© Michael Andrusio

Dauertest
12/30/2019

Audi Q3: Diesel-Alternative im Dauertest

Schlussbilanz nach 20.000 Kilometern mit dem kompakten Premium-SUV.

von Horst Bauer

Dass es Audi zuletzt nicht leicht hatte, zeigt der Rückfall in der Zulassungsstatistik. Von der Urheberschaft der Diesel-Affäre bis zu einer Modellpolitik, die sich zu sehr auf alte Erfolge verlassen hat, wird den Ingolstädtern einiges angelastet, was die neue Führung jetzt ausbügeln soll.

An der puren Qualität der Autos kann der Einbruch nicht gelegen haben. Zumindest wenn man nach den Erfahrungen mit dem Dauertest-Kandidaten geht. Der Q3 mit dem Zweiliter-Benziner unter der Haube absolvierte die 20.000 km komprimiert in einem halben Jahr und zeigte danach weder technisch noch im gediegenen Passagierraum Abnützungserscheinungen.

Einzig die Bord-Elektronik leistete sich ein paar Schwächen, die zwar dem Audi-Motto Vorsprung durch Technik nicht gerade zur Ehre gereichten, die aber nie zu einem Totalausfall führten.

Nahe dran war das System einzig bei jener Hochsommer-Episode, als die Algorithmen des Q3 nach ein paar Stunden in der Bruthitze des Flughafen-Parkplatzes in Schwechat mit einem virtuellen Schweißausbruch reagierten und nach dem Wegrollen mehrmals automatisch die Parkbremse aktivierten.

Apropos Elektronik: Das bereits im Zwischenbericht monierte Problem mit der nach dem Start äußerst müde hochfahrenden Navigation hat sich gegen Ende des Tests noch verschärft. Zuletzt dauerte es bis zu eineinhalb Minuten, bis die Anzeige „Navigationssystem wird initialisiert. Bitte warten“ erlosch und die Kartengrafik angezeigt wurde. Das geht nicht nur anderswo viel schneller, überraschenderweise schaffte es auch der Q3 aus unerfindlichen Gründen ab und zu, die Eingabe-Oberfläche auf dem Monitor unmittelbar nach dem Start anzuzeigen.

Souveräner Begleiter

Abgesehen von diesen Launen der Elektronik zeigte sich der Q3 jedoch als grundsolider Begleiter, der auf Vollgasetappen auf der deutschen Autobahn ebenso souveräne Figur machte wie im städtischen Kolonnenverkehr oder auf nassen bis bereits verschneiten Landstraßen.

In punkto Motor zeigte sich, dass der 190-PS-Benziner, was die Drehzahlen betrifft, bei Laune gehalten werden will, soll auf der Straße was weitergehen. Untenrum tut sich weniger, als man angesichts der puren Leistungsdaten vermuten würde.

Dafür hielt sich der reale Verbrauch mit einem Gesamtschnitt von 9,45 l für 100 km in überschaubaren Grenzen. Dabei reichte die Bandbreite von weniger als 8 (Landstraße) bis gut 15 Liter (deutsche Autobahn).

Wer also mit einem modernen Diesel kein Problem hat, ist mit dem modernen 150-PS-TDI von Audi in zweierlei Hinsicht besser aufgestellt: Mehr Durchzug aus dem Drehzahlkeller und im Schnitt rund zwei Liter weniger Verbrauch.

Unabhängig von der Antriebsquelle bleiben die Meriten des variablen Innenraums. So haben die verschiebbaren, in der Lehnenneigung verstell- und in drei Teilen umlegbaren Rücksitze in der Praxis viel Lob geerntet. Wie auch der zumindest 530 l Ladevolumen bietende, glattflächige Kofferraum.

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Bild links: © Michael Andrusio

Bild rechts: © Michael Andrusio

Und das Matrix-LED-Licht konnte im dunklen Herbst und beginnenden Winter noch nachhaltiger beweisen als im Sommer, dass es die rund 2000 Euro Aufpreis wert ist.


Unterm Strich zeigte sich der neue Q3 als solide verarbeiteter Premium-Beitrag zum SUV-Boom, der auch eine gute Alternative für markeninterne Umsteiger darstellt, denen der neue Q5 zu groß (und teuer) geraten ist.

Plus: Geräumiger, variabler Innenraum, souveränes Fahrverhalten, weitgehend zugfreie Klimaanlage.

Minus: Langsam hochfahrende Navigation, Bordelektronik teilweise instabil.

Antrieb: 4 Zylinder, Benzin, Direkteinspritzung, 2 oben liegende Nockenwellen 4 Ventile/Zylinder, Turbolader, Ladeluftkühler; Allradantrieb, 7-Gang-Direktschalt-Getriebe

Hubraum: 1984 cm3

Leistung: 190 PS/140 kW maximales Drehmoment: 320 Nm bei 1500 U/min

Fahrleistungen: Spitze 220 km/h, 0–100 in 7,4 Sekunden; Euro 6d-Temp.

Fahrwerk: Selbst  tragende Karosserie, Einzelradaufhängung, vorn McPherson-Federbeine, Dreieckquerlenker,  hinten Mehrlenkerachse, vorn/hinten Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Scheibenbremsen (vorn innen belüftet), Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servounterstützung, ABS, Bremsassistent, elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP).

Maße (L x B x H):4484 x 2024 x 1616 mm Wendekreis: 11,8 m
Radstand: 2680 mm

Böschungswinkel: vorn 19 Grad/hinten 16 Grad

Steigfähigkeit: 34 Grad

Rampenwinkel: 24 Grad Wattiefe: 300 mm
Bodenfreiheit: 190 mm

Gewicht: 1695 kg/Gesamtgewicht 2200 kg

Kofferraum:530–1525 l Anhängelast:gebremst/ungebremst 2100 kg/750 kg
Tankinhalt: 60 l

Bremsweg kalt: 36,9 m/Bremsweg warm: 34,4 m

Normverbr.: 7,2 l/100 km 164 g/km CO² Testverbr.: 9,9 l/100 km
Preis:45.897 €/Preis Testwagen: 61.722 €

Motorbezogene Versicherungssteuer:919,44 €
 

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