Tests
17.08.2018

Der Mini als Cooper Cabrio im Test

Was für ein schwedisches Möbelhaus gilt, trifft erst recht auf die jüngste Generation des Mini zu: Personalisierung ist Trumpf.

Auf den ersten Blick scheint es, als wäre seinen Schöpfern die Fantasie ausgegangen. Da schwärmt der Pressetext von neuen Logos, matt-schwarzen Scheinwerfereinfassungen und Rücklichtern im Union-Jack-Design als echten Neuerungen nach dem jüngsten Facelift. Details, die nur Experten auf den ersten Blick auffallen.

Anderseits: Was soll man am Design des Mini Cabrio auch Grundlegendes ändern? Die Form hat über Generationen nichts an Attraktivität eingebüßt und das grelle Solaris Orange Metallic samt aufgeklebter schwarzer Streifen auf der Motorhaube und der britischen Flagge auf dem Stoffdach verleihen dem Testwagen einen charmant verspielten Auftritt, der sich weiter (z. B. Spiegelprojektoren mit individuellem Willkommensgruß) personifizieren lässt. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt, sofern der Interessent die jeweils moderaten Einzelaufpreise zu zahlen bereit ist (die sich in Summe zu einem beeindruckend hohen Gesamtpreis addieren).

Garantiert im Preis inbegriffen ist der Fahrspaß, den der kompakte Brite bietet. Schon auf den ersten Metern zaubert der Mini seinem Fahrer ein Lächeln aufs Gesicht, so willig folgt er kleinsten Lenkeinschlägen, flutscht der (etwas zu lange) Ganghebel durch die Schaltgassen und hängt das Triebwerk am Gas. Mehr als ausreichend sind die 136 PS des 1,5-l-Dreizylinders, um locker durch den Stadtverkehr zu wuseln oder kurvige Landstraßen unter die Räder zu nehmen.

Offen mit Sturmfrisur

Ganz besonders, wenn Dach und Seitenscheiben geöffnet sind und der Fahrtwind ob der steilen Frontscheibe das Haar der Passagiere zur Sturmfrisur föhnt. Da stört dann auch die durch das hochaufbauende Verdeck eingeschränkte Sicht nach hinten nicht, gilt doch alle Konzentration dem Blick auf die nächste Kurve.

Tribut für diese markentypische Agilität zollt man mit etwas straffer Abstimmung, die das Fahrwerk auf kurze Verwerfungen oder zu tief liegende Kanaldeckel etwas hölzern ansprechen lässt.

Bleibt zu erwähnen, dass der Mini auch einen passablen Begleiter für den automobilen Alltag abgibt – sofern dieser keine größeren Transportaufgaben vorsieht. Denn das Ladevolumen ist gering und die Luke am Heck recht klein. Ohnehin eignen sich die Rücksitze auf Langstrecken besser zur Erweiterung des Kofferraums als zur komfortablen Unterbringung von Erwachsenen. Vorne hingegen reisen selbst Großgewachsene bequem, einzig die Armlehne stört den Fahrer hin und wieder beim Schalten. Auf eintönigen Autobahnetappen entlastet der Abstandsregeltempomat diesen gekonnt und das mehrlagige Verdeck hält die Fahrgeräusche draußen.

Zeit, die (aufpreispflichtige) Infotainment-Anlage auszuprobieren, die sowohl in Feature-Fülle als auch Funktionalität ihren bayerischen Schwestermodellen in nichts nachsteht und in punkto Bedienung mittels Spracheingabe oder Dreh-Drücksteller Maßstäbe setzt.

Das Mini Cabrio ist erwachsen geworden – und teuer. Seinen Charakter als Spaßmacher hat es sich aber bewahrt.