstädter angekommen: Das Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein Kleinwagen mit einem Listenpreis von 34.000 € sollte gefühlsmäßig von Haus aus mit Komfort punkten wie einer Rückfahrkamera, einem schlüssellosen Zugangs- und Startsystem sowie einem Startknopf ausgestattet sein. Ist alles selbstverständlich erhältlich, kostet aber nochmals 874 € und sollte wahrlich nicht fehlen, da es sonst am Premiumimage kratzt.

Zusammengefasst kann man sagen, dass der kleine Audi in jeder Hinsicht schöner und besser geworden ist als sein Vorgänger. Wer sich um einen Kleinwagen im Premiumsegment umschaut, wird sich auch am Preis nicht stören – ein Mini ist auch um nichts günstiger.

Antrieb: Reihen-3-Zylinder-Ottomotor mit Benzindirekteinspritzung und Abgasturboaufladung

Hubraum: 999 cm3

116 PS/85 kW

max. Drehmoment 200 Nm bei 2.000 - 3.500 U/min

Frontantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe; Abgasnorm Euro 6d temp.

Fahrleistungen: 0-100 km/h in 9,5 sec, Spitze 203 km/h

Fahrwerk: Einzelradaufhängung vorne mit McPherson-Federbeinachse, hinten Verbundlenkerachse, Diagonal-2-Kreis Bremssystem mit Bremskraftverstärker, 4 Scheibenbremsen (vorne innenbelüftet), hydraulischer Bremsassistent, ABS, ESC, Elektromechanische Lenkung mit geschwindigkeitsabhängiger Servounterstützung.

Abmessungen: Länge x Breite x Höhe 4029 x 1940 x 1409 mm; Radstand: 2563 mm

Kofferraum: 335 Liter

Zuladung: 465 kg/Gesamtgewicht: 1655 kg

Normverbrauch: 4,8 l/100km CO2 108g/km; Testverbrauch: 6,1 Liter /100 km

Preis: 25.660 €/Preis Testwagen: 34.033 €