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Tests
05/30/2022

Audi RS3: Fünf Zylinder und nirgends eine Steckdose

Wie sich das Meisterstück von Audi Sport im Alltagseinsatz hält - und warum man auf eine Zukunft mit eFuel hoffen sollte

von Horst Bauer

Beschleunigungswerte wie ein Elektroauto. Aber die Kraft dafür kommt ausschließlich von einem Fünfzylinder-Turbo.

Und die einzige Klappe an der Außenhaut des Audi RS3 verdeckt den Tankstutzen. Keine Steckdose weit und breit. Und keine schwere Batterie.

So weit die Eckpunkte eines Autos, wie es angesichts der aktuell fast ausschließlich in Richtung Elektro-Mobilität laufenden Entwicklungen wohl das letzte seiner Art sein dürfte.

Mit dem aktuellen RS3 zeigt Audi Sport noch einmal eindrucksvoll, welches Potenzial in dem legendären Fünfzylinder der Marke steckt. Aber trotz der enormen Leistung von 400 PS und 500 Nm Drehmoment aus 2,5 Liter Hubraum darf man den RS3 nicht nur auf seinen Motor reduzieren. Selbst der atem(be)raubende Beschleunigungswert von 3,8 Sekunden für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 sollte nicht die Sicht auf das Gesamtpaket verstellen.

Die schärfste Variante des A3 verfügt nämlich auch über eine einzigartige Technik, um all die Kraft möglichst effektiv auf die Straße zu bringen.

Allrad mit Torque-Splitter

Die Rede ist hier vom Allradantrieb mit dem RS-Torque-Splitter an der Hinterachse. Der managt die jeweils optimale Kraftverteilung zwischen den Hinterrädern und schafft es notfalls sogar, das gesamte anliegende Drehmoment auf ein einziges Rad zu schicken. Abgesehen von der plakativen Möglichkeit, die Sache mit dem speziellen Fahrprogramm "RS Torque Rear" für forciertes Driften nutzen zu können - wo immer eine abgesperrte Kreisbahn zur Verfügung steht - bringt das System auch viel Fahrfreude im flotteren Alltagseinsatz.

Auf entsprechend freien, gewundenen Land- und Bergstraßen besticht der RS3 dadurch nämlich mit einem Fahrverhalten, von dem sich andere Mitglieder der sogenannten "Hot-Hatch"-Liga (also kompakte Alltagsautos mit Sportwagen-Fahrwerten) etwa abschauen können. Kurvengierig bis die Nackenmuskeln schmerzen, kein Untersteuern selbst in extrem flott angegangenen Kurven, exakt umgesetzte Lenkbefehle und ein 7-Gang-DSG, dem man trotz manueller Eingriffsmöglichkeit gerne die Hoheit über das Getriebe überlassen kann.

Doch der RS3 kann auch ganz anders. Wählt man das nicht zu Unrecht "efficiency" genannten Fahrprogramm, lässt es sich mit ihm auch ganz entspannt durch den Alltagsverkehr rollen. Und das bei entsprechendem Geläuf dank der "Segel"-Funktion zu einem Gutteil ohne dabei Benzin zu verbrennen. Das reduziert nicht nur den Verbrauch entscheidend, sondern erhöht auch die Sozial-Akzeptanz, weil eben nicht immer penetrant geröhrt werden muss.

Apropos Verbrauch: Im konkreten Testeinsatz lag die Spreizung des Durchschnittsverbrauchs je nach Fahrprofil zwischen 9,9 und 16,2 l für 100 Kilometer. Das zeigt schon die Bandbreite an Möglichkeiten, die im RS3 stecken.

Entspannt im Alltagsverkehr

Er kann als normales Alltagsauto genutzt werden, das vier Erwachsene plus Gepäck auch vollkommen unspektakulär transportiert. Und ebenso als heißer Untersatz für das kontrollierte Ausleben von Sportfahrer-Ambitionen auf abgesperrter Strecke. Vom Drift-Spektakel ganz zu schweigen.

So gesehen hat der neue RS3 das Zeug zum wertstabilen Sammlerstück als Zeuge dessen, was in der Verbrenner-Ära des Automobilbaus alles möglich war. Und sollten die Initiativen zur Förderung von klimaneutralem eFuel als Alternative zur Batterie-lastigen Zukunft, wie sie derzeit propagiert wird, Erfolg haben, könnte er auch dann noch nachhaltigen Fahrspaß vermitteln.

 

Antrieb Fünfzylinder-Turbo mit Direkteinspritzung, Hubraum 2.480 cm3, Leistung 294 kW /400 PS zwischen 5.600 und 7.000 U/min, maximales Drehmoment 500 Nm zwischen 2.250 und 5.600 U/min. 7-Gang-DSG, permanenter Allradantrieb mit Torque-Splitter hinten, elektromechanische Progressivlenkung.

Fahrleistungen Beschleunigung 0 – 100 km/h in 3,8 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit abgeriegelt 250 km/h oder 280 bzw. 290 km/h mit RS-Dynamikpaket plus.

Abmessungen Länge x Breite x Höhe 4.389 x 1.851 x 1.412 mm, Radstand 2.631 mm, Leergewicht 1.645 - 1.650 kg.

Verbrauch Normverbrauch nach WLTP: RS3 Sportback 8,3 – 8,8 l/100 km (190 – 201 g/km CO2). Testverbrauch 12,5 l / 100 km

Kosten RS3 Sportback ab 73.073 €, Preis des Teswagens 101.032,80 €

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