Tests
12.09.2018

Der neue BMW i8 Roadster im Test

Lässt man sich auf ihn ein, elektrisiert der offene Hybrid-Zweisitzer Publikum wie Passagiere.

In der Liga außergewöhnlicher Sportwagen nimmt der i8 Roadster eine besondere Stellung ein. Zugegebener Maßen verdreht die Mittelmotor-typische Karosserieform mit ihren prägnanten Luftleitkanälen einigen Passanten schon den Kopf, bevor noch das Faltverdeck auf Knopfdruck in weniger als 15 Sekunden hinter den Sitzen verschwindet. Doch völlige Verblüffung erzeugt erst die nahezu lautlose Fortbewegung des 1,94 m breiten Zweisitzers: Scheinbar mühelos beschleunigt der E-Motor den i8 aus dem Stand, einen zurückhaltenden Gasfuß vorausgesetzt, sogar bis jenseits der 100 km/h. Sind alle Scheiben versenkt, rauscht einzig der Fahrtwind durchs Cockpit und weckt eher Assoziationen mit dem Segelsport als dem Autofahren.

Dreizylinder im Heck

Erst bei geringem Ladestand der Batterie oder erhöhtem Leistungsbedarf erwacht der Dreizylinder im Heck zum Leben und unterstützt mit max. 320 Nm zusätzlichem Drehmoment an der Hinterachse. Die Übergänge zwischen den Betriebsmodi erfolgen geschliffen und präzise, selbst das Pedalgefühl meldet keinerlei spürbaren Unterschied zwischen reinem Rekuperieren und echter Bremsung. Bemerkenswert, wie exakt die beiden Antriebsquellen samt eigener Automatikgetriebe an den jeweiligen Achsen aufeinander abgestimmt worden sind.

Drückt man den Wählhebel nach links in den Sportmodus, ist es mit der Stille vorbei. Erkennbar mittels Soundgenerator moduliert, stürmt der Dreizylinder gen Drehzahlbegrenzer und beschleunigt unterstützt vom Boost des E-Motors an der Vorderachse den i8 in weniger als 5 sec auf 100. Gleichzeitig verhärten sich Ansprechverhalten der Dämpfer und der elektromechanischen Lenkung, auf dass der BMW noch aufmerksamer der Ideallinie folgen möge. Bis denn die relativ schmalen Vorderräder in schnellen Kehren an Haftung verlieren und sanftes Untersteuern einsetzt. Gut berechenbar, aber doch ein wenig zu früh für einen Sportwagen vom Kaliber eines i8.

Dafür überrascht er trotz 20 Zoll großer Räder mit erstaunlich komfortablem Abrollverhalten und gediegenem Federungskomfort. Flott bewegt erreicht der BMW über die Testdauer immer mindestens 37 km an E- Reichweite. Um nahe an die laut Werk versprochene 50 km-Distanz zu kommen, bedarf es eines sensiblen rechten Fußes. Mit dem 30-l-Tank eignet sich der i8 Roadster tadellos auch für längere Strecken, einzig sein Reisegepäck muss man angesichts des knapp bemessenen Laderaums (hinter den Sitzen oder hinter dem Motor) mit Bedacht wählen.