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03/26/2022

BMW i4 M50: Bayrische Bissigkeit

Die erste vollelektrische Limousine von BMW besticht mit PS, Drehmoment und Fahrgefühl, die Transformation des M in die Elektrowelt ist geglückt.

von Richard Grasl

Der erste Anblick einer neuen Elektrowagen-Generation sorgt meist für Überraschungen, denn Designer tun ja alles dafür, diese möglichst futuristisch aussehen zu lassen. Das erste Rendezvous mit dem BMW i4 M50 verläuft hingegen erfreulich unspektakulär: Sieht aus wie ein BMW, wirkt wie ein BMW, ist eben ein BMW. Und das ist gut so.

Auch bei der ersten Sitzprobe im Auto bleibt das vertraute Gefühl, wie im Benzinbruder, dem 4er Gran Coupe, zu sitzen. Es gibt sogar einen traditionellen Schalthebel, lediglich das große Curved Display, dessen Design sehr gelungen ist, lässt den Verdacht auf ein Elektroauto aufkommen. Das war es aber dann schon mit dem Vergleich.

Der i4 ist in zwei Varianten erhältlich: den eDrive40 mit Heckantrieb und 340 PS und den i4 M50 mit Allradantrieb und 544 PS im Boost-Modus. Damit erreicht er ein Drehmoment von 795 Nm, was im Fall eines Kickstarts von der Ampel weg die Beifahrer ein wenig aufheulen lässt. Auch der auf Wunsch zugeschaltete Soundeffekt lässt den Wagen übrigens dezent aber bissig aufheulen. In weniger als vier Sekunden hat man dann die 100 Kilometer pro Stunde erreicht.

Das Fahrgefühl lässt keine Wünsche offen. Trotz des batteriebedingt hohen Gewichts von 2.290 Kilo (das sind immer mehr als 500 Kilogramm mehr als bei der Topversion des 4er Gran Coupe) bringt man den i4 M 50 dank des adaptiven Fahrwerks sportlich um die Kurven der Landstraßen. In der Stadt wirkt der starke Rekuperationseffekt in den ersten Fahrstunden fast ein wenig zu stark. Wer vom Gaspedal geht, ist von der sofortigen und stark einsetzenden Bremswirkung sogar ein wenig überrascht. Das richtige Gefühl dafür ist aber nur eine Frage von wenigen hundert Kilometern, dann kann man das Anrollen auf eine bei einer Ampel stehenden Kolonne sogar schon genießen.

Kleiner Innenraum

Nun aber zu den Kritikpunkten: die Innenraumgröße und die Reichweite. Größere Fahrer, aber auch Mitfahrer im Fonds, bekommen sehr rasch das Gefühl, bald am Himmel des Innenraumes anzustehen. Auch die Beinfreiheit im Fonds ist – typisch BMW – eher für Kindergrößen ausgelegt.

Und was die Reichweite betrifft, kommt der i4 bei weitem nicht auf die ausgewiesenen 521 Kilometer. Selbst bei – was in diesem Auto schwerfällt – defensiver Fahrweise im Comfort-Modus sind maximal 400 Kilometer realistischerweise drinnen. Der durchschnittliche Verbrauch liegt im Echttest auch zwischen 23 und 25 kWh pro 100 Kilometer. An einer Schnellladestation lässt sich die Reichweite in zehn Minuten um bis zu 140 Kilometer aufstocken.

Der Grundpreis für die stärkere M-50-Variante liegt mit 69.800 Euro in einem für Elektrofahrzeuge dieser Stärke durchaus attraktiven Bereich.

Das gefällt gut
Die nahtlose Übertragung der elektrischen Antriebskraft ermöglicht in jeder Geschwindigkeitszone ein mehr als kräftiges Beschleunigen. 40 Assistenzsysteme für komfortables Fahren

Das gefällt nicht
Niedrige Innenraumhöhe, geringere Reichweite als angegeben

Die Daten
Allrad-Antrieb mit  544 PS (400 kW) Systemleistung, 795 Nm. 
0–100 km/h: 3,9 Sekunden. Akku: 81 kWh, Reichweite lt. WLTP: 521 km. Gewicht: 
2.290 kg. Preis: ab 69.800 Euro; unsere Testversion: 93.668  

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